CFS: Miese Stimmung in der Finanzbranche

Frankfurt/Main (26.7.22) – Die Stimmung der Finanzbranche hat sich weiter verschlechtert. Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt im zweiten Quartal 2022 um -4,5 Punkte auf 106,6 Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Wert um -8,6 Punkte verschlechtert. Jedoch liegt der Index immer noch auf dem Niveau von vor zwei Jahren, als sich die Finanzbranche von dem Pandemieausbruch zu erholen begann.

Die rückläufige Entwicklung im zweiten Quartal 2022 basiert wesentlich auf dem gesunkenen Umsatz-, Ertrags- und Mitarbeiterwachstum der Dienstleister und dem rückläufigen Wachstum des Investitionsvolumens der Finanzinstitute. Auch für das laufende Quartal sind die Erwartungen der gesamten Finanzbranche an ihr Umsatz- und Ertragswachstum und an das Wachstum des Investitionsvolumens pessimistisch. Erfreuliche Meldungen kommen seitens eines deutlich gestiegenen Ertragswachstums der Finanzinstitute im zweiten Quartal. Des Weiteren melden die Dienstleister ein erhöhtes Wachstum des Investitionsvolumens und beide Gruppen erwarten einen leicht erhöhten Stellenaufbau.

„Die eingetrübten Erwartungen der Finanzbranche spiegeln die hohe Unsicherheit in der Gesamtwirtschaft wider. Seit der Finanzkrise war die Branche nur zu Pandemiebeginn pessimistischer als heute“, kommentiert Prof. Dr. Andreas Hackethal, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland ist im zweiten Quartal deutlich gesunken. Mit einem Minus von 4,8 Punkten liegt der aktuelle Indexwert bei 101,9 Punkten. Besonders die Dienstleister schätzen die Lage pessimistisch ein.

„Die Finanzbranche kann sich dem Sog des allgemein eingetrübten wirtschaftlichen Umfelds in Deutschland nicht entziehen. Das trifft aktuell auch die Erwartungen hinsichtlich der Bedeutung des größten deutschen Finanzplatzes. Ich bin aber überzeugt, dass die Finanzindustrie ihre wichtige ökonomische Rolle, der Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität, nicht nur beibehalten, sondern mittelfristig sogar wieder ausbauen wird. Der Finanzplatz Frankfurt wird dabei für Deutschland und für die Europäische Union einen entscheidenden Beitrag leisten und an Bedeutung zunehmen“, sagt Gerhard Wiesheu, Präsident von Frankfurt Main Finance.

Umsatzwachstum der Finanzbranche deutlich unter dem Vorjahresniveau / Positives Ertragswachstum der Finanzinstitute im zweiten Quartal / Erwartungen der Finanzbranche pessimistisch

Das Wachstum der Umsätze der Finanzbranche ist im zweiten Quartal 2022 zurückgegangen. Die Finanzinstitute melden zwar nur einen Rückgang um -1,8 Punkte auf 110,6 Punkte. Sie liegen damit nun aber -12,5 Punkte unter dem Vorjahresstand. Der Sub-Index der Dienstleister sinkt deutlich um -6,9 Punkte auf 111,8 Punkte und liegt -11,6 Punkte unter dem Niveau von vor einem Jahr. Für das dritte Quartal 2022 sind die Erwartungen der Finanzbranche noch pessimistischer, besonders bei den Dienstleistern.

Entgegen den Erwartungen ist das Wachstum der Erträge der befragten Finanzinstitute deutlich gestiegen um +6,3 Punkte auf 112,6 Punkte. Die Dienstleister melden hingegen rückläufige Daten. Der entsprechende Sub-Index sinkt um -5,4 Punkte auf 110,1 Punkte und liegt -10,2 Punkte unter dem Stand des Vorjahres. Für das laufende Quartal rechnen beide Gruppen mit einem verschärften Rückgang ihres Ertragswachstums.

Dienstleister melden steigendes Wachstum des Investitionsvolumens / Erwartungen der Finanzbranche rückläufig

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute sinkt um -6,4 Punkte auf 108,5 Punkte und befindet sich mit -1,3 Punkten leicht unter dem Vorjahresniveau. Die Dienstleister melden einen Anstieg um +2,3 Punkte auf 107,5 Punkte. Sie liegen damit noch -5,6 Punkte unter dem Stand von vor einem Jahr. Für das laufende Quartal erwarten beide Gruppen einen Rückgang.

Mitarbeiterwachstum der Finanzbranche auf dem Vorjahresniveau / Erwartungen leicht positiv

Wie zuvor erwartet melden die Finanzinstitute ein gesunkenes Mitarbeiterwachstum für das zweite Quartal. Der Sub-Index sinkt um -2,6 Punkte auf 102,5 Punkte und befindet sich auf dem Niveau des Vorjahres. Die Dienstleister melden einen verschärften Rückgang ihres Mitarbeiterwachstums. Deren Sub-Index sinkt um -8,6 Punkte auf 108,0 Punkte und liegt jetzt exakt auf dem Vorjahresstand. Für das laufende Quartal rechnen beide Gruppen mit einem leicht positiven Mitarbeiterwachstum.