Ernst & Young EY: EU-Neuwagenmarkt sinkt um ein Fünftel und bleibt im Krisenmodus

 Frankfurt/Main (18.5.22) – Der europäische Neuwagenmarkt schrumpft weiter: Im April sanken die Pkw-Neuzulassungen in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat um 21 Prozent. Gegenüber dem Vor-Pandemieniveau (April 2019) ergibt sich sogar ein Rückgang um 40 Prozent. Weniger Autos wurden in der EU (seit der Osterweiterung) nur im April 2020, auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle, verkauft.

Neben der schon seit Monaten andauernden Chipkrise wirkten sich im April erneut die Folgen des Krieges in der Ukraine und das Fehlen wichtiger Zulieferteile aus, so Peter Fuß, Partner bei EY: „Der Mangel an Vorprodukten und Rohstoffen bremst nach wie vor die Produktion von Neuwagen. Gerade die erheblichen Engpässe bei Halbleitern haben zur Folge, dass die Lieferfähigkeit der meisten Hersteller massiv beeinträchtigt ist – diese Situation wird mindestens noch einige Monate anhalten. Durch neue Corona-Lockdowns in China geraten die weltweiten Lieferketten noch stärker unter Druck, so dass sich die erhoffte Erholung weiter verzögern dürfte. Das Gesamtbild bleibt damit unverändert: Die Verfügbarkeit von Neuwagen wird beschränkt bleiben, die Neuwagenpreise bleiben hoch, die Lieferzeiten lang. Die Hersteller werden sich weiterhin auf die Produktion hochmargiger Fahrzeuge konzentrieren.“

Hinzu komme zunehmend die konjunkturelle Eintrübung, so Fuß: „Die Inflation steigt, die Kaufkraft sinkt, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dürfte sich abschwächen. Diese Faktoren könnten sich mittelfristig auf die Nachfrage nach Neuwagen auswirken. Noch sitzen die Autokonzerne allerdings auf einem sehr komfortablen Auftragspolster.“

Da der weitere Verlauf des Krieges in der Ukraine ebenso wie die konjunkturelle Entwicklung und die Verfügbarkeit von Halbleitern derzeit gar nicht bzw. nur schwer absehbar sind, seien alle Prognosen mit großen Unsicherheiten behaftet, so Fuß. Derzeit erscheine aber ein Rückgang der Neuzulassungen in der EU um etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr realistisch: „Der EU-Neuwagenmarkt dürfte im Jahr 2022 auf einen neuen historischen Tiefstand fallen.“

Elektro-Verkäufe zunehmend unter Druck

Die Krise bei der Versorgung mit wichtigen Zulieferteilen bremst inzwischen auch den Absatz elektrifizierter Neuwagen: Der Absatz von Elektroautos stieg in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im April nur noch um acht Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nachdem er im März noch um 31 Prozent gestiegen war. In mehreren Ländern – Deutschland, Österreich und Italien – gingen die Neuzulassungen reiner Elektroautos sogar zurück.

Besonders stark abgebremst wurde die Wachstumsdynamik bei Plug-in-Hybriden. Deren Absatz schrumpfte in den Top-5-Märkten im April um 16 Prozent. Von den Top-5-Märkten wies nur noch Spanien ein Absatzplus bei Plug-in-Hybriden auf.

„Die Chipkrise ist im Elektrosegment angekommen – der Absatz elektrifizierter Neuwagen entwickelt sich zwar nach wie vor besser als der von Verbrennern. Aber die Entwicklung könnte deutlich positiver sein, wenn entsprechende Fahrzeuge lieferbar wären“, sagt Fuß. „Bei Plug-in-Hybriden dürfte sich zudem zunehmend bemerkbar machen, dass unklar ist, ob und in welchem Maß diese Autos zukünftig noch gefördert werden.“

Der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen (Elektro und Plug-in-Hybride zusammen) stieg im April im Vergleich zum Vorjahresmonat in den Top-5-Märkten von 14,4 auf 17,5 Prozent.

Deutschland wies im April mit 24,3 Prozent den höchsten Marktanteil elektrifizierter Neuwagen unter den Top-5-Märkten Westeuropas auf. In der Schweiz und in Frankreich lag der Marktanteil bei 21,5 bzw. 21,1 Prozent.

Bei reinen Elektroautos meldete im April die Schweiz den höchsten Marktanteil (13,3 Prozent), in Deutschland waren 12,3 Prozent aller Neuwagen Elektroautos. Plug-in-Hybride bleiben in Deutschland am beliebtesten: Hier lag der Marktanteil bei 12,0 Prozent. Dahinter folgt Frankreich (9,4 Prozent).