Ernst & Young EY: DAX-Konzerne verzeichnen im ersten Quartal

Rekordumsatz und Rekordgewinn

Stuttgart (17.5.22) – Mit einem Umsatzwachstum von 14 Prozent und einem Gewinnplus von 21 Prozent haben die DAX-Konzerne das erste Quartal 2022 auf Rekordniveau abgeschlossen. Obwohl gestörte Lieferketten und Engpässe bei der Versorgung mit Halbleitern, Rohstoffen und Zulieferprodukten viele Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellten, übertrafen die DAX-Konzerne auch das Niveau des Vorkrisenjahres 2019: beim Umsatz um 27 Prozent, beim Gewinn sogar um 85 Prozent. Bis auf ein Unternehmen legten alle DAX-Konzerne beim Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Auch die Gewinnentwicklung war bei der Mehrheit der Unternehmen positiv: 24 Unternehmen konnten ihren operativen Gewinn erhöhen, bei 13 Unternehmen ging der Gewinn zurück. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der derzeit im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

„Die Rahmenbedingungen bleiben außerordentlich schwierig“, betont Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY. „Die Lieferketten bleiben unter Druck, die Material- und Energiepreise steigen, der Krieg in der Ukraine führt zu erheblicher Verunsicherung und hemmt Investitionen. Bislang konnten Deutschlands Top-Konzerne die Auswirkungen dieser verschiedenen Krisen bemerkenswert gut abfedern – viele haben das beste erste Quartal ihrer Geschichte abgeschlossen und sich als sehr widerstandsfähig erwiesen. Diese guten Zahlen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Wirtschaft verwundbar ist und große Anstrengungen unternehmen muss, um sich angesichts der tektonischen Verschiebungen in der geopolitischen Landschaft neu aufzustellen.“

Durch die Zuspitzung der geopolitischen Konfrontation und den Umbruch in der Energie- und Rohstoffversorgung seien die Risiken für die Wirtschaft weiter gestiegen, so Ahlers: „Der Industriestandort Deutschland steht vor der großen Herausforderung, bei der Umschichtung von Gas- und Öllieferung folgenschwere Konsequenzen für die Industrie zu vermeiden.“

Vor diesem Hintergrund sei es derzeit extrem schwierig, Prognosen über die weitere konjunkturelle Entwicklung abzugeben, so Ahlers: „Die Unternehmen fahren auf Sicht und versuchen, sich bestmöglich für alle Szenarien zu wappnen.“ Zuletzt hätten sich die Konjunkturerwartungen deutlich eingetrübt – auch wegen der stark gestiegenen Inflation und der strikten Lockdown-Maßnahmen in China.

Die Risiken haben zugenommen, betont auch Mathieu Meyer, Partner bei EY. Bislang sei es der Mehrzahl der Unternehmen aber gut gelungen, durch diese schwierigen Zeiten zu navigieren – auch weil sie bislang die richtigen Antworten gefunden haben: „Lieferketten wurden umgestellt, gestiegene Preise konnten an die Kunden weitergegeben werden, der Produktmix wurde vielfach umgestellt und an die neuen Gegebenheiten angepasst.“

US-Markt treibt Umsatzwachstum der deutschen Konzerne

Absehbar sei allerdings, dass die neue geopolitische Situation langfristig erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben werde, so Meyer: “Die deutschen Unternehmen profitieren derzeit noch von ihrer internationalen Aufstellung. Ihre starke Präsenz in allen großen Märkten weltweit hat sich bei vielen Krisen als Segen erwiesen – so konnten Rückgänge in einzelnen Märkten durch Wachstum in anderen Ländern kompensiert werden.“

Derzeit profitieren die deutschen Unternehmen vor allem von der guten Entwicklung in den Vereinigten Staaten. In Nordamerika stiegen die Umsätze in Summe um 19 Prozent. „Die Nachfrage hat sich in den Vereinigten Staaten zuletzt sehr stark entwickelt – viele deutsche Unternehmen investieren derzeit auf dem amerikanischen Markt, um an dieser Dynamik partizipieren können“, sagt Meyer.

Im vergangenen Jahr war noch Asien der Umsatzmotor der deutschen Unternehmen gewesen – im ersten Quartal hingegen lag das Umsatzplus in Asien nur noch bei acht Prozent. Meyer: „Die harten Lockdown-Maßnahmen in China erweisen sich zunehmend als Problem für die gesamte Weltwirtschaft. Die Auswirkungen dieser Lockdowns werden wir noch zu spüren bekommen. Es ist durchaus möglich, dass es in den kommenden Monaten auch für die deutschen Top-Unternehmen noch knüppeldick kommt. Denn die Auswirkungen der gestiegenen Energie- und Nahrungskosten machen sich zunehmend beim privaten Konsum bemerkbar. Zudem sinkt die Kaufkraft in den USA durch den rasanten Anstieg der Zinsen.“

Volkswagen mit höchstem Gewinn

Die gewinnstärksten Unternehmen waren im ersten Quartal die deutschen Autokonzerne, die Deutsche Telekom und Bayer: Volkswagen erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 8,3 Milliarden Euro. Dahinter platzierte sich die Deutsche Telekom mit 6,3 Milliarden Euro, Mercedes-Benz mit 5,2 Milliarden Euro, Bayer mit 4,2 Milliarden Euro und BMW mit 3,4 Milliarden Euro.

Den stärksten Gewinnanstieg verzeichnete Airbus: Der Flugzeugbauer erhöhte den operativen Gewinn um 209 Prozent, was etwa einer Verdreifachung entspricht. Den zweithöchsten Gewinnanstieg konnte Brenntag vorweisen (plus 138 Prozent) vor Porsche (plus 103 Prozent).

Bei der Beschäftigung reichte es in Summe immerhin für ein Plus von 2,7 Prozent – das allerdings in erster Linie auf Zukäufe zurückzuführen ist. Sechs Unternehmen meldeten eine niedrigere Beschäftigtenzahl als im Vorjahr.

„Die Zahl der Mitarbeitenden steigt längst nicht so stark wie der Umsatz“, sagt Henrik Ahlers. „Das zeigt, dass die Bemühungen der Unternehmen um eine Steigerung ihrer Effizienz vorankommen – viele Firmen haben in den vergangenen Jahren umfassende Flexibilisierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen durchgeführt. Letztlich profitieren die Beschäftigten vom Erfolg dieser Maßnahmen. Denn mit der Profitabilität und der Agilität der Unternehmen steigt auch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen. Zudem zeigt sich immer stärker, dass auch das Angebot an Mitarbeitenden begrenzt ist – der Fachkräftemangel limitiert zunehmend das Wachstum der DAX-Konzerne. Das heißt: Große Sprünge sind bei der Beschäftigtenzahl in Zukunft unwahrscheinlich.“