BNW zur IAA: Hersteller bringen rollende

Investitionsruinen in die Autohäuser

Berlin (7.9.21) – Trotz des diesjährigen grünen Anstrichs der IAA ist von Mobilitätswende nicht viel zu spüren. Die Konzeptfahrzeuge sind elektrisch, doch in die Läden stürmen jetzt PS-Protze mit katastrophaler CO2-Bilanz. Das zeigen die Neuvorstellungen auf der Automesse. „Die Käufer:innen stellen sich rollende Investitionsruinen in die Garage“, sagt Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft (BNW).

„Bei steigenden Benzinpreisen und voraussichtlich schnell fallendem Wiederverkaufswert auf dem Gebrauchtmarkt sind die fossilen Fahrzeuge schon bald nicht mehr viel wert. Zumal die Elektroautos auch der „Freude am Fahren“-Fraktion nachhaltigen Spaß versprechen: Der Antrieb ist sauber und die Beschleunigung prompt“, kommentiert Dr. Katharina Reuter.

Wie schon seit Jahrzehnten wachsen die neuen Benziner- und Dieselmodelle bei Länge, Breite und Gewicht. Ein Beispiel ist die neue Generation des BMW 2er Coupé. Das Auto legt 10 Zentimeter in der Länge und 6,4 Zentimeter in der Breite zu. Das Fahrzeug wiegt fast 1,8 Tonnen und wird in einer Motorisierung bis zu 374 PS angeboten. Weder diese Kraftprotzerei noch der angegebene Verbrauch von 8,8 Litern pro 100 Kilometern passt zu den Klimaversprechen, die Unternehmen wie BMW abgeben.

Ähnliche Fahrzeuge aus der Entwicklungsabteilung „schneller, breiter, schwerer“ bringt Audi mit dem A3 RS und Mercedes mit dem Mercedes C-Klasse-Modell „All-Terrain“ auf den Markt.

Elektrisches Fahren braucht Ausbau der Erneuerbaren

„Der rasante Klimawandel verbietet es, die nächste Generation von Sportwagen auf die Straße zu bringen, damit sie dort hunderttausende Kilometer abspulen und tausende Tonnen CO2 herauspusten“, so Dr. Katharina Reuter. Zum Vergleich: Im Schnitt verbraucht jede:r Bürger:in in Deutschland gut 10 Tonnen CO2 pro Jahr.

Der BNW weist außerdem darauf hin, dass Träume vom fossilfreien Fahren in Deutschland auch in Zukunft nur dann wahr werden, wenn die Autos mit erneuerbarem Strom getankt werden. „Dazu brauchen wir dringend einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren von der Offshore-Windenergie bis zur Solarenergie“, so Dr. Katharina Reuter. Auch die zahlreichen auf der IAA angebotenen Hybrid-Fahrzeuge sind nur dann ein Gewinn für den Klimaschutz, wenn sie überwiegend batterieelektrisch fahren. Und das ist bei den oft auch als Dienstwagen eingesetzten Fahrzeugen meist nicht der Fall.

Zum Ausbau der Elektromobilität fehlt außerdem eine angemessene Ladeinfrastruktur. Der Alternative Autogipfel vergangenes Wochenende hatte die Forderung des BNW bekräftigt, wonach ein einheitliches Bezahlsystem mit Giro- oder Kreditkarte als Schlüssel für einen schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur notwendig ist.