Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft: Mehr als Elektroauto – Baden-Württemberg zum Musterländle für

nachhaltiges Wirtschaften machen

Berlin/Stuttgart (23.4.21) – Bei den laufenden Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU in Baden-Württemberg begrüßt der BNW das gemeinsame Commitment beider Parteien zum Klimaschutz. Allerdings komme der ökologisch orientierte Mittelstand bisher zu wenig vor. Zudem sei ein stärkeres Signal der nachhaltigen Transformation der Staatsbetriebe nötig. Baden-Württemberg solle die Chance ergreifen, zum echten Vorreiter einer zukunftsorientierten Wirtschaft zu werden.

In dem Sondierungspapier von Bündnis 90/Die Grünen und CDU liegt ein starker Fokus auf den großen Themen Erneuerbare Energie und Mobilität. Aber nachhaltige Unternehmen im Lebensmittelhandel, bei den Büroausstattern, in der Textilbranche oder Mobilitätsanbieter fordern veränderte Rahmenbedingungen, damit ihre Dienstleistungen und Produkte konkurrenzfähig werden. „Klimaschutz ist mehr als der Ausbau von Solar, Wind und Elektroautos“, erklärt Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft, BNW.

Der BNW fordert daher ein Durchdeklinieren der Anreize für nachhaltiges Wirtschaften – gerade für den Mittelstand. „Dabei geht es nicht um neue Fördertöpfe, sondern um die Beseitigung von strukturellen Hürden“, so Reuter. Die Mehrkosten, der Mehraufwand und das höhere Risiko für nachhaltig orientierte Unternehmen werde noch nicht stark genug adressiert.

Staatsbetriebe zum Motor der ökologisch-sozialen Transformation machen

Über seine Verwaltungen und Staatsbetriebe könnte das Land Baden-Württemberg selbst mit einer nachvollziehbaren und nachhaltigen Wirtschaftswende ernst machen. Das Land ist an mehr als 85 Unternehmen von Häfen bis zu Salzwerken direkt beteiligt und betreibt mit den Staatlichen Münzen und dem Staatsweingut Meersburg zwei eigene Unternehmen. Insgesamt arbeiten hier rund 81.000 Mitarbeiter:innen.

„Baden-Württemberg sollte jetzt verbindlich vorschreiben, dass alle seine Unternehmen und Beteiligungen nicht nur nachhaltig beschaffen – sondern selbst auch im Kerngeschäft die ökologische und soziale Transformation vorantreiben“, sagt BNW-Mitglied Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von VAUDE im baden-württembergischen Tettnang. Die Landesbetriebe könnten Vorbild für eine neue Ausrichtung der Wirtschaft sein. „Wir sollten Baden-Württemberg zum Musterland für nachhaltiges Wirtschaften machen“, fordert von Dewitz. Dazu gehöre eine transparente, nicht-finanzielle Unternehmensberichterstattung und die strategische Verankerung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen.

Neuer Gesellschaftsvertrag mit der Land- und Forstwirtschaft

Dabei kommt gerade der Land- und Forstwirtschaft eine hohe Bedeutung zu. Die Landwirtschaft stellt nicht nur Lebensmittel her, sondern hat auch ein hohes Potenzial für den Erhalt der Artenvielfalt und für den Klimaschutz. Das Land muss die Landwirtschaft über eine verstärkte Nachfrage seiner Landesbeteiligungen nach regionalen und ökologischen Lebensmitteln fördern und die hier vorliegenden Selbstverpflichtungen schnell umsetzen.

Ökologie und Wärmewende am Bau

Baden-Württemberg hat als wirtschaftlich prosperierendes Bundesland eine hohe Bautätigkeit. „Das Land muss klare Vorgaben machen, um den Flächenverbrauch für Wohn- und Gewerbegebiete sowie für die Straßeninfrastruktur deutlich zu verringern“, erklärt BNW-Mitglied Gottfried Härle, Eigentümer der Brauerei Clemens Härle in Leutkirch im Allgäu.

Um zu einem nachhaltigen Bauen und Wohnen zu kommen sind notwendig:

  • Konkretisierung der Strategien für eine Wärmewende im kommunalen Bereich
  • Weiterentwicklung des Wärmegesetzes verbunden mit Anreizen zu energetischen Gebäudesanierungen
  • Initiativen zum Baustoff-Recycling und zum umweltschonenden Bauen, insbesondere auch zur Stärkung des Baustoffs Holz

„Von einer grün geführten Landesregierung darf man erwarten, Vorreiter auf allen Feldern der Wende zur Nachhaltigkeit zu sein“, so Gottfried Härle weiter.