Ernst & Young: Neuwagenmarkt wächst wieder – aber Vorkrisenniveau bleibt in weiter Ferne

Stuttgart (7.4.21) – Nach einem Rückgang um 19 Prozent im Februar entwickelten sich die Neuzulassungen in Deutschland im März in die andere Richtung – zumindest auf den ersten Blick: Die Zahl der neu zugelassenen Pkw stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 36 Prozent. Diese beeindruckende Entwicklung relativiert sich allerdings, wenn die Zahlen von März 2021 in Relation zu denen von März 2019 gesetzt werden. Dabei zeigt sich, dass das Absatzniveau weiter deutlich – um 38 Prozent – unter dem lag, das im März 2019 erreicht wurde.

  • „Die Situation auf dem deutschen Neuwagenmarkt verbessert sich derzeit nur graduell – das ist noch keine Trendwende. Nach wie vor liegt der Neuwagenmarkt deutlich unter dem Vorkrisenniveau“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY.
  • Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in den anderen großen europäischen Märkten. So haben sich die Neuzulassungen in Frankreich gegenüber dem Vorjahresmonat fast verdreifacht (plus 191 Prozent), lagen aber dennoch deutlich – um 19 Prozent – unter dem Niveau von März 2019. In Italien haben sich die Neuzulassungen sogar versechsfacht (minus 12 Prozent gegenüber März 2019), während sie in Spanien „nur“ um 128 Prozent stiegen (minus 30 Prozent gegenüber März 2019). In Großbritannien wurde ein Wachstum von 11 Prozent registriert – im Vergleich zu März 2019 entspricht das einem Rückgang um 38 Prozent. „Der Trend, den wir in Deutschland beobachten, zeigt sich auch in den anderen europäischen Märkten“, fasst Fuß zusammen. „Der Markt erholt sich langsam, die erwarteten massiven Nachholeffekte kommen aber noch nicht zum Tragen, da weiterhin erhebliche Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens bestehen und es zudem eine erhebliche Unsicherheit in Bezug auf die weitere konjunkturelle Entwicklung und den Fortschritt der Impfkampagnen gibt.“
  • Elektroabsatz legt weiter kräftig zu: Im März gewann der Absatz elektrifizierter Neuwagen weiter an Dynamik: Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos stieg um 191 Prozent, nachdem sie im Februar „nur“ um 124 Prozent gewachsen waren, bei den Plug-in-Hybriden betrug das Plus 277 Prozent (Februar: plus 162 Prozent). Der Marktanteil reiner Elektroautos stieg gegenüber dem Vorjahresmonat von 4,8 auf 10,3 Prozent, bei Plug-in-Hybriden kletterte der Marktanteil von 4,4 Prozent (März 2020) auf 12,2 Prozent.
  • Fuß rechnet damit, dass sich das Absatzplus bei elektrifizierten Neuwagen im Verlauf des Jahres noch weiter steigern wird: „Wir werden in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden sehen. Dafür sorgen neben der sogenannten Innovationsprämie auch attraktive neue Modelle, die für den weiteren Jahresverlauf angekündigt sind und die das Kundeninteresse nochmals anfachen werden. Zudem dürften spätestens in der zweiten Jahreshälfte die aktuellen Lieferprobleme der Vergangenheit angehören.“
  • Verbrenner stehen weiter massiv unter Druck: Während Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen um 232 Prozent (gegenüber März 2020) zulegten, verzeichneten Benziner und Selbstzünder einen minimalen Anstieg um zusammen 2 Prozent. Der Marktanteil von Benzin- und Diesel-Neuwagen schrumpfte somit von 81,6 auf 61,5 Prozent. „Das Tempo, mit dem klassische Verbrenner derzeit an Bedeutung verlieren, ist atemberaubend. Und es spricht viel dafür, dass der Niedergang dieser Antriebsarten auch in den kommenden Jahren anhalten wird. Wir erleben derzeit den Beginn eines Paradigmenwechsels in der Automobilindustrie“, sagt Fuß.