Visionär, Kollege, Freund –

Zum Tod von Hans-Christoph Wehnelt

 

Hans-Christoph Wehnelt - Foto: PK/Archiv

Lieber Hans-Christoph,

ich spreche zu Dir als säßest Du  neben mir, denn mit Deinem Tod will ich mich und kann ich mich noch nicht abfinden.

Lieber Hans-Christoph,

es war im Sommer 86 gewesen, damals trafen wir uns zum ersten Mal vor der Alten Oper in Frankfurt. Ich hatte Dich angerufen und um dieses Treffen gebeten, weil ich mit Dir kurz über meinen Wunsch reden wollte, zum hr zu gehen, in die Wirtschaftsredaktion des Hörfunks, also in jene Redaktion, deren Chef Du damals gewesen warst.

Ohne Dich persönlich zu kennen, warst Du seinerzeit mein Vorbild gewesen. Auch Du hattest kurze Zeit vorher als Wirtschaftsredakteur den Sprung von der Zeitung, vom gedruckten Medium, in den Hörfunk, ins Radio geschafft.  Deinem Beispiel, lieber Hans-Christoph, wollte ich seinerzeit folgen, nichtsahnend, auf welche organisatorischen Schwierigkeiten ich dabei stoßen würde. Dank Deiner Hilfe gelang mir jedoch der Wechsel von der Zeitung zum hr.  Dies geschah zu einer Zeit, zu der Du eine geniale Idee, eine mutige Vision hattest. Nämlich die, im hr regelmäßig und fundiert von der Frankfurter Börse und damit von den Kapitalmärkten zu berichten. Dieses Vorhaben stieß auf Widerstand und verlangte daher von Dir Mut und Durchsetzungsvermögen. Die Stimmung im hr in der zweiten Hälfte der 80er Jahre war der Börse gegenüber, um es diplomatisch auszudrücken, verschlossen und zugeknöpft gewesen. Trotzdem bautest Du die Börsenberichterstattung auf, jene Keimzelle, die im Laufe der Zeit auch die Fernseh-Kollegen des Hessischen Rundfunks inspirierte und letztlich in die heutige Börsen-Informationswelt der ARD mündete. Du hattest den entscheidenden Anstoß dazu gegeben. Wovon auch ich profierte, gehörte ich doch deinetwegen zu den ersten Börsenreportern des hr und der ARD, schlüpfte in eine Rolle, die ich über ein Viertel Jahrhundert spielen durfte. Dafür danke ich Dir sehr.

Später, als Du bereits als Pensionär in Oberstdorf lebtest, halfst Du mir beim Aus- und Aufbau unseres gemeinsamen Internet-Portals „geldanlagen-nachrichten.de“.

Lieber Hans-Christoph,

wie gerne hätte ich Dich noch einmal freundschaftlich umarmt.

Nun hast Du Deinen Frieden gefunden. Ich weine um Dich.

Peter