Martin Currie Invesgtment Management: Stakeholder-Modell löst Prinzip der reinen Gewinnmaximierung ab

Frankfurt/Main (13.11.20) – Statt nur die Aktionäre und deren kurzfristige Ziele im Blick zu haben, bezieht das Stakeholder-Modell auch den langfristigen Erfolg von Zulieferern, Kunden und Mitarbeitern mit ein. „Für Unternehmen können sich daraus Vorteile ergeben“, so die Experten des Investmenthauses Martin Currie.

„Die Verantwortung gegenüber Stakeholdern gewinnt gegenüber dem Prinzip der reinen Gewinnmaximierung bei Unternehmen an Bedeutung“, so die Experten von Martin Currie. Fühlten sich Unternehmen über Jahre lediglich ihren Aktionären verpflichtet, spielt inzwischen auch das Wohl von Zulieferern, Kunden und Angestellten eine bedeutende Rolle in der langfristigen Strategie von Unternehmen. Gerade während der Covid-19-Krise habe sich diese Stakeholder Accountability verstärkt und zahle sich für Unternehmen aus.

Die Experten von Martin Currie verweisen auf den Fall von L’Oréal: Das Unternehmen habe während der Krise an verschiedenen Stellen Kulanz gezeigt und so Stakeholder enger zusammenrücken lassen. So wurde Geschäftskunden, wie etwa Parfümerien und anderen Einzelhändlern, angeboten, Zahlungen später zu leisten. Zulieferer wurden schneller als üblich bezahlt und Mitarbeiter erhielten Job- und Gehaltsgarantien. Der Allgemeinheit stellte L’Oréal Desinfektionsmittel und Handcremes zur Verfügung und spendete diese unter anderem an medizinische Einrichtungen. Zwar stellte das Unternehmen die geplante Erhöhung der Dividende zurück und setzte Aktienrückkäufe aus, doch gewann das Unternehmen auf diese Weise Liquidität, um die Krise meistern und die Weichen für die Zukunft besser stellen zu können. Am Aktienmarkt wurde dieser langfristige Fokus honoriert: Aktien von L’Oréal glänzten zuletzt mit Überrenditen.

Aus Sicht von Martin Currie schafft Stakeholder Accountability bei allen Beteiligten Vertrauen: „Dies kann langfristig dazu führen, dass Unternehmen als kompetenter wahrgenommen werden und zudem wettbewerbsfähiger sind.“ Im Gegenzug büßten Unternehmen, die ethisches Handeln vermissen lassen, an Vertrauen und Wettbewerbsfähigkeit ein.

Als Konsequenz aus diesen Erkenntnissen könne man einen noch größeren Fokus auf die soziale Komponente der ESG-Kriterien legen, heißt es bei Martin Currie. Zugleich betonen die Experten allerdings, dass Aktionäre auch in Zukunft wichtige Stakeholder bleiben. Zudem kommen auch bei Anteilseignern soziale Kriterien zum Tragen, beispielsweise wenn ehemalige Mitarbeiter im Ruhestand auf die Zahlung von Dividenden angewiesen sind. Das Modell der Stakeholder Accountability ist daher trotz der jüngsten Fortschritte nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. „Die Zukunft des Stakeholder-Modells ist vielversprechend, doch es bleibt einiges zu tun. Im Bereich der Diversität besteht noch immer Nachholbedarf und auch die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit erfordern gemeinsames und konsequentes Handeln“, betont man bei Martin Currie.