Ernst & Young: DAX-Konzerne erholen sich im dritten Quartal

Stuttgart (13.11.20) – Nach dem Einbruch im zweiten Quartal hat sich das Geschäft vieler DAX-Konzerne im dritten Quartal deutlich erholt: Der Gesamtumsatz der Unternehmen stieg gegenüber dem zweiten Quartal um 47 Milliarden Euro bzw. 16 Prozent. Auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum ergibt sich ein Plus: Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 kletterte der Umsatz um 0,4 Prozent. Allerdings verzeichneten 18 Unternehmen – und damit die Mehrheit – einen Umsatzrückgang. Die insgesamt positive Umsatzentwicklung gegenüber dem Vorjahreszeitraum ergibt sich zu einem großen Teil aus Konsolidierungseffekten bei der Deutschen Telekom und Eon (Erwerb von Sprint bzw. Innogy).

Beim Gewinn trübten auch im dritten Quartal vor allem einige hohe Abschreibungen das Bild: Insgesamt schrumpfte der Gewinn der DAX-Konzerne gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 47 Prozent – aber immerhin 13 Unternehmen verzeichneten einen im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen operativen Gewinn, 14 Unternehmen meldeten einen Gewinnrückgang. In Relation zum zweiten Quartal dieses Jahres ergibt sich aber ein kräftiger Anstieg des Gewinns um rund 14 Milliarden Euro – von 203 Millionen Euro auf 14,3 Milliarden Euro.

Das zeigt eine aktuelle Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

„Nach dem massiven Einbruch im zweiten Quartal haben sich die deutschen Top-Konzerne im dritten Quartal deutlich besser entwickelt. Es zeigen sich bei den meisten Unternehmen klare Erholungstendenzen, beim Umsatz liegen sie insgesamt sogar wieder über dem Vorjahresniveau,“ berichtet Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland.

Besonders stark erholt hat sich die Automobilindustrie: Im zweiten Quartal hatten die vier im DAX gelisteten Unternehmen aus der Autobranche noch einen Umsatzrückgang um 32 Prozent verzeichnet. Im dritten Quartal lag das Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur noch bei vier Prozent. „Die Stimmung hat sich im Lauf des dritten Quartals deutlich aufgehellt, gerade in der Autoindustrie hat es einen kräftigen Schub gegeben“, sagt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY.

Mit gut 140 Milliarden Euro an Zahlungsmitteln bzw. Zahlungsmitteläquivalenten verfügten die DAX-Unternehmen auch zum Ende des dritten Quartals über erhebliche liquide Mittel. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein Anstieg um 35 Prozent, im Vergleich zum Ende des vorangegangenen Quartals immerhin ein Anstieg um fünf Prozent. „Die Ausstattung mit Liquidität ist nach wie vor komfortabel“, sagt Meyer. „Damit sind Deutschlands Top-Konzerne auch für ein möglicherweise schwieriges Jahresende gerüstet.“

Unsicherer Ausblick auf das vierte Quartal

In den vergangenen Wochen haben viele europäische Länder wieder erhebliche Beschränkungen des öffentlichen Lebens eingeführt – zum Teil muss nun auch wieder der Einzelhandel schließen. „Die in vielen Ländern stark steigenden Infektionszahlen stellen eine neue Herausforderung auch für die DAX-Konzerne dar“, sagt Barth. Er rechnet damit, dass sich daraus auch neue geschäftliche Einbußen ergeben werden: „Es gibt teils erhebliche Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens bis hin zu Sperrstunden. All das wird die konjunkturelle Entwicklung erneut stark belasten. Da Europa nach wie vor der wichtigste Markt für die deutschen Top-Konzerne ist, werden auch sie mit Einbußen leben müssen.“

Barth betont aber: „Alle haben aus dem ersten großen Lockdown gelernt – Verbraucher, Unternehmen und Behörden. In den Chefetagen weiß man nun besser mit dem Problem umzugehen – die Lieferketten wurden verstärkt, die Notfallpläne haben bereits den Realitätstest bestanden, man wird konzentriert und pragmatisch durch die kommenden Monate navigieren“.

Sollte es nun aber auch wieder längerfristig und in großem Umfang zu Werksschließungen und zu einem massiven Herunterfahren des öffentlichen Lebens kommen, würde sich dies erneut in entsprechend kräftigen Umsatz- und Gewinneinbußen niederschlagen, so Meyer: „Die kommenden Monate werden schwierig. Aber nicht zuletzt dank der jüngsten positiven Meldungen zur Impfstoffwirksamkeit sehen wir eine breite und starke Zuversicht, dass ein Aufschwung – und damit wieder steigende Umsätze – nicht mehr allzu weit entfernt ist.“

Wachstum nur in Asien

Im dritten Quartal entwickelte sich vor allem das Nordamerika-Geschäft schwach, während sich Asien einmal mehr als Wachstumsmotor erwies. So schrumpfte der in Nordamerika erwirtschaftete Umsatz bei den Unternehmen, die entsprechende Angaben machen und bei Herausrechnung des „Sprint-Effekts“, um sechs Prozent, während in Europa nur ein leichtes Minus von einem Prozent verzeichnet wurde – nach einem Rückgang um 24 Prozent im Vorquartal. In Asien stiegen die Umsätze hingegen um knapp zwei Prozent. „Für viele deutsche Unternehmen ist Asien, und dort vor allem China, inzwischen ein sehr wichtiger Absatzmarkt. Auch wir in Deutschland profitieren davon, dass dort Beschränkungen früh gelockert werden konnten und die Kauflust offenbar zurückgekehrt ist. Damit erweist sich die globale Aufstellung der deutschen Wirtschaft wieder einmal als hilfreich“, sagt Meyer.

Beschäftigung nur geringfügig gesunken

Weltweit beschäftigten die DAX-Konzerne zum Ende des dritten Quartals insgesamt 3,2 Millionen Mitarbeiter – das waren 0,04 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (13 von 20) meldete sinkende Beschäftigungszahlen. „Es kündigte sich schon länger ein Ende des Beschäftigungsbooms bei den Großkonzernen an“, sagt Meyer. „Ein hoher Investitionsbedarf bei Zukunftstechnologien führt bei vielen Unternehmen zu strengen Sparmaßnahmen an anderer Stelle. Die Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt. Insgesamt halten sich der Auswirkungen der Corona-Krise auf die Beschäftigung bislang unterm Strich aber in Grenzen.“