Siemens: Stabil in turbulenten Corona-Zeiten

München (12.11.20) – In wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeiten hat die Siemens AG im Geschäftsjahr 2020 (zum 30. September) eine starke finanzielle Leistung erzielt und die historische Transformation des Konzerns erfolgreich vorangetrieben.  So zieht Siemens Bilanz für das zurückliegende Geschäftsjahr. In der am Morgen vorgelegten Pressemitteilung  lobt sich Siemens weiter: Trotz der weltweit großen Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie konnte Siemens das Jahr mit einem starken vierten Quartal erfolgreich abschließen. Als Wertschätzung für die Höchstleistungen in der Krise zahlt Siemens seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit eine Prämie von insgesamt rund 200 Millionen Euro. Aktionärinnen und Aktionäre sollen ebenfalls am Geschäftserfolg und der finanziellen Stärke des Unternehmens teilhaben. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung deshalb eine Dividende von drei Euro plus 50 Cent je Aktie vor, also insgesamt 3,50 Euro je Aktie. Bereinigt um den Marktwert der Abspaltung von Siemens Energy in Höhe von 10 Prozent stellt dies gegenüber den 3,90 Euro aus dem letzten Jahr eine gleichbleibende Dividende dar.

Mit dem regulären Dividendenvorschlag von drei Euro je Aktie schüttet Siemens 60 Prozent des Gewinns nach Steuern aus und bewegt sich damit am oberen Rand des angestrebten Korridors von 40 bis 60 Prozent. Die zusätzliche Dividende von 50 Cent je Aktie ergibt sich aus der Neuausrichtung der Aktienrückkaufprogramme infolge des Re-Ratings der Siemens-Aktie.

Vision 2020+ erfolgreich vorangetrieben

Neben der erfolgreichen operativen Arbeit hat Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr die Umsetzung seiner langfristigen Strategie Vision 2020+ konsequent vorangetrieben. Ziel war es, den einzelnen Geschäften deutlich mehr unternehmerische Eigenständigkeit unter der starken gemeinsamen Marke „Siemens“ zu geben. Vor diesem Hintergrund spaltete Siemens sein Energiegeschäft ab und brachte dieses Ende September als Siemens Energy erfolgreich an die Börse. Zusammen mit Siemens Healthineers und der Siemens AG gibt es nun drei börsennotierte Gesellschaften des Siemens-Ökosystems.
„Das Siemens-Team hat ein bemerkenswertes Geschäftsjahr mit einem starken vierten Quartal abgeschlossen. Neben dem Abschluss der strukturellen Neuausrichtung von Siemens konnten wir im Vergleich zum Vorjahresquartal das Ergebnis weiter steigern“, sagte Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. „Nach der Abspaltung von Siemens Energy und der Veräußerung von Flender ist das neue Siemens hervorragend aufgestellt, um die gewaltige industrielle Transformation zu gestalten.“
„Siemens verfügt auch in diesen herausfordernden Zeiten über eine grundsolide Finanzausstattung“, ergänzte Ralf P. Thomas, Finanzvorstand der Siemens AG. „Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten wir den Free Cash Flow nochmals erheblich steigern und damit den höchsten Wert im vergangenen Jahrzehnt erreichen. An unserem Erfolg sollen auch die Aktionärinnen und Aktionäre von Siemens teilhaben. Mit 3,2 Prozent bietet Siemens unverändert eine deutlich über dem Branchendurchschnitt liegende Dividendenrendite. Zusammen mit unserem Aktienrückkaufprogramm und dem nach der Abspaltung von Siemens Energy einsetzenden Re-Rating unserer Aktie bieten wir unseren Investoren einen hochattraktiven Total Shareholder Return.“
„Für Siemens hat am 1. Oktober nicht nur das neue Geschäftsjahr begonnen, sondern auch ein neues Kapitel in der 173-jährigen Geschichte“, sagte Roland Busch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und künftiger CEO. „Wir haben mit der konsequenten Umsetzung der Vision 2020+ ein Konglomerat in ein fokussiertes Technologieunternehmen gewandelt. Die neue Siemens AG hat ein klares Ziel: Wir ermöglichen unseren Kunden in der Industrie, Infrastruktur und Mobilität, ihre Branchen erfolgreich zu transformieren. Wir unterstützen damit maßgeblich das Rückgrat der Wirtschaft und die Basis für nachhaltiges Wachstum.“

Komfortabler Auftragsbestand – Starker Free Cash Flow

Trotz der massiven weltwirtschaftlichen Turbulenzen aufgrund der COVID-19-Pandemie hielt Siemens den Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2020 konstant. Er lag mit 57,1 Milliarden Euro um lediglich zwei Prozent unter Vorjahr. Der Auftragseingang im Konzern verringerte sich im Jahresvergleich um sieben Prozent leicht auf 60,0 Milliarden Euro. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz („Book-to-Bill-Ratio“) liegt weiter bei 1,05 und damit auf einem sehr komfortablen Niveau.
Das angepasste EBITA der Industriellen Geschäfte verringerte sich um lediglich drei Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Darin enthalten war ein positiver Effekt von 0,8 Milliarden Euro aus dem Anteil an dem US-Software-Unternehmen Bentley Systems. Gegenläufig wirkten Aufwendungen für Personalrestrukturierung von 0,5 Milliarden Euro. Die angepasste EBITA-Marge der Industriellen Geschäfte betrug 14,3 Prozent (2019: 14,4 Prozent) und war damit stabil auf hohem Niveau.
In den nicht fortgeführten Aktivitäten fiel im Gesamtjahr nach Steuern ein Verlust von 90 Millionen Euro an (2019: Gewinn von 490 Millionen Euro). Insgesamt ging der Gewinn nach Steuern im Gesamtjahr um 26 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro zurück. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie für den Gewinn nach Steuern belief sich damit auf 5,00 Euro (2019: 6,41 Euro).
Trotz eines weniger günstigen liquiditätsbezogenen Umfelds stieg der Free Cash Flow deutlich auf 6,4 Milliarden Euro (2019: 5,8 Milliarden Euro) und erreichte damit den höchsten Stand in den vergangenen zehn Jahren.

Starker Jahresabschluss im vierten Quartal

Im Schlussquartal des Geschäftsjahrs 2020 waren Auftragseingang und Umsatzerlöse durch negative Währungsumrechnungseffekte stark belastet. Bereinigt um diese stieg der Auftragseingang sogar um zwei Prozent auf 15,6 Milliarden Euro. Deutliches Wachstum verzeichnete dabei insbesondere Mobility. Der Konzernumsatz sank auf vergleichbarer Basis moderat um drei Prozent auf 15,3 Milliarden Euro. Die Book-to-Bill-Ratio liegt mit 1,02 weiter über 1.
Das angepasste EBITA der Industriellen Geschäfte stieg im Quartal um zehn Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Neben einer starken Leistung im Softwaregeschäft ist darin zum Teil der positive Effekt in Zusammenhang mit dem Anteil an Bentley Systems enthalten. Hinzu kam ein Gewinn von 0,2 Milliarden Euro aus der Veräußerung eines Geschäfts bei Smart Infrastructure. Gegenläufig wirkten sich Personalrestrukturierungsaufwendungen in Höhe von 0,1 Milliarden Euro aus.
Der Gewinn nach Steuern im Quartal stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro aufgrund eines höheren Gewinns aus nicht fortgeführten Aktivitäten, der einen Gewinn (vor Steuern) aus der Abspaltung von Siemens Energy enthielt. Dieser betrug 0,9 Milliarden Euro nach Abzug damit in Verbindung stehender Aufwendungen für das gesamte Geschäftsjahr.
Digital Industries erzielte im vierten Quartal erneut ein prozentual zweistelliges Auftragswachstum im Softwaregeschäft einschließlich einer Reihe größerer Auftragsgewinne von Mentor. Die Automatisierungsgeschäfte sahen sich hingegen weiter einer schwächeren Nachfrage insbesondere aus der Automobilbranche und dem Maschinenbau gegenüber. Dies führte insgesamt zu einem Umsatzrückgang. Gleichwohl verbuchte Digital Industries wieder ein starkes Ergebnis. Die Auswirkungen des Umsatzrückgangs auf das angepasste EBITA konnten teilweise durch Kostensenkungen und pandemiebedingte Einsparungen ausgeglichen werden. Zudem verbuchte das Segment den positiven Effekt aus der Beteiligung an Bentley Systems – hauptsächlich aufgrund der Neubewertung infolge des Börsengangs des Unternehmens im September. In der Folge verbesserte sich das angepasste EBITA um 55 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.
Smart Infrastructure verzeichnete bereinigt im Quartal einen leichten Umsatzrückgang, wobei sich die Nachfrage in China bereits wieder stabilisiert. Das operative Ergebnis profitierte von Erlösen aus dem Verkauf eines Geschäfts. Rückläufige Ergebnisse in Folge des verringerten Umsatzes sowie höhere Aufwendungen in Verbindung mit dem laufenden Programm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit wurden zudem teilweise durch Kostenrückgänge infolge der COVID-19-Restriktionen ausgeglichen. Das angepasste EBITA lag in der Folge mit 586 Millionen Euro um sieben Prozent über dem Vorjahresquartal.
Mobility hielt auf vergleichbarer Basis den Umsatz von Juli bis September auf Vorjahresniveau. Während sich die Erlöse im höhermargigen Bahninfrastruktur- und Servicegeschäft pandemiebedingt rückläufig entwickelten, erzielte das Zuggeschäft Zuwächse. Mit einem angepassten EBITA von 241 Millionen Euro (2019: 299 Millionen Euro) wies Mobility erneut eine starke Profitabilität aus.

Mobility treibt Differenzierung durch Digitalisierung voran

Siemens Mobility ist als Global Champion mit führender wirtschaftlicher und technologischer Position integraler Bestandteil der Siemens AG. Die Sparte ist hervorragend positioniert, um die reale und digitale Welt zu kombinieren und sich dadurch vom Wettbewerb zu differenzieren. Der Bereich deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab und ist dank der Siemens-IoT-Plattform führend bei der digitalen Transformation.
Im Zuge der Weiterentwicklung von Mobility wird die Einheit Intelligent Traffic Systems (ITS) bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2021 als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. In der Folge kann ITS künftig als eigenständige Gesellschaft seine Wachstumsstrategie weiterverfolgen, die Digitalisierung in der Branche gestalten und die Marktkonsolidierung aktiv vorantreiben. Die Einheit wird dabei ihre marktführende Stellung bei installierten Systemen als Hebel nutzen und die Digitalisierung vorantreiben.
ITS bietet innovative, intelligente und ganzheitliche Mobilitätslösungen für Straßen und Städte an und kann als einziger Anbieter weltweit alle wesentlichen regionalen Standards bedienen. Der Bereich erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro und verzeichnete seit 2013 ein durchschnittliches jährliches Wachstum im Auftragseingang (CAGR) von acht Prozent.

Ausblick Geschäftsjahr 2021 

Bei der Prognose für das Geschäftsjahr 2021 wird unterstellt, dass COVID-19 die Weltwirtschaft nicht dauerhaft belasten wird. Unter dieser Voraussetzung erwartet Siemens ein verhältnismäßig robustes Wachstum des globalen BIP. Es ist damit zu rechnen, dass wichtige Kundenbranchen von Siemens weiterhin Herausforderungen in Verbindung mit COVID-19 und branchenspezifischen Strukturveränderungen ausgesetzt sein werden und dies dazu führen wird, dass das Wachstum der globalen Anlageinvestitionen hinter dem BIP-Wachstum zurückbleiben wird. Trotzdem werden im Geschäftsjahr 2021 verbesserte Bedingungen, insbesondere für die hochmargigen kurzzyklischen Geschäfte in der zweiten Geschäftsjahreshälfte, erwartet.
Ferner ist davon auszugehen, dass negative Währungseffekte sowohl die nominalen Wachstumsraten beim Volumen als auch das Angepasste EBITA der Industriellen Geschäfte im Geschäftsjahr 2021 stark belasten werden. Es wird erwartet, dass der Siemens-Konzern auf vergleichbarer Basis (bereinigt um Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte) ein moderates Wachstum der Umsatzerlöse und ein Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatzerlösen (Book-to-Bill-Verhältnis) von über 1 erreichen wird.
Digital Industries erwartet für das Geschäftsjahr 2021 ein auf vergleichbarer Basis leichtes Wachstum der Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr. Die Angepasste EBITA-Marge wird zwischen 17 und 18 Prozent erwartet.
Smart Infrastructure geht davon aus, im Geschäftsjahr 2021 ein moderates Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis zu erreichen. Die Angepasste EBITA-Marge wird zwischen 10 und 11 Prozent erwartet.
Mobility erwartet im Geschäftsjahr 2021, vorwiegend aufgrund der Abarbeitung des großen Auftragsbestands, einen Anstieg der Umsatzerlöse auf vergleichbarer Basis im prozentual mittleren einstelligen Bereich. Die Angepasste EBITA-Marge wird zwischen 9,5 und 10,5 Prozent erwartet.
Unter der Voraussetzung, dass sich die zuvor genannten Annahmen als zutreffend erweisen, rechnet Siemens trotz starkem Gegenwind aus Währung mit einem moderaten Anstieg des Gewinn nach Steuern, der sich im Geschäftsjahr 2020 auf 4,2 Milliarden Euro belief.
Im Rahmen der weiteren konsequenten Umsetzung der Vision 2020+ hat Siemens zu Beginn des neuen Geschäftsjahrs die Flender GmbH, den führenden Hersteller von mechanischen und elektrischen Antriebssystemen, an den Investor Carlyle veräußert. Die Kriterien zur Klassifizierung des Flender-Geschäfts als zur Veräußerung gehalten und als nicht fortgeführte Aktivitäten werden im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2021 erfüllt sein.