Commerzbank: Rohstoffpreise, Zinsen, Währungen – wie sich der Mittelstand im Corona-Jahr 2020 gegen Risiken absichert

Frankfurt/Main (11.11.20) – Die finanziellen Risiken sind für den deutschen Mittelstand durch die Folgen der Corona-Pandemie sichtbar gestiegen: Knapp die Hälfte (47%) der befragten Unternehmen nimmt gestiegene finanzielle Risiken wahr, insbesondere in den Branchen Industrie/Gewerbe (52%) sowie Dienstleistungen (54%). Vor allem Rohstoffpreis-, Bonitäts- sowie Liquiditätsrisiken erschweren die Planungen. Als Ursachen hierfür werden vor allem Stornierungen von Aufträgen (61%) und Veränderungen der Lieferketten (51%) genannt. Auf die gestiegenen Risiken reagieren 4 von 5 Unternehmen mit einer allgemeinen Anpassung ihrer Risiko-Absicherungspolitik. Ein Drittel der befragten Unternehmen weitet die Laufzeiten aufgrund vorteilhafter Preise aus. Zudem fördert die Corona-Krise die Bedeutung des Risikomanagements: Ein gutes Viertel der Unternehmen (28%) plant erstmals eine entsprechende Strategie, wie aus der Forsa-Studie Risikomanagement des Mittelstands: wie sich Unternehmen im Corona-Jahr 2020 absichern hervorgeht.

Im Auftrag der Commerzbank wurden dafür 300 Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 15 Mio. Euro befragt. – „Die Unternehmen managen ihre Risiken durch die Corona-Krise noch aktiver als vorher. Bereits die Hälfte hat eine Hedge-Policy – Tendenz steigend. Sicherungsgeschäfte wurden auch in der Vergangenheit regelmäßig an neue Gegebenheiten angepasst, heute passiert das in noch kürzeren Zyklen und in größerem Umfang. erläutert Simone Mrasek, Bereichsleiterin Corporate Sales Anlage- und Risikomanagement der Commerzbank. Die Hedge-Policy regelt primär Zuständigkeiten für Entscheidungen und Hedge-Instrumente.

Die Volatilität von Rohstoff- und Energiepreisen zählt zu den größten finanziellen Risiken (57%), da bei einem guten Drittel der Unternehmen deren Anteil an den Gesamtkosten bei über 25% liegt. Auf die zunehmenden Preisschwankungen reagieren 72% der Unternehmen vor allem mit langfristigen Lieferverträgen sowie der Weitergabe von Kosten an Abnehmer. Bereits jedes fünfte Unternehmen sichert Preisrisiken durch Finanzinstrumente ab. Die Relevanz von Zinsrisiken steigt mit dem jeweiligen Planungshorizont. Etwa 40% der Unternehmen geben variabel verzinste Kredite an. Knapp zwei Drittel der Unternehmen, die variabel verzinste Kredite mit Finanzinstrumenten absichern, sichern diese mit mehr als 25 Prozent ab. – Über 40% der Unternehmen mit Währungsrisiken sichern diese ab – mehrheitlich mit einer Laufzeit bis zu maximal 12 Monaten. Tendenziell werden bis zu 50% der Währungsrisiken gesichert; bei kurzer Laufzeit sichern 40 % der Unternehmen auch mehr als 75% ab.

Zusammenarbeit mit Banken und Handelsplattformen
Trotz des geringen Anteils von Handelsplattformen ist die zunehmende Digitalisierung spürbar. Rund 40% der Unternehmen geben an, dass die Abwicklung zunehmend über Plattformen erfolgt. „Nicht nur bei der Abwicklung von Geschäften, sondern auch in der Beratung geht der Trend zu digitalen Formaten, z.B. Videokonferenzen. Die Unternehmen geben uns in der Befragung mit, dass Banken gut erreichbar sein müssen und schnell reagieren sollen. Das geht in der Corona-Krise digital am besten. Die Bedeutung einer digitalen Geschäftsausführung steigt, doch die Beratung durch einen Spezialisten hat deshalb nicht an Bedeutung verloren. Vielmehr sehen wir eine Kombination aus beidem“, erklärt Simone Mrasek. Vor allem Geschäftsbestätigungen erfolgen elektronisch und die Produktauswahl wird standardisierter.