Genossenschaftsverband: Sparen, Sparen, Sparen – Corona führt zu drastisch beschleunigtem Einlagenzustrom bei Volksbanken und Raiffeisenbanken

Neu Isenburg (23.10.20) – Die Ausnahmesituation durch Corona schlägt sich in den ersten drei Quartalen in einem drastisch beschleunigten Einlagenzustrom bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken nieder: Bis Ende September stieg das Volumen der im Verbandsgebiet des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen angelegten Gelder um 20,6 Milliarden Euro auf 374,0 Milliarden Euro. Damit ist das Wachstum mit 5,8 Prozent schon jetzt höher als die 5,4 Prozent im gesamten Jahr 2019. Das bestätigt die Erwartung, dass die im europäischen Vergleich ohnehin hohe deutsche Sparquote 2020 einen Sprung nach oben machen wird. „Trotz der extremem Niedrigzinsen beträgt das Plus bei den täglich fälligen Geldern sogar 9,8 Prozent auf 269,3 Milliarden Euro. Das spricht für eine starke Priorisierung von Sicherheit und Liquidität durch die Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch eine Zurückhaltung beim Ausgabeverhalten“, kommentiert Vorstandsvorsitzender Ingmar Rega. Der Anteil der Sichteinlagen an den gesamten Einlagen liegt nach dem dritten Quartal bei 72 Prozent gegenüber 69,4 Prozent zum Jahresende 2019.

Auch nach Ende des Shutdowns weiterhin hohe Einlagenzuflüsse im dritten Quartal

Betrachtet man die unterjährige Entwicklung, so wird im zweiten Quartal mit durchschnittlich 4 Milliarden Euro pro Monat ein Spitzenwert der Mittelzuflüsse erreicht. Somit betrug die Veränderung gegenüber dem ersten Quartal – also während der Shutdown-Phase – allein 3,4 Prozent. Im ersten Quartal waren es lediglich 0,5 Prozent. Neben dem Vorsichtsmotiv dürfte zwischen April und Juni als Ursache hinzukommen, dass die Möglichkeiten, Geld für Konsum oder Reisen auszugeben, durch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Bekämpfung der Ausbreitung des Virus relativ gering waren. Für das dritte Quartal liegt der durchschnittliche monatliche Einlagen-Zuwachs aber immer noch bei 2,2 Milliarden Euro – und das trotz weitgehender Lockerungen der Corona-Beschränkungen, der Urlaubs- und Reisezeit sowie der Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli. Die Veränderung gegenüber dem zweiten Quartal liegt bei 1,8 Prozent. „Angesichts rückläufiger Wachstumsprognosen wie im Herbstgutachten der fünf größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute dürfte der Zustrom auch im vierten Quartal anhalten oder sich sogar wieder beschleunigen“, prognostiziert Rega. „Mit ihrem Anlageverhalten nehmen die Verbraucherinnen und Verbraucher Abstriche bei der Rentabilität in Kauf. Diese könnte durch eine breitere Streuung, z. B. unter Einbeziehung des Wertpapiersparens, gesteigert werden. Letztlich sind Zuflüsse in die täglich fälligen Gelder zumindest kurzfristig aus Sicht vieler Sparerinnen und Sparer wohl auch am einfachsten, um sich in einer historisch einmaligen akuten Krisensituation für Eventualitäten zu wappnen.“ Das Stichwort „einfach“ könne angesichts der Infektionsgefahr auch insofern eine Rolle spielen, als bei einem Parken der Gelder als Liquiditäts- und Sicherheitspuffer in aller Regel die Notwendigkeit einer Beratung in der Filiale entfalle.

Beschleunigter Rückgang bei der Filialnutzung zugunsten digitaler Kanäle für Bankgeschäfte

Hierzu liegen dem Genossenschaftsverband Zahlen für das erste Halbjahr 2020 vor: Bei den 360 Volksbanken und Raiffeisenbanken ist ein Rückgang der Kundenquote mit Filialnutzung von 24,6 Prozent auf 19,5 Prozent zu verzeichnen. „Einerseits ist das auf die zeitweilige Schließung vieler personenbesetzter Filialen bzw. die Vermeidung sozialer Kontakte aus Gründen des Gesundheitsschutzes zurückzuführen“, erläutert der Vorstandsvorsitzende des Genossenschaftsverbandes. „Andererseits passt das aber zum langjährigen Trend: Die Zahl der Kundinnen und Kunden mit einer Präferenz für ausschließlich persönliches Banking via Filialmitarbeiterin/Filialmitarbeiter geht zurück. Das gilt erst recht für klassische Services wie Geld abheben oder Überweisungen tätigen. Parallel dazu ist eine stärkere Ausnutzung hybrider oder rein digitaler Zugangswege durch die Kundinnen und Kunden zu verzeichnen.“ So lag die Quote der Filialnutzung Ende 2018 noch bei 27,3 Prozent. Demgegenüber ist der Anteil der Online-Freischaltungen fürs Girokonto 2019 von 55,4 Prozent auf 59,6 Prozent gestiegen und betrug zur Jahresmitte 2020 bereits 62,5 Prozent.