SGVHT: Sparkassen-Finanzgruppe verbucht

 „ein gutes Ergebnis“ in 2019

Frankfurt/Main (31.7.20) – Es gleicht einem Blick zurück in alte, längst vergangene Zeiten, dabei liegt das Jahr 2019 gerade einmal sieben Monate hinter uns. Doch damals schien die Welt noch halbwegs in Ordnung zu sein. Auf jeden Fall war sie corona-frei gewesen.  Seitdem hat sich natürlich auch für die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen vieles tiefgreifend verändert. Dennoch hat sie erst heute ihren Abschluss für 2019 vorgelegt. Gut Ding will eben Weile haben. „Das Ergebnis fällt erheblich höher aus als im Vorjahr. Das liegt zwar im Wesentlichen an Bewertungseffekten nach IFRS. Unser Verbund konnte aber den Provisionsüberschuss einmal mehr deutlich verbessern und den Zinsüberschuss als Hauptertragsquelle trotz des belastenden Zinsumfeldes nahezu stabil halten. Erfreulich ist, dass wir auch den Verwaltungsaufwand im Griff haben. Er ist 2019 leicht gesunken“, fasste Gerhard Grandke, Geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes HessenThüringen (SGVHT), das vergangene Geschäftsjahr zusammen.

Gerhard Grandke – Foto:PK/Archiv

Die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen veröffentlicht jedes
Jahr auf freiwilliger Basis einen konsolidierten Verbundabschluss, der
an die IFRS-Rechnungslegungsvorschriften angelehnt ist. Dieser
Abschluss misst den wirtschaftlichen Erfolg des Verbundes und stellt
einen wichtigen Teil des Verbundkonzepts dar. Mit diesem Konzept
präsentiert sich die Gruppe als wirtschaftliche Einheit von rechtlich und
wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen mit einer gemeinsamen
Geschäfts- und Risikostrategie sowie einem gemeinsamen Risikomanagementsystem und einem zusätzlichen Reservefonds.

Verbundrating seit Jahren stabil

Die Verbundrechenschaftslegung ist zugleich die Grundlage für die
Vergabe eines echten Verbundratings durch die Ratingagenturen Fitch
und Standard & Poor’s, in dem die wirtschaftliche Einheit des Verbundes
zum Ausdruck kommt. Es kann aber auch von jedem Institut des
Verbundes im Rahmen seiner Kapitalmarktaktivitäten genutzt werden. Das Verbundrating der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen ist
seit Jahren stabil. Fitch bewertet sie mit ‚A+‘ und Standard & Poor’s mit
‚A‘. In dieser stabilen Bewertung spiegelt sich das Vertrauen der
Ratingagenturen in die Trag- und Funktionsfähigkeit des regionalen
Verbundes und seines Geschäftsmodells wider.

Verbund mit Bilanzsumme von 309,0 Mrd. €

In den Verbundabschluss sind im Wesentlichen die Sparkassen in den
beiden Bundesländern sowie der Konzern der Landesbank HessenThüringen einbezogen, zu dem unter anderem die LBS HessenThüringen zählt. In die Landesbank Hessen-Thüringen ist im Jahr 2019 in Form der Anwachsung die KOFIBA-Kommunalfinanzierungsbank GmbH (KOFIBA) aufgegangen, die früher unter dem Namen Dexia Kommunalbank Deutschland firmierte. Der Konzern der SV SparkassenVersicherung Holding AG geht at Equity in die Verbundrechenschaftslegung ein. Mit einer Bilanzsumme von 309,0 Mrd. € und knapp 24.000 Mitarbeitern (ohne SV SparkassenVersicherung) sind die Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe in Hessen und Thüringen
in einer Reihe von Geschäftsfeldern Marktführer. Im Privatkunden- und
Mittelstandsgeschäft spielt der Verbund eine hervorgehobene Rolle.

KOFIBA-Integration und Kundengeschäft treiben Bilanzsumme

Nicht zuletzt wegen der KOFIBA-Eingliederung und dank eines regen
Kundengeschäfts ist die Bilanzsumme der Sparkassen-Finanzgruppe
Hessen-Thüringen im Geschäftsjahr 2019 um 50,2 Mrd. € bzw. 19,4 %
auf 309,0 Mrd. € gestiegen. Dazu trug die KOFIBA mit einem Bilanzvolumen von rund 26 Mrd. € bei. Auf der Aktivseite erhöhten sich die Forderungen an Kunden um 21,4 Mrd. € bzw. 13,3 % auf 182,8 Mrd. €, wobei auf die KOFIBA ein Plus von 11,7 Mrd. € entfiel. Auf der Passivseite gingen die Kundenverbindlichkeiten um 16,2 Mrd. € bzw. 12,4 %
auf 146,8 Mrd. € nach oben.

Solide Kapitalbasis und diversifizierte Bilanzstruktur verbessern
Risikotragfähigkeit der Gruppe
Die Sparkassen-Finanzgruppe hat ihr Reservepolster 2019 weiter
aufgestockt. Das bilanzielle Eigenkapital verbesserte sich um 1,0 Mrd. €
bzw. 4,5 % auf insgesamt 23,0 Mrd. €. „Diesen Weg gehen wir jetzt seit
Jahren. Er hat sich bewährt. Denn unser Verbund steht dadurch auf
einer soliden Kapitalbasis, die uns auch Spielraum für weiteres
Geschäftswachstum bietet. Durch die Kombination aus dem eher kleinteiligen Geschäft der Sparkassen und dem Geschäft der Landesbank
Hessen-Thüringen im Wholesale-Bereich verfügen wir über eine breite
Mischung von Forderungs- und Refinanzierungsstrukturen. Davon
profitiert auch unsere Risikotragfähigkeit“, hob Grandke hervor.

Ergebnis verbessert sich dank Bewertungseffekten nach IFRS
deutlich

Die deutsche Kreditwirtschaft wurde auch 2019 durch das anhaltende
Niedrig- und Negativzinsumfeld, hohe regulatorische Anforderungen
und steigende Investitionen in die Digitalisierung belastet. Gleichwohl
konnte die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen im Berichtsjahr
deutlich besser abschneiden als noch ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor
Steuern erhöhte sich um 513 Mio. € bzw. 53,5 % auf knapp 1,5 Mrd. €.
Für diesen starken Zuwachs zeichneten in erster Linie Bewertungseffekte wie das Ergebnis aus zum Fair Value bewerteten Finanzinstrumenten verantwortlich, das 2019 um 586 Mio. € zulegte. Auch die beiden wichtigsten Ertragsquellen des Verbundes entwickelten sich
zufriedenstellend. Der Zinsüberschuss vor Risikovorsorge blieb trotz
der fortdauernden Zinsflaute mit gut 2,7 Mrd. € praktisch stabil
(-17 Mio. € bzw. -0,6 %). Nochmals gesteigert wurde der Provisionsüberschuss. Er verbesserte sich um 85 Mio. € bzw. 8,3 % auf 1,1 Mrd. €.
Für Entlastung sorgte der Verwaltungsaufwand. Er sank insgesamt um 13 Mio. € bzw. 0,4 % auf 3,1 Mrd. €. Das um den Ertragsteueraufwand
bereinigte Jahresergebnis erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um
496 Mio. € bzw. 76,1 % auf über 1,1 Mrd. €. Die Eigenkapitalrentabilität
vor Steuern verbesserte sich von 4,4 % auf 6,5 %, die Cost-IncomeRatio von 77,4 % auf 66,6 %.

Prognose 2020: Ergebnis wird wegen Corona deutlich sinken

Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und des
zeitweisen Shutdowns wird das Ergebnis der Sparkassen-Finanzgruppe
Hessen-Thüringen 2020 im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich
signifikant niedriger liegen. „Im März und April hat das Corona-Virus das
öffentliche und wirtschaftliche Leben weitgehend lahmgelegt. Und noch
immer gibt es Einschränkungen. Welche Auswirkungen das in der
Summe haben wird, lässt sich derzeit noch nicht konkret abschätzen.
Unser regionaler Verbund ist aber dank unserer nochmals verbesserten
Eigenkapitalausstattung, unserer konservativen Risikostrategie mit
einem wirksamen Risikomanagement und unserer intensiven
Verbundzusammenarbeit stark genug, um auch diese Ausnahmesituation gut zu meistern“, schloss Grandke.