Allianz-Konjunkturausblick 2020/21:

Wachstum erholt sich nur langsam

München (14.1.20) – Die Allianz geht davon aus, dass das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem und im nächsten Jahr verhalten bleibt. „Wir erwarten, dass sich das BIP-Wachstum im Jahr 2020 von 2,5% im Jahr 2019 auf 2,4% weiter verlangsamen wird. Ab dem zweiten Halbjahr 2020 rechnen wir aber wieder mit einer Beschleunigung und prognostizieren, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2021 mit 2,8% wachsen wird. Die politischen Unsicherheiten bleiben bestehen, sie werden aber voraussichtlich nicht mehr das Rekordniveau von 2019 erreichen“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz SE. Vor dem Hintergrund dieses Wachstumsszenarios erwartet die Allianz, dass die weltweiten Insolvenzen im Jahr 2020 um 6% zunehmen werden nach 9% im Jahr 2019.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China dürfte 2020 nicht weiter eskalieren, allerdings ist auch keine substantielle Entspannung zu erwarten. Da eine weitere Anhebung der Zölle im Wahljahr 2020 unwahrscheinlich ist, prognostizieren die Volkswirte der Allianz, dass der durchschnittliche US-Zoll bei unverändert 7% bleibt, nach 3,5% im Jahr 2018. Das Wachstum des Welthandels bleibt vor diesem Hintergrund moderat und dürfte bei 1,8% im Jahr 2020 und 2,5% im Jahr 2021 liegen. Dies ist etwas stärker als im vergangenen Jahr (1,2%), aber deutlich unter dem Expansionstempo vor dem Ausbruch des Handelskonflikts: 2017 und 2018 legte der Welthandel im Schnitt noch mit 4,7% zu.

 

Dieses schwache Wachstum des Welthandels belastet die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Eurozone und insbesondere in Deutschland. Die Eurozone wird voraussichtlich 2020 um 1,0% und 2021 um 1,3% wachsen und damit unter dem Potentialwachstum von 1,4% bleiben. Es deutet allerdings vieles darauf hin, dass die Dynamik der Wirtschaft der Eurozone im vierten Quartal 2019 ihren Tiefpunkt erreicht hat. Der private Konsum wird dank der günstigen Arbeitsmarktsituation und des robusten Lohnwachstums weiterhin die Stütze des Wachstums bleiben. Das Thema Brexit dürfte die Eurozone 2020 nicht mehr stark belasten, allerdings bremst das schwache Wachstum in Deutschland. Besonders wichtige Abwärtsrisiken für die Konjunktur im Euroraum bleiben die fragilen Regierungskoalitionen in Italien und Spanien sowie drohende US-Importzölle für den Automobilsektor.

 

Obwohl in Deutschland 2019 eine Rezession vermieden werden konnte, sind die Wachstumsaussichten in den nächsten Quartalen stark eingetrübt. Zu stark belasten die hohe Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft und die Probleme der Automobilindustrie. Erst 2021 dürfte der dann anziehende Welthandel das Wachstum in Deutschland wieder auf ein solideres Fundament stellen. Die private Konsumnachfrage und die Investitionen im Bausektor werden 2020 und 2021 die Hauptquellen des Wachstums bleiben. Insgesamt prognostiziert die Allianz für Deutschland ein Wachstum von 0,6% in 2020 und von 1,1% in 2021.

 

Die Volkswirte der Allianz gehen auch 2020 von einer sehr expansiven Geldpolitik auf globaler Ebene aus. Die Fed dürfte ihre Lockerung mit einer Zinssenkung im März 2020 fortsetzen, um die Rezession im verarbeitenden Gewerbe zu bewältigen, und erst ab dem zweiten Halbjahr 2021 eine Normalisierung einleiten (+50 Basispunkte). Die EZB wird voraussichtlich im April 2020 eine weitere Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte auf -0,6% vornehmen. Die monatlichen QE-Käufe dürften bis zum Jahresende auf dem aktuellen Niveau von 20 Milliarden Euro pro Monat verharren. Auch die chinesische Notenbank und mehrere Zentralbanken in Schwellenländern werden ihre Geldpolitik im Jahr 2020 weiter lockern.

 

Neben dem Handelskonflikt werden politische Risiken auch 2020 und 2021 maßgeblich die Entwicklung bestimmen. „Die starken sozialen Spannungen in vielen Ländern werden anhalten und eine aktivere Finanzpolitik mit einem starken verteilungspolitischen Akzent erforderlich machen. Die politische Lage in den wichtigsten europäischen Ländern ist fragil und auch die US-Präsidentschaftswahlen werden erhebliche politische Auswirkungen haben“, sagte Subran. Die Allianz erwartet keine Verringerung der (geo-)politischen Spannungen im Nahen Osten. Die Unruhen in Lateinamerika (Chile, Kolumbien, Bolivien, Ecuador, Peru) und Hongkong werden voraussichtlich zumindest im ersten Halbjahr 2020 anhalten.

 

Aus Branchensicht werden vor allem die lokal aufgestellte Unternehmen gewinnen. Die expansive Geld- und Fiskalpolitik wird weiterhin vor allem der Binnennachfrage zugutekommen. Davon profitieren lokale Unternehmen (z. B. Dienstleistungen und Bauwesen) stärker als Unternehmen, die Gewinne im Ausland erzielen oder auf global integrierte Lieferketten setzen. Die Automobilbranche hat weiterhin mit Gegenwind zu kämpfen, die Allianz geht aber von einer Stabilisierung im Zeitraum 2020-2021 aus. Allerdings ist jede Erholung im Automobilsektor von einer Wiederbelebung des chinesischen Marktes abhängig.