Dekas volkswirtschaftliche Prognose:

Unspektakuläre Perspektiven

Frankfurt/Main (14.1.20) – Unspektakulär? In diesen Zeiten mit all den überraschenden und irritierenden Nachrichten, die tagtäglich auf die Anleger und die Finanzmärkte einprasseln? Handelskonflikt, Kriegsgefahren zwischen den USA und dem Iran, Brexit, Entlassungen in der deutschen Industrie, … Am Ende dieser Aufzählung steht doch vielmehr fast zwangsläufig, so könnte man meinen, der große Crash als sehr spektakuläre Perspektive. Insofern mag die von uns gewählte Überschrift zunächst wenig passend erscheinen. Doch wir haben viele gute Gründe für unsere Sicht der Dinge.

Zunächst einmal gilt es, sich vor Augen zu führen, dass für die Weltwirtschaft unspektakulärerweise ein Wachstum von rund 3 % und für die Wertpapiermärkte maßvolle Erträge zu erwarten sind. Geopolitische Risiken gibt es zwar in Hülle und Fülle, doch die Konsumenten und die Unternehmen finden sich langsam damit ab, dass sich das so schnell nicht ändern wird. Dabei ist es mit Sicherheit hilfreich, dass der globale Konjunkturaufschwung schon recht lange währt und es keine Signale eines baldigen Abschwungs gibt. In Deutschland hat der schon elf Jahren währende historisch lange Wirtschaftsaufschwung zum höchsten Beschäftigungsstand und zur geringsten Arbeitslosigkeit der gesamtdeutschen Geschichte geführt. Damit stabilisiert der steigende private Konsum die hiesige Wirtschaft und federt zugleich die Schwäche der Industrie ab.

Sowohl die Geldpolitik als auch die Finanzpolitik wirken derzeit wachstumsunterstützend. Daran dürfte sich in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. In diesem Umfeld arbeiten sich die Märkte immer nur für kurze Zeit an den geopolitischen Hiobsbotschaften ab. Es ist richtig, dass die Häufigkeit von regionalen Konflikten in dem Maße ansteigt, in dem sich die USA aus dem Weltgeschehen zurückziehen. Eine Beeinträchtigung der globalen Wirtschaft kann jedoch in den allermeisten Fällen vermieden werden. Kurzum: Wir erwarten in den kommenden Quartalen unspektakuläre Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts, die jeweils in etwa den durchschnittlichen Wachstumsmöglichkeiten (dem sogenannten Potenzialwachstum) der einzelnen Regionen entsprechen.

Zu diesem Bild gehört indes leider auch, dass es an Phantasie für positive Überraschungen mangelt. Wenn es nicht abwärtsgeht, kann auch nicht von einer darauffolgenden schwungvollen Erholung ausgegangen werden. Demnach müssen wir uns zufriedengeben, wenn sich die Stimmungsindikatoren erkennbar stabilisieren, was vor allem den versöhnlicheren Tönen zwischen den USA und China mit Blick auf die anstehende Unterzeichnung eines ersten Handelsabkommens geschuldet ist, und wenn sich damit die immer wieder aufkeimenden Rezessionsängste verflüchtigen. Bei aller erwartbaren kurzfristigen Volatilität an den Aktienmärkten sollte in den kommenden Monaten das unspektakulär moderate Konjunkturszenario für ein im Grundsatz freundliches Marktumfeld ausreichen.