Ernst & Young: Schwaches Autojahr 2020 erwartet – Elektro-Boom startet zur Jahresmitte

Frankfurt/Main (6.1.20) – Der Neuwagenabsatz stieg im Jahr 2019 um 5 Prozent auf 3,6 Millionen Fahrzeuge – und damit auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2009, als die Abwrackprämie einen künstlichen Absatzboom entfacht hatte. Damit lag das Absatzniveau 2019 zudem auf dem zweithöchsten je gemessenen Stand.

Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im Jahr 2019:

  • Diesel erholt sich: Anders als in den meisten anderen europäischen Ländern legten die Diesel-Neuzulassungen im vergangenen Jahr in Deutschland zu. Die Zahl der neu zugelassenen Diesel-Fahrzeuge stieg um knapp 4 Prozent, während die Benziner-Neuzulassungen um 0,3 Prozent schrumpften. Peter Fuß, Partner bei EY: „Die Talsohle scheint beim Diesel durchschritten zu sein. Es hat sich herumgesprochen, dass moderne Diesel-Fahrzeuge äußerst sauber und effizient sind. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emmissionen und haben – zumindest im gehobenen Segment – weiterhin eine Zukunft.“
  • Massives Wachstum bei SUVs: Die Zahl der neu zugelassenen SUVs und Geländewagen stieg im Jahr 2019 jeweils um gut ein Fünftel. Gerade im vierten Quartal wiesen beide Segmente extrem hohe Wachstumsraten aus. „Es spricht einiges dafür, dass der derzeitige Boom bei SUVs und Geländewagen in Deutschland zu einem erheblichen Teil auf verkaufsfördernde Maßnahmen der Autobranche (Eigenzulassungen, hohe Rabatte) zurückzuführen ist. Die Unternehmen haben Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß in den Markt zu gedrückt, damit sie nicht ab Januar ihre CO2-Bilanz belasten“, sagt Peter Fuß. Ab Januar 2020 muss die jeweilige Neuwagenflotte einen herstellerspezifischen Grenzwert einhalten – sonst drohen den Herstellern hohe Strafen.
  • Dem Elektro-Boom geht zum Jahresende die Puste aus. Die bemerkenswert niedrigen Neuzulassungen von Elektroautos zum Jahresausklang dürften ebenfalls zumindest teilweise den ab Januar geltenden neuen Regeln geschuldet sein, so Fuß. Im Dezember stiegen die Elektro-Neuzulassungen nur um 50 Prozent, im Gesamtjahr wurden hingegen immerhin 75 Prozent mehr Elektrofahrzeuge verkauft als im Vorjahr. „Die niedrigen Elektro-Neuzulassungen zum Jahresende sind auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass neu zugelassene E-Autos erst ab Januar die CO2-Bilanz der Hersteller positiv beeinflussen.“
  • Privatleute halten sich zurück – gewerbliche Neuzulassungen dominieren. Die Neuzulassungen auf Privatpersonen waren 2019 leicht rückläufig, während gewerbliche Neuzulassungen – vor allem als Mietwagen – kräftig zulegten, was ein weiteres Indiz dafür ist, dass die tatsächliche Nachfrage von Unternehmens- und Privatkunden tatsächlich niedriger war als es der Absatzrekord vermuten lässt.

Ausblick auf 2020: Schwache Marktentwicklung erwartet

 

  • Neue CO2-Vorschriften bremsen den Neuwagenmarkt aus: Nachdem in den letzten Monaten des Jahres gerade SUVs boomten und Elektroautos schwächelten, dürften wir in den kommenden Monaten einen umgekehrten Effekt sehen, so Fuß: „SUVs – sofern es nicht Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Modelle sind – belasten die CO2-Bilanz der Hersteller und erhöhen das Risiko hoher Strafzahlungen. Wachstumsraten wie im Vorjahr wird es in diesem Segment daher nicht mehr geben.“ Tageszulassungen aus dem Vorjahr warten zudem in großer Zahl auf private Käufer, was den Neuwagenmarkt zusätzlich belasten wird. Ein Absatzminus von drei bis fünf Prozent erscheint auf Jahressicht daher wahrscheinlich.

 

  • Starkes Wachstum bei Elektroautos, vor allem ab der Jahresmitte. Die Hersteller haben ein großes Interesse daran, den Absatz von E-Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden ab jetzt kräftig anzukurbeln – sonst drohen Strafzahlungen und Imageverluste. Spätestens zur Jahresmitte dürfte sich das auch in den Neuzulassungsstatistiken widerspiegeln. Denn dann werden die neuen E-Modelle voraussichtlich in größerer Zahl verfügbar und die derzeitigen Lieferschwierigkeiten überwunden sein.