Ernst & Young: Bundesbürger stellen sich auf schwierigere Zeiten ein – Arbeitsplatzsorgen wachsen

Düsseldorf (2.1.20) – Die Verbraucher in Deutschland sehen die Wirtschaftslage hierzulande so kritisch wie lange nicht: So glauben nur noch zwölf Prozent, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland im neuen Jahr verbessern wird – der niedrigste Wert seit 2011. Gleichzeitig gehen 35 Prozent von einer Verschlechterung aus – höher war der Anteil der Pessimisten zuletzt 2012.

Auch für sich persönlich sind die Verbraucher nicht mehr ganz so positiv gestimmt. 41 Prozent beurteilen ihre eigene finanzielle und wirtschaftliche Situation positiv, zehn Prozent negativ. Damit hat sich die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert, als noch 43 Prozent ihre Lage positiv und elf Prozent negativ beurteilten. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 zeigte sich noch gut jeder zweite Bundesbürger (51 Prozent) mit der eigenen Finanzlage zufrieden.

Obendrein sinkt in diesem Jahr der Anteil derer, die eine Verbesserung der eigenen Wirtschaftslage für 2020 erwarten, von 26 auf 22 Prozent.

Angesichts der Konjunktureintrübung in Deutschland wollen die Verbraucher den Gürtel enger schnallen: Insbesondere beim Kauf von Unterhaltungselektronik wie Smartphones oder Laptops, bei größeren Einzelanschaffungen wie Autos oder Küchen sowie bei Ausgaben für Haus- und Wohnungsrenovierungen wollen die Verbraucher 2020 kürzertreten. Lediglich für Lebensmittel wollen sie insgesamt mehr Geld ausgeben.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Basis der Studie ist eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Verbrauchern in Deutschland.

„Die deutsche Wirtschaft wächst nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren – im Gegenteil, viele Unternehmen haben zuletzt Gewinnwarnungen herausgegeben oder sogar den Abbau von Arbeitsplätzen verkündet“, kommentiert Thomas Harms, Leiter des Bereichs Consumer Products & Retail bei EY die Zahlen. „An den Verbrauchern ist die Entwicklung nicht spurlos vorbeigegangen: Sie stellen sich auf ungemütlichere Zeiten ein und planen vorsichtshalber, bei ihren eigenen Ausgaben den Rotstift anzusetzen. Für die Konjunktur in Deutschland sind das keine guten Nachrichten – denn zuletzt waren es vor allem die kauffreudigen Verbraucher, die für Wachstum sorgten.“

Arbeitsplatzsorgen nehmen zu

Ein Grund für das sinkende Konsumentenvertrauen dürften die immer häufiger angekündigten Stellenstreichungspläne namhafter Unternehmen sein. Derzeit halten nur noch 43 Prozent der Bundesbürger ihren Arbeitsplatz für sehr sicher – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 49 Prozent, 2016 war der Höchstwert von 67 Prozent erreicht worden. Niedriger als in diesem Jahr war die gefühlte Arbeitsplatzsicherheit nur im Krisenjahr 2009, als 36 Prozent der Befragten angaben, ihr Arbeitsplatz sei sehr sicher.

„Die Beschäftigung in Deutschland stieg 2019 zwar erneut deutlich, und die Arbeitslosigkeit sank auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Dennoch nehmen die Arbeitsplatzsorgen zu“, stellt Bernhard Lorentz, Leiter des Bereichs Government und Public Sector bei EY, fest. „Die Menschen in Deutschland sehen, dass viele Unternehmen darum kämpfen, auch bei konjunkturellem Gegenwind ihre Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren und daher Kostensenkungsprogramme aufsetzen. Tatsächlich führen Trends wie die Digitalisierung und andere technologische Entwicklungen zu enormen Umbrüchen, die bewältigt werden müssen. Unterm Strich aber ist die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer derzeit sehr günstig.“

Senioren besonders pessimistisch

Insbesondere zwischen den Generationen zeichnet sich eine große Kluft ab: So zeigen sich die jungen Bundesbürger bis 35 Jahre insgesamt noch recht zuversichtlich: 46 Prozent erwarten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche und finanzielle Situation im neuen Jahr verbessern wird. Mit zunehmendem Alter sinkt der Optimismus: Von den Verbrauchern über 65 Jahre glauben nur noch acht Prozent an eine Verbesserung.

Doch nicht nur beim Blick in die nahe Zukunft sind die Verbraucher über 65 Jahre pessimistisch gestimmt: Nur 15 Prozent von ihnen geben im Rückblick an, dass sich ihr Lebensstandard in den vergangenen zehn Jahren verbessert habe. Bei 38 Prozent ist er schlechter geworden – das sind etwa doppelt so viele wie in allen anderen Altersgruppen.

„Als Gesellschaft dürfen wir die ältere Generation nicht vergessen – insbesondere, da die Lebenserwartung immer weiter ansteigt“, so Lorentz. „Gerade in dieser Generation machen sich offenbar Existenzsorgen breit. Da muss es uns gelingen, Antworten auf Themen wie Altersarmut oder Anerkennung von Lebensleistung zu finden“.

Umweltverschmutzung macht am meisten Sorgen

Hauptsorge der Deutschen ist die Umweltverschmutzung: Für 77 Prozent steht dieses Thema an erster Stelle im Sorgen-Ranking, wohl auch begünstigt durch die umfassende mediale Präsenz der „Fridays for Future“-Bewegung. Daneben sorgen sich die Bundesbürger vor allem um höhere Preise – jeweils 74 Prozent sehen ihre persönliche Situation aufgrund steigender Energiepreise und Lebenshaltungskosten bedroht.

Allerdings hat kein Thema so stark an Bedeutung gewonnen wie die Konjunkturabschwächung in Deutschland. 61 Prozent bereitet sie mittlerweile Sorgen – das sind 14 Prozentpunkte mehr als noch im vergangenen Jahr.