Oxfam: Klimakrise zwingt jährlich 20 Millionen Menschen zur Flucht 

Berlin (2.12.19) – Klimabedingte Katastrophen waren in den vergangenen zehn Jahren die Hauptursache für Binnenflüchtlinge und zwangen jährlich mehr als 20 Millionen Menschen, ihre Heimat zu verlassen – das ist eine Person alle zwei Sekunden. Das zeigt der neue Bericht „Forced From Home“ der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam, der zum Start der UN-Weltklimakonferenz in Madrid heute erscheint. Oxfam fordert raschere und weitreichendere Emissionssenkungen der Industrieländer sowie die Einrichtung einer Finanzierungsmöglichkeit, die arme Länder bei der Bewältigung von unvermeidlichen Verlusten, Schäden und Zerstörungen durch die Klimakrise unterstützt.

Die finanzielle Unterstützung für arme Länder im Umgang mit Verlusten und Schäden durch den Klimawandel wird ein zentrales Thema der UN-Weltklimakonferenz (COP25) sein, die vom 2. bis 13. Dezember 2019 in Madrid stattfindet. Die Vertragsstaaten werden dort auswerten, inwiefern der so genannte Warschauer Mechanismus zum Umgang mit Verlusten und Schäden seiner Aufgabe nachkommen konnte, die Unterstützung für die armen Länder zu organisieren. Die Entwicklungsländer werden dabei auf die Einrichtung eines neuen Fonds drängen, um den Wiederaufbau nach klimabedingten Katastrophen zu finanzieren. Die reichen Geberländer haben die armen Länder bislang weitgehend mit dieser Herausforderung alleine gelassen, so dass diese die steigenden Kosten der extremen Wetterereignisse selbst decken müssen – auch durch Kredite, die sie weiter in die Schuldengfalle treiben.

„Unsere Regierungen tragen zu einer Krise bei, die Millionen von Frauen, Männern und Kindern aus ihren Häusern vertreibt, und die ärmsten Menschen in den ärmsten Ländern zahlen den höchsten Preis“, sagt Chema Vera, geschäftsführender Direktor von Oxfam International.

Ärmere Menschen häufiger von klimabedingter Vertreibung betroffen

Oxfams Bericht zeigt, dass die wirtschaftlichen Verluste durch Wetterkatastrophen in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich zwei Prozent des Volkseinkommens der betroffenen Länder entsprachen. Diese Zahl liegt für viele Entwicklungsländer noch viel höher – bis zu 20 Prozent für kleine Inselstaaten wie Kuba oder Tuvalu.

Weitere Ergebnisse des Berichts: Weltweit werden Menschen siebenmal häufiger durch Wirbelstürme, Überschwemmungen und Waldbrände zu Binnenflüchtlingen, als durch Erdbeben und Vulkanausbrüche, und dreimal häufiger als durch Konflikte. Im Durchschnitt wurden in den vergangenen zehn Jahren über 20 Millionen Menschen pro Jahr durch extreme Wetterereignisse zur Flucht im eigenen Land gezwungen. Millionen weitere sind wegen schleichender Veränderungen wie Dürren, steigender Meeresspiegel oder anderer Klimakatastrophen aus ihrer Heimat abgewandert.

Zudem zeigt der Bericht, dass Menschen in armen Ländern, die am wenigsten zur globalen CO2-Belastung beitragen, am meisten gefährdet sind. Kleine Inselstaaten sind besonders betroffen und stellen sieben der zehn Länder, die das größte Risiko tragen, dass durch extreme Wetterereignisse Menschen zu Binnenflüchtlingen werden.

Die ungleichen Auswirkungen der Klimakrise sind weltweit sichtbar. Menschen in Ländern mit niedrigem und niedrigem mittlerem Einkommen wie Indien, Nigeria und Bolivien werden mehr als viermal so häufig durch extreme Wetterereignisse vertrieben als Menschen in reichen Ländern wie den USA. Rund 80 Prozent aller in den letzten zehn Jahren vertriebenen Menschen leben in Asien – Heimat von einem  Drittel der Menschen, die weltweit in extremer Armut leben.