Ernst & Young: Gewinnschwäche der DAX-Konzerne setzt sich fort

 

Stuttgart (15.8.19) – Die schwächelnde weltweite Konjunktur, Handelskonflikte und steigende Rechtsrisiken hinterlassen zunehmend Bremsspuren in den Bilanzen der Dax-Konzerne. Zwar konnten die deutschen Top-Unternehmen ihren Gesamtumsatz im zweiten Quartal steigern – beim Gewinn mussten sie allerdings deutliche Rückgänge hinnehmen.

 

Bis auf vier Unternehmen verzeichneten alle im DAX gelisteten Konzerne ein Umsatzwachstum – insgesamt lag das Plus bei immerhin 4,5 Prozent. Der operative Gewinn (EBIT) der Unternehmen sank im zweiten Quartal hingegen deutlich: um 30 Prozent auf 25,4 Milliarden Euro. Nur elf Unternehmen meldeten einen höheren Gewinn als im Vorjahreszeitraum. Zwei Konzerne schrieben im zweiten Quartal sogar rote Zahlen – allerdings vor allem aufgrund einmaliger Sondereffekte: Bei Daimler belasteten insbesondere Rechtsrisiken und Rückstellungen die Gewinnentwicklung. Bei der Deutschen Bank fielen hohe Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit dem Konzernumbau an.

 

Die höchsten Gewinne fuhren Volkswagen (5,1 Milliarden Euro) und Allianz (3,2 Milliarden Euro) ein. Die Deutsche Telekom liegt mit 2,4 Milliarden Euro auf dem dritten Platz.

 

Bei der Beschäftigung bleiben die DAX-Konzerne zwar auf Wachstumskurs, die Zahl der Mitarbeiter steigt aber nicht mehr so stark wie im Vorjahr: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs die Mitarbeiterzahl der DAX-Unternehmen um knapp 60.000 auf 3,8 Millionen. Im Jahr 2018 hatten die Konzerne noch mehr als 100.000 Stellen geschaffen. Immerhin: Nur sieben Unternehmen beschäftigten im zweiten Quartal weniger Arbeitnehmer als ein Jahr zuvor.

 

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

 

„Einige Unternehmen konnten trotz einer sich abschwächenden Konjunktur überraschend starke Zahlen vorweisen und ihre Profitabilität deutlich steigern. Ebenfalls erfreulich: Die Umsätze steigen bei fast allen Unternehmen. Auf der anderen Seite sehen wir gerade bei den Industrieunternehmen eine zunehmende Eintrübung: Die Auftragseingänge sinken, der Preiskampf wird härter, die Gewinne schrumpfen“, stellt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY, fest.

 

Gerade die schwache weltweite Autokonjunktur führe zu Belastungen – bei Herstellern und Zulieferern, aber auch bei Unternehmen aus angrenzenden Branchen wie dem Maschinenbau oder der chemischen Industrie, beobachtet Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY: „Immer mehr Unternehmen bekommen die Investitionszurückhaltung und die Sparmaßnahmen der Autobranche zu spüren. Wir haben derzeit noch keine echte Krise. Aber zumindest in der Industrie sind wir nicht mehr weit davon entfernt. Unterm Strich gab es bei den DAX-Konzernen im zweiten Quartal Licht und Schatten“.

 

US-Markt sorgt für Wachstum

Am besten entwickelten sich im zweiten Quartal die Umsätze in den USA, die bei den Unternehmen, die entsprechende Angaben machen, um 15 Prozent wuchsen. In Asien stiegen die Umsätze immerhin noch um acht Prozent, während sie in Europa leicht – um 0,4 Prozent – schrumpften. „Die Situation in Europa hat sich deutlich eingetrübt“, so Barth. „Der bevorstehende Brexit bereitet zunehmend Sorgen – zumal derzeit vieles für einen harten Brexit, also einen Ausstieg Großbritanniens ohne Vertrag spricht. Dann dürften ab November bei Ausfuhren nach Großbritannien hohe Ausgaben für Zölle und Zollformalitäten anfallen – ganz zu schweigen von dem zu erwartenden Einbruch der Nachfrage in einem der wichtigsten Auslandsmärkte für deutsche Unternehmen.“

 

Auch außerhalb Europas mehren sich die Risiken, ergänzt Meyer: „Die Hoffnungen auf eine baldige Beilegung des Handelskonflikts zwischen den USA und China haben sich nicht erfüllt – im Gegenteil: Der Konflikt spitzt sich zu und droht nun auch zu einem Währungskrieg zu werden.“

 

Angesichts dieses schwierigen Umfelds verordnen sich immer mehr Unternehmen Sparprogramme, beobachtet Meyer: „Zahlreiche DAX-Konzerne haben umfassende Kostensenkungsmaßnahmen angekündigt, die zumeist auch mit dem Abbau von Stellen verbunden sind. Unterm Strich wuchs die Belegschaft der deutschen Top-Unternehmen im zweiten Quartal zwar noch, die Beschäftigungsdynamik hat aber spürbar nachgelassen. Jetzt muss gespart werden – nicht zuletzt um die hohen Investitionen zu finanzieren.“ Bei Zukunftsinvestitionen hält der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre an: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen im zweiten Quartal um vier Prozent von 12,7 auf 13,3 Milliarden Euro.