Ernst &Young: Elektroautos mit Rekord-Absatzplus in Deutschland

Stuttgart (2.8.19) – Nach einem Absatzrückgang um knapp fünf Prozent im Juni konnte der deutsche Neuwagenmarkt im Juli wieder zulegen: Die Zahl der Neuzulassungen stieg um knapp fünf Prozent – allerdings auch dank eines zusätzlichen Verkaufstages. Bereinigt um diesen Effekt lag der Absatz auf dem Niveau des Vorjahresmonats.

Peter Fuß, Partner bei EY: „Der Juli war bemerkenswert stark – vor allem wenn man das hohe Vorjahresniveau berücksichtigt.“ Im Sommer 2018 hatten einige Autokonzerne im Vorfeld der WLTP-Umstellung massiv nicht-WLTP-zertifizierte Neuwagen in den Markt gedrückt – etwa als Tageszulassungen oder mit hohen Rabatten. Die deutlichen Einbußen im Juli ’19 etwa von VW (minus 7 Prozent) und Audi (minus 14 Prozent) sind vor dem Hintergrund hoher Zuwachsraten im Vorjahresmonat zu sehen. Umgekehrt haben sich die Marken, die vor einem Jahr noch deutliche Rückgänge verzeichnet hatten – vor allem Mercedes und BMW – nun sehr gut entwickelt. „Die WLTP-Turbulenzen des Vorjahres zeigen sich auch in der aktuellen Zulassungsstatistik, weshalb die Zahlen nicht als Indikator eines generellen Positiv-Trends zu sehen sind.“ Das gelte auch für den laufenden Monat: „Im August werden wir starke WLTP-Effekte sehen. Dann aber dürfte das Absatzniveau insgesamt deutlich niedriger liegen als im Vorjahr“.

Und eine weitere Belastungsprobe stehe dem deutschen – und europäischen – Automarkt im Herbst bevor, so Fuß: Ab September gilt schon die nächste, verschärfte Stufe des WLTP-Prüfzyklus, die erneut zu einem ausgedünnten Modellangebot und entsprechenden Absatzrückgängen führen könnte, falls es den Herstellern nicht gelingt, rechtzeitig alle Typprüfungen zu absolvieren. „Die Schwierigkeiten dürften nicht so massiv sein wie im Vorjahr. Dennoch wird die neue WLTP-Stufe erneut eine Herausforderung. Wahrscheinlich wird es in den ersten Monaten ab September erneut Absatzrückgänge geben.“ Fuß rechnet vor diesem Hintergrund – und aufgrund der deutlich eingetrübten Wirtschaftslage – mit einem Absatzrückgang im Gesamtjahr 2019 im niedrigen einstelligen Bereich.

Absatz von Elektroautos steigt weiter

Auch im Juli zeigte die Absatzentwicklung bei Elektroautos und Hybrid-Modellen klar nach oben: Die Neuzulassungen von Hybrid-Modellen stiegen um 59 Prozent, die Neuzulassungen reiner Elektroautos legten sogar 136 Prozent zu – ein neuer Höchstwert. Der Marktanteil von Elektroautos (ohne Plug-in Hybride) kletterte im Vergleich zum Vorjahresmonat von 0,8 auf 1,8 Prozent. Seit Jahresbeginn wurden in Deutschland insgesamt gut 37.000 Elektroautos neu zugelassen – mehr als im gesamten Vorjahr (36.062). Einen starken Anteil am Elektro-Boom hat das Model 3 von Tesla, das erst seit Jahresbeginn in Deutschland ausgeliefert wird – die Neuzulassungen von Tesla-Fahrzeugen haben sich im Juli mehr als verfünffacht.

„Wir sehen ein stark zunehmendes Interesse an Elektroautos, das sich – trotz teils sehr langer Lieferzeiten – auch in einem stark steigenden Absatz widerspiegelt. Dennoch ist das Absatzniveau in absoluten Zahlen nach wie vor sehr überschaubar“, so Fuß. „Immerhin kommt inzwischen Bewegung in den Markt – dank neuer attraktiver Modelle und einer zunehmenden Sichtbarkeit von Elektroautos im Straßenverkehr. Für die kommenden Monaten und Jahre sind zahlreiche weitere neue Modelle im Kleinwagen- und Kompaktsegment angekündigt. Elektromobilität wird damit immer mehr auch für Normalverdiener erschwinglich.“

Entscheidend sei nun eine deutliche Verbesserung der Ladeinfrastruktur, so Fuß: „Bei der Ladeinfrastruktur muss noch viel passieren – gerade wenn der Absatz von Elektroautos weiter so stark steigt. Elektroautos werden spätestens 2021 einen Anteil von fünf Prozent an den Neuzulassungen in Deutschland haben – dann werden deutlich mehr Ladesäulen benötigt.“

Diesel gewinnt weiter Marktanteile 

Die deutschen Kunden kaufen wieder häufiger Dieselautos. Nachdem der Absatz von Dieselfahrzeugen im Zuge des Dieselskandals seit dem Spätsommer 2015 massiv eingebrochen war, hat sich der Marktanteil von Selbstzündern – zumindest in Deutschland – in den vergangenen Monaten stabilisiert. Im Juli hielt dieser Trend an: Die Zahl der Diesel-Neuzulassungen stieg um 7 Prozent, der Marktanteil von Selbstzündern kletterte von 32,3 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 33,0 Prozent. Der Juli war damit der siebte Monat in Folge mit einem steigenden Diesel-Marktanteil (plus 0,7 Prozentpunkte). „Die leidige Diskussion über den vermeintlich dreckigen Diesel hat sich zuletzt beruhigt. Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass moderne Diesel äußerst sauber sein können und einen wichtigen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes und damit zum Klimaschutz leisten können. Allerdings macht der Diesel aus Kostengründen inzwischen nur noch in größeren Modellen wirklich sind. Im Kleinwagen- und zunehmend auch im Kompaktsegment wird der Diesel zukünftig kaum noch eine Rolle spielen.“