Hessen zu Green Finance: Wirtschaftsminister Al-Wazir und Finanzminister Dr. Schäfer – „Ein weiteres starkes Bekenntnis des Landes für nachhaltiges Handeln am Kapitalmarkt.“

Wiesbaden (7.6.19) – Hessen tritt als erstes Bundesland der von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative „Prinzipien für verantwortliches Investieren“ (UN PRI) bei. Seit vielen Jahren schreibt sich die Hessische Landesregierung das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen; auch bei der Geldanlage orientiert es sich an diesem Maßstab. Wie Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am Freitag mitteilten, ist das Land mit seinem Sondervermögen Versorgungsrücklage – dem Alterssparbuch Hessen – als erstes Bundesland der globalen Initiative ‚Prinzipien für verantwortliches Investieren‘ beigetreten.

„Das ist ein weiteres starkes Bekenntnis seitens des Landes für unser nachhaltiges Handeln am Kapitalmarkt. Wir vertreten nicht nur die Überzeugung, dass langfristige Wertschöpfung nur in einem wirtschaftlich effizienten, nachhaltig gestalteten globalen Finanzsystem möglich ist – wir handeln auch danach“, erklärten die Minister: „Hessen berücksichtigt schon seit dem Jahr 2007 beim Kauf von Aktien im Rahmen seines Sondervermögens Grundsätze der Nachhaltigkeit. Diese haben wir im Januar 2019 nochmals erweitert.“

Seit 2007 investiert das Land am Kapitalmarkt nur in nachhaltige Unternehmen. 2012 wurden die Kriterien präzisiert und erfassen seitdem nur Unternehmen, die in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung auf Basis zahlreicher Kennzahlen zu den am besten bewerteten der Eurozone gehören beziehungsweise die strengen Maßstäbe des globalen Nachhaltigkeitsindexes hinsichtlich CO2-Ausstoß und Einsatz für Artenvielfalt auszeichnen.

Mit der Anpassung des Versorgungsrücklagengesetzes zum Januar 2019 hat sich Hessen als erstes deutsches Bundesland auch per Gesetz zu einer nachhaltigen Vermögensanlage verpflichtet. Dabei werden Unternehmen, die Atomenergie produzieren und fossile Brennstoffe gewinnen, weitgehend ausgeschlossen.

Nun folgte in einem nächsten Schritt der Beitritt zu der Initiative „Prinzipien für verantwortliches Investieren“ (engl.: UN Principles for Responsible Investment (UN PRI). Sie wendet sich an den Kapitalmarkt und wird von den Vereinten Nationen ideell unterstützt. Zu den Unterzeichnern zählen Investoren, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister, die sich zur praktischen Umsetzung des verantwortlichen Investierens verpflichten. Ziel der Initiative ist es, zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen von Investitionsaktivitäten auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung beizutragen sowie ihre Unterzeichner in ihren nachhaltigen Investitionsentscheidungen zu unterstützen.

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte: „Der Übergang in eine klimafreundliche und nachhaltige Wirtschaft verlangt Investitionen, mit denen die öffentliche Hand allein völlig überfordert wäre. Deshalb muss in großem Umfang privates Kapital mobilisiert werden. Mittlerweile hat man an so gut wie allen Finanzplätzen der Welt die Bedeutung von Green Finance erkannt, und die Hessische Landesregierung hat ein hohes Interesse, dass Frankfurt auf diesem Gebiet eine führende Rolle einnimmt. Mit dem Beitritt zu UN PRI zeigt Hessen, dass wir diesem Thema höchste Bedeutung beimessen und auch unser Gewicht als Anleger für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzen.“

Hessen hat sich seit dem Jahr 2007 bei der Aktienanlage für die Nachbildung eines breit aufgestellten Nachhaltigkeitsindex entschieden, der Investitionen in Hersteller von Kriegswaffen ausschließt und den Vorgaben der Initiative der Vereinten Nationen für verantwortungsvolle Unternehmensführung Rechnung trägt. Sie fordert etwa von Unternehmen Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten, zum Schutz von Minderheiten und gegen jede Form der Ausbeutung und Korruption. Der vom Land Hessen ausgewählte Index bildet eine Vielzahl von Sektoren ab und bietet damit das Diversifizierungspotential, welches für eine sichere Anlage öffentlicher Gelder unerlässlich ist. Vor dem Hintergrund, dass das Land Hessen zukünftig auch Unternehmen, die Atomenergie produzieren und fossile Brennstoffe gewinnen, im Rahmen seiner Anlagestrategie weitgehend ausschließt, stellt sich Hessen in diesem Bereich gegenwärtig neu und noch nachhaltiger auf.

Finanzminister Dr. Thomas Schäfer betonte: „Um Vorsorge für die künftig weiter wachsenden Belastungen im Versorgungsbereich der Beamten des Landes zu treffen, hat Hessen schon im Jahr 1999 das Sondervermögen Versorgungsrücklage gebildet. Mit diesem Alterssparbuch Hessen sorgen wir heute für morgen vor. Wie wir unser Geld anlegen richtet sich nach Anlagerichtlinien, die der Zustimmung des Haushaltsausschusses bedürfen. Neben festverzinslichen Wertpapieren ist auch eine Anlage in Aktien und Anteilen an Immobilienfonds möglich. Hessen verfolgt dabei eine nachhaltige Anlagestrategie, die neben einer angemessenen Rendite auch ökologische und soziale Aspekte beachtet. Bundesweit ist Hessen eines der wenigen Länder, die sich selbst solch strenge Nachhaltigkeitskriterien auferlegen. Als einziges Bundesland verpflichten wir uns seit Beginn des Jahres sogar per Gesetz dazu. Dies tun wir aus voller Überzeugung für die Zukunft nachwachsender Generationen. Unser Handeln steht im Übrigen im Einklang mit unserer gesamten Haushaltspolitik: Wir zahlen mittlerweile jedes Jahr Schulden zurück statt neue zu machen und investieren trotzdem durchdacht in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Das ist eine nachhaltige Finanzpolitik durch und durch.“

Dustin Neuneyer, Head of Germany & Austria von PRI, begrüßt den Beitritt des Landes Hessen zu der Initiative: „Die Vorbildfunktion und Vorreiterschaft, die das Land Hessen und seine Regierung hier demonstrieren, sind ein starkes und wichtiges Signal. Sie unterstreichen die hohe Bedeutung, die die systematische Entwicklung von Sustainable Finance hat; für Finanzmärkte insgesamt und für die Rolle von öffentlicher Hand und Staat dabei insbesondere. Wir freuen uns sehr, auch auf die Zusammenarbeit, und wir danken auch der Deutschen Bundesbank und allen weiteren, die aufgeschlossen und aktiv sind für robuste und zukunftsfähige Finanzmärkte, Wirtschaft und Gesellschaft.“

Hintergrund: Die Versorgungslasten stellen die öffentlichen Haushalte von Bund und Ländern in den kommenden Jahren vor eine große Herausforderung. Seit dem Jahr 1999 besteht deshalb in Hessen das Sondervermögen Versorgungsrücklage, das Alterssparbuch Hessen. Der Wert des Sondervermögens beträgt gegenwärtig rund 3,7 Milliarden Euro. Seit dem Jahr 2005 nimmt das Land zusätzlich zu den gesetzlichen Zuführungen freiwillige Zuführungen aus dem Landeshaushalt zum sukzessiven Aufbau einer teilweise kapitalgedeckten Beamtenversorgung vor. Das Vermögen der Versorgungsrücklage ist entsprechend den in Hessen gültigen Anlagerichtlinien angelegt, die eine breitgefächerte Diversifikation ermöglichen. Mit der Verwaltung der Mittel ist die Deutsche Bundesbank betraut. Hessen hält damit an seinem Kurs fest, durch den sukzessiven Aufbau seiner Versorgungsrücklage sowie durch eine breite Diversifikation seiner Anlagen bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen zu leisten. Der Aktienanteil am Gesamtportfolio ist derzeit auf 30 % begrenzt und beläuft sich aktuell auf rund 987 Millionen Euro.