Ernst & Young:  Kalendereffekte sorgen für mehr Autoverkäufe im Mai – Dieselmarktanteil steigt deutlich

Stuttgart (4.6.19) –Peter Fuß, Partner bei EY: „Die deutschen Kunden kaufen wieder häufiger Dieselautos. Nachdem der Absatz von Dieselfahrzeugen im Zuge des Dieselskandals massiv eingebrochen war, hat sich der Marktanteil von Selbstzündern – zumindest in Deutschland – zuletzt stabilisiert. Im Mai setzte sich der noch junge Positivtrend bei Diesel-Neuwagen sogar verstärkt fort: Die Zahl der Neuzulassungen stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 16,3 Prozent auf 110.876, der Marktanteil kletterte von 31,3 auf 33,3 Prozent – der Mai war damit der fünfte Monat in Folge mit einem steigenden Diesel-Marktanteil.

„Dank einer insgesamt guten Nachfrageentwicklung bei Geschäftswagen und im SUV-Segment hat sich der Diesel mehr als stabilisiert“ beobachtet Fuß. „Zudem ist die Diskussion um den vermeintlich schmutzigen Diesel zuletzt abgeebbt. Hinzu kommt, dass einige Diesel-Modelle aufgrund der WLTP-Umstellung lange nicht lieferbar waren. Inzwischen hat sich die Situation normalisiert, und die Hersteller liefern die bestellten Fahrzeuge aus – dieser Nachholeffekt sorgte einige Zeit für steigende Diesel-Neuzulassungen.“

Fuß rechnet mit einer stabilen Entwicklung der Diesel-Neuzulassungen im weiteren Jahresverlauf: „Moderne Diesel sind sehr sauber und spielen eine wichtige Rolle bei der Begrenzung der CO2-Emissionen. In den kommenden Jahren dürfte der Diesel-Marktanteil weiter bei etwa einem Drittel liegen. Im Kleinwagen und zunehmend auch im Kompaktsegment wird der Diesel allerdings keine Rolle mehr spielen.“

Neuwagenmarkt

„Auf den ersten Blick scheint sich der deutsche Neuwagenmarkt im Mai erholt zu haben: Um 9,1 Prozent sind die Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, nachdem sie im April noch um 1,1 Prozent gesunken waren.“ Tatsächlich hatte der vergangene Monat allerdings im Vergleich zum Vorjahresmonat zwei zusätzliche Verkaufstage – bereinigt um diesen Kalendereffekt ergibt sich ein Rückgang der Neuzulassungen um 1,2 Prozent.

Außerhalb Deutschlands entwickelte sich der Neuwagenmarkt im Mai eher schwach – wobei Kalendereffekte auch hier noch für positive Verzerrungen sorgten: In Frankreich stiegen die Neuzulassungen um ein Prozent, in Italien sanken sie hingegen um ein Prozent, in Österreich um sechs Prozent und in Spanien um sieben Prozent.

Für die durchwachsene Entwicklung auf dem deutschen und europäischen Neuwagenmarkt sieht Fuß vor allem konjunkturelle Gründe: „Es gibt zurzeit eine Vielzahl von wirtschaftlichen und politischen Risiken und Unwägbarkeiten. Daher hält sich die Investitionsbereitschaft sowohl bei Unternehmen wie auch bei Privatpersonen in Grenzen – trotz einer nach wie vor insgesamt zufriedenstellenden Wirtschaftslage, einer geringen Arbeitslosigkeit und anhaltend niedrigen Zinsen.“ Hinzu komme das Auslaufen der Diesel-Eintauschprämien bei einigen Herstellern. „Das Rabattniveau war in den vergangenen Monaten extrem hoch – nun bemühen sich die Hersteller, die Preisnachlässe herunterzufahren. Das dürfte auch Auswirkungen auf den Neuwagenabsatz haben“, erwartet Fuß.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der ungewissen konjunkturellen Aussichten rechnet Fuß für das laufende Jahr bestenfalls mit einem Absatz auf Vorjahresniveau. Wahrscheinlicher sei ein Rückgang um etwa drei Prozent.

Boom bei Elektroautos hält an

Wie in den Vormonaten zeigte auch im Mai der Trend bei Elektroautos und Hybrid-Modellen klar nach oben: Die Neuzulassungen von Hybrid-Modellen stiegen in Deutschland im Mai deutlich um 87,5 Prozent, bei reinen Elektroautos verdoppelte sich die Zahl der Neuzulassungen sogar. Der Marktanteil von Elektroautos (ohne Plug-in Hybride) stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat von 0,8 auf 1,4 Prozent und hat sich damit in den vergangenen vier Jahren versiebenfacht.

„Der Absatz von Elektroautos entwickelt sich erfreulich dynamisch – wir reden allerdings immer noch über ein reines Nischenprodukt“, so Fuß. „In absoluten Zahlen sind die Verkäufe von E-Autos nach wie vor sehr überschaubar. Immerhin kommen nun endlich mehr Modelle auf den Markt, und auch bei der Ladeinfrastruktur tut sich etwas. Die Nachfrage ist auf jeden Fall groß – so groß, dass es bei vielen Hersteller sehr lange Lieferzeiten gibt.“

„Im weiteren Verlauf des Jahres und vor allem im kommenden Jahr, wenn immer mehr Modelle auch von den deutschen Herstellern tatsächlich verfügbar sein werden, werden wir daher höchstwahrscheinlich einen deutlichen Anstieg der Verkäufe von Elektroautos sehen. Dann ist ein Marktanteil um die fünf Prozent rasch erreichbar.“