Allianz: Deutsche Konjunktur mit gutem Jahresstart, aber verhaltenem Ausblick

München (23.5.19) – Der erfreuliche Jahresauftakt der deutschen Wirtschaft ist maßgeblich auf konjunkturelle Impulse aus dem Inland zurückzuführen. Allerdings haben positive Sondereffekte – darunter der recht milde Winter, Auto-Nachholkäufe und konsumstützende fiskalpolitische Maßnahmen – das Ergebnis wahrscheinlich geschönt. Sobald diese auslaufen, wird die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft eher wieder etwas verhaltener ausfallen. Denn wie die heute ebenfalls veröffentlichten PMI und ifo Konjunkturumfragen für den Monat Mai belegen, steht Deutschlands exportorientiertes und auf Investitionsgüter spezialisiertes Wachstumsmodel angesichts einer sich abkühlenden Weltkonjunktur, anhaltender Probleme im Automobilsektor und wachsender Risiken für den Welthandel weiterhin unter Druck. Es gibt erste Anzeichen, dass die Industrieschwäche langsam auf den Dienstleistungssektor abfärbt. Insgesamt rechnen wir für 2019 weiterhin mit einem BIP-Zuwachs von 1%.

 

Die heute veröffentlichen Zahlen belegen, dass der erfreuliche Jahresauftakt der deutschen Wirtschaft vor allem von positiven Impulsen aus dem Inland getragen wurde. Der private Konsum legte real um satte 1,2% zu und damit so stark wie zuletzt im Jahr 2011. Bei den Ausrüstungsinvestitionen sowie den Bauinvestitionen fiel das Plus mit 1,2% beziehungsweise 1,9% ebenfalls kräftig aus. Nur die staatlichen Konsumausgaben waren leicht rückläufig (-0,3%). Auch der Außenhandel dürfte das BIP-Wachstum gestützt haben, dank einer dynamischeren Entwicklung der Exporte (1,0%) im Vergleich zu den Importen (0,7%).

 

Allerdings gehen wir davon aus, dass hierbei auch positive Sondereffekte ihre Finger im Spiel hatten, die das Q1 Ergebnis geschönt haben. So dürfte etwa die Bautätigkeit von den günstigen Wetterbedingungen profitiert haben und der private Konsum sowohl von Auto-Nachholkäufen als auch den zu Jahresbeginn in Kraft getretenen konsumstützenden fiskalpolitischen Maßnahmen. Mit dem Auslaufen dieser Sondereffekte dürfte die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft eher wieder etwas verhaltener ausfallen.

 

Die ebenfalls heute veröffentlichten enttäuschenden Ergebnisse der ifo und PMI Konjunkturumfragen zeigen, dass Deutschlands exportorientiertes und auf Investitionsgüter spezialisiertes Wachstumsmodel angesichts einer verhaltenden Weltkonjunktur, andauernder Probleme im Automobilsektor und wachsender Risiken für den Welthandel immer noch unter Druck steht. Der ifo Geschäftsklimaindex verschlechtert sich erneut um 1,3 Punkte auf 97,9. Während die Unternehmen ihre Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage deutlich nach unten korrigierten, blieben die bereits angeschlagenen Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate unverändert. Die deutschen PMIs für die Industrie registrierten hingegen mit 44,3 Punkten auf dem zweitniedrigsten Stand seit sieben Jahren. Trotz einer leichten Entspannung im Monat Mai ist die Industrieproduktion, das Exportneugeschäft und der Auftragseingang weiterhin klar rückläufig. Beide Konjunkturumfragen liefern erste Anzeichen dafür, dass die deutsche Industrieschwäche langsam beginnt auf den Dienstleistungssektor abzufärben. Insgesamt rechnen wir für 2019 weiterhin mit einem BIP-Zuwachs von 1%.

Von Katharina Utermöhl , Fon +49.89.3800-3790, katharina.utermoehl@allianz.comAllianz SE