Allianz zum deutschen BIP: Starker Jahresauftakt,

aber kein Befreiungsschlag

München (15.5.19) – Die deutsche Wirtschaft hat nach einer kurzen Schwächephase wieder Fuß gefasst und mit einem BIP-Wachstum von saisonbereinigt 0,4% einen erfreulichen Jahresstart 2019 hingelegt. Noch im Schlussquartal 2018 war die deutsche Wirtschaft immerhin nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt, nachdem sich über der Industrie ein perfekter Sturm aus schwächelndem Welthandel, Autosektor-Krise und erhöhten politischen Risiken zusammengebraut hatte. Allerdings dürfte die Konjunkturdynamik im weiteren Verlauf des Jahres 2019 eher wieder an Fahrt verlieren. Wenig spricht angesichts des schwierigen globalen Umfelds für eine v-förmige Erholung in der Industrie und die Binnennachfrage dürfte ohne Rückenwind aus der Außenwirtschaft eher an Dynamik ein-büßen. Wir halten an unserer bisherigen Wachstumsprognose von 1,0% für dieses Jahr fest.

 

Nach einem Schwächeanfall im zweiten Halbjahr 2018 ist die deutsche Wirtschaft mit einem starken Jahresauftakt wieder klar auf Wachstumskurs. Die zwischenzeitliche Sorge vor einem wirtschaftlichen Absturz hat sich damit als über-trieben rausgestellt. Wie das Statistische Bundesamt heute bekanntgab, wurde das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal vor allem getragen durch die Inlandsnachfrage. Sowohl die Investitionen in Bauten und in Ausrüstungen als auch der private Konsum verzeichneten ein deutliches Plus gegenüber dem Vorquartal. Der staatliche Konsum war hingegen rückläufig. Die außenwirtschaftliche Entwicklung zeigte ein gemischtes Bild, denn sowohl Exporte als auch Importe legten zu.

 

Die heutigen BIP-Daten geben aber noch keinen Anlass dafür, alle Konjunktursorgen über Bord zu werfen. Einiges spricht dafür, dass das Expansionstempo des Startquartals 2019 im weiteren Verlauf des Jahres nicht gehalten werden kann.

 

Noch gibt sich die deutsche Binnennachfrage äußerst widerstandsfähig. Der private Konsum etwa hat dank der guten Arbeitsmarktentwicklung, Lohnsteigerungen und der 2019 wirksam werdenden Abgabenentlastungen und zusätzlichen monetären Sozialleistungen klares Boom-Potenzial und dürfte in 2019 wichtigste Konjunkturstütze werden. Doch auch wenn die Deutschen konsumfreudiger geworden sind, so bleibt zu sehen, wie lange die Schwäche der deutschen Industrie damit ausgeglichen werden kann. Zuviel hängt hierzulande nach wie vor an der Exportwirtschaft und hier sind die Perspektiven nicht gerade vielversprechend. Denn die sich zuspitzenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China dürften Hoffnungen auf eine baldige Erholung des Welthandels – etwa dank des chinesischen Konjunkturstimulus – einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen. In solch einem Umfeld dürften nicht nur die deutschen Exporte sondern zunehmend eben auch die deutschen Investition leiden. Darüber hinaus bietet auch der starke Lageraufbau Potenzial für eine negative Korrektur in den kommenden Quartalen, denn die vorliegenden Daten zum Auftragseingang sprechen nicht gerade für eine dynamische Nachfrageentwicklung.

 

Alles in allem dürfte die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs bleiben, auch wenn sich das Startquartal 2019 als das wirtschaftlich dynamischste entpuppen dürfte. Wir halten an unserer bisherigen Wachstumsprognose von 1,0% für dieses Jahr fest.

Autorin: Katharina Utermöhl, Fon +49.89.3800-3790, katharina.utermoehl@allianz.comAllianz SE