CFS-Umfrage: „Green Finance“ – Finanzsektor wird für die Erreichung der Klimaziele eine Rolle spielen – Nachhaltigkeitsaspekt bei Anlageentscheidung relevant

Frankfurt/Main (10.5.19) – Angesichts der zunehmenden Diskussionen über den Klimawandel und seine Folgen nimmt auch die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Finanzbereich zu. Unter den Schlagworten „Sustainable“ oder „Green“ Finance gibt es inzwischen zahlreiche Initiativen, die sich mit dem Beitrag des Finanzsektors zur Erreichung der Klimaziele beschäftigen. Eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies ergab, dass die deutsche Finanzbranche mehrheitlich (64%) die Meinung vertritt, dass der Finanzsektor bei der Erreichung der Klimaziele eine unterstützende Rolle einnehmen könnte. 17% der Befragten ordnen dem Finanzsektor sogar eine tragende Rolle zu. Hingegen sehen 18% der Befragten hier keine Relevanz.

„Ich sehe große Chancen für den Finanzplatz Frankfurt, von dem wachsenden Trend zu nachhaltigen Finanzprodukten oder auch vom Handel mit Emissionsrechten zu profitieren“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentprodukten (z.B. Green Bonds) nimmt zu. Die Finanzbranche glaubt mehrheitlich (70%), dass der Nachhaltigkeitsaspekt künftig für Investoren eine wichtige Rolle bei ihren Anlageentscheidungen spielen wird. Hingegen nehmen 26% der Befragten an, dass der Nachhaltigkeitsaspekt die Anlageentscheidungen nicht beeinflussen wird.

Bei dem Thema, inwieweit es zu staatlichen Einflussnahmen kommen sollte, ist sich die deutsche Finanzbranche geschlossen einig (70%), dass es weder staatliche Anreize (z.B. steuerliche Entlastungen) für Green Bonds geben sollte, noch sollten regulatorische Erleichterungen (z.B. bei der Eigenkapitalbelastung) für Banken geschaffen werden, die weniger oder keine Geschäfte mit umweltbelastenden Unternehmen machen.

„Die Bankenregulierung sollte nicht mit klimapolitischen Zielen überfrachtet werden. Zum einen ist die Regulierungsdichte im Finanzsektor ohnehin schon sehr hoch. Zum anderen können Kapitalerleichterungen für umweltfreundliche Finanzierungen zu Fehlanreizen führen, die die Finanzstabilität gefährden“, erläutert Brühl weiter.

Wenn es um die Frage geht, ob das Umweltverhalten von Firmenkunden bei der Kreditentscheidung von Banken (z.B. im Rating) berücksichtigt werden sollte, ist die Meinung der Finanzbranche eher zweigeteilt. Während 52% der Befragten diesen Aspekt befürworten, sprechen sich 45% dagegen aus.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Umfrageergebnisse zeigen klar, die Zeit ist reif und nachhaltige Produkte sind gesucht. Dazu braucht es keine weiteren staatlichen Anreize. Das ist ein ermutigendes Zeichen, dass sich nachhaltige Produkte bereits heute im Wettbewerb durchsetzen können.“

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FRANKFURT, 10 May 2019. In light of the growing debate over climate change and its consequences, sustainability considerations are also taking on greater importance in the financial sector. Under the headings “Sustainable Finance” or “Green Finance”, numerous initiatives have been launched to address the financial sector’s contribution to attaining climate goals. A recent survey by the Center for Financial Studies showed that the majority of the German financial industry (64%) believes that the financial sector could play a supporting role in achieving climate goals. Indeed, 17% of respondents would even attribute a major role to the financial sector. By contrast, 18% of those surveyed do not regard the financial sector as relevant to the climate goals.

“I see great opportunities for the Financial Centre Frankfurt to profit from the growing trend towards sustainable financial products as well as from trading in emission rights,” Professor Volker Brühl, Managing Director of the Center for Financial Studies, interprets the survey results.

Demand for sustainable investment products (e.g. green bonds) is on the rise. The majority of the financial industry (70%) believes that sustainability will be an important factor in how investors decide to allocate capital in the future. By contrast, 26% of respondents believe that sustainability considerations will not influence investment decisions.

On the issue of how much government influence should be exerted, the German financial industry is fairly unanimous (70%) that no government incentives such as tax relief should be offered for green bonds, nor should regulatory advantages such as lower capital requirements be granted to banks that do little or no business with companies harming the environment.

“Banking regulation should not be overloaded with climate policy goals. Firstly, the financial sector is already subject to a dense network of regulations. Secondly, looser capital requirements for environmentally friendly financing could lead to false incentives that jeopardize financial stability,” Professor Brühl adds.

Regarding the question of whether a company’s environmental impacts should be factored into banks‘ corporate lending decisions (e.g. through ratings), opinions in the financial industry are rather divided. While 52% of respondents support this approach, 45% are opposed to it.

Hubertus Väth, Managing Director of Frankfurt Main Finance e.V., emphasizes: “The results clearly show that the time is ripe and sustainable products are in demand. In addition, they show that further government incentives are not necessary. This is an encouraging sign that today, sustainable products are already competitive.”
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We would like to thank Frankfurt Main Finance e.V. for financially supporting the project.

Links and Downloads:

Press Release (pdf)
Presentation (German, pdf)
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