Ernst & Young: Abwärtstrend auf dem EU-Neuwagenmarkt hält an – Ausblick eingetrübt

Frankfurt/Main ( 17.4.19) – Der Abwärtstrend auf dem europäischen Neuwagenmarkt hält an und verstärkt sich sogar: Nachdem die Pkw-Neuzulassungen in den ersten beiden Monaten des Jahres EU-weit um knapp 3 Prozent gesunken waren, schrumpften die Neuzulassungen im März um knapp 4 Prozent. Alle großen Märkte verzeichneten im März Rückgänge.

Die schwache Absatzentwicklung ist laut Peter Fuß, Partner bei EY, vor allem auf die lahmende Konjunktur und steigende wirtschaftliche und politische Risiken zurückzuführen: „Die WLTP-Umstellung, die monatelang zu Einbußen geführt hatte, ist inzwischen kein Thema mehr – jetzt stehen eindeutig konjunkturelle Probleme im Vordergrund. Gerade in den südeuropäischen Ländern verliert die Konjunktur an Kraft, Italien rutscht sogar in die Rezession. In dem Maß, wie sich die wirtschaftlichen Perspektiven verdüstern, trüben sich auch die Aussichten für den Neuwagenmarkt ein. Obendrein entwickelt sich der Brexit zu einer monatelangen Hängepartie mit nach wie vor ungewissem Ausgang. Da ist es wenig verwunderlich, wenn Unternehmen und Privatleute bei größeren Investitionen zurückhalten.“

Vor diesem Hintergrund rechnet Fuß nicht mit einer echten Erholung des Marktes in den kommenden Monaten: „Der Trend zeigt klar nach unten, die Risiken steigen. Positive Impulse – etwa eine Einigung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit oder ein Brexit-Deal – sind derzeit eher unwahrscheinlich.“

Diesel-Absatz weiter kräftig unter Druck – nur in Deutschland nicht

Auch im März setzte sich der nun schon seit 2015 anhaltende Abwärtstrend beim Absatz von Diesel-Neuwagen fort: Die Neuzulassungen von Diesel-Pkw in den fünf größten EU-Märkten (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) sanken im März und im ersten Quartal um 17 Prozent.

Der Diesel-Marktanteil schrumpfte in diesen fünf Ländern im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,2 Prozent, wobei die Entwicklung von Land zu Land stark differierte: In Deutschland stieg der Marktanteil – zum dritten Mal in Folge – um 1,0 Prozentpunkte, während er in Frankreich und Großbritannien um jeweils etwa 6 Prozent sank. In Italien und Spanien zeigt der Trend hingegen deutlich nach unten: In beiden Ländern lagen die Marktanteilsverluste bei etwa 9 Prozentpunkten.

 

„Nur in Deutschland kann der Dieselantrieb derzeit wieder Boden gut machen – seit drei Monaten entwickeln sich die Verkäufe von Diesel-Fahrzeugen besser als die Neuzulassungen von Benzinern. Damit ist Deutschland allerdings EU-weit ein Sonderfall“, betont Fuß. „Zum Teil dürfte diese Entwicklung darauf zurückzuführen sein, dass die Talfahrt des Diesels in Deutschland früher begonnen hat als in den meisten anderen EU-Ländern. Zum Teil dürften auch Nachholeffekte nach dem WLTP-bedingten Einbruch Ende letzten Jahres eine Rolle spielen, als viele Diesel-Modelle nicht lieferbar waren. Auch verkaufsfördernde Maßnahmen seitens der Hersteller spielen eine Rolle. Damit ist aber auch klar, dass wir es in Deutschland eher mit einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau zu tun haben als mit einer Renaissance des Diesels.“

 

Absatz von Elektrofahrzeugen steigt im März unterschiedlich stark

 

 

Der europaweite anhaltende Rückgang von Diesel-Neuzulassungen sorgt für steigende CO2-Emissionen – und macht damit hohe Strafzahlungen immer wahrscheinlicher. Umso wichtiger wäre ein deutliches Absatzplus bei Elektroautos.

 

 

Im März stieg der Absatz von Elektroautos (einschließlich Plug-in-Hybriden) in den Top-5-Märkten um 15 Prozent, nachdem er allerdings im Februar noch um 35 Prozent gewachsen war. Hohe Zuwachsraten waren etwa in Österreich und Deutschland zu verzeichnen (plus 49 bzw. 42 Prozent), während der Absatz in Italien nur um 5 Prozent stieg und in Großbritannien sogar um 5 Prozent sank.

 

 

 

 

 

Der Marktanteil von Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen kletterte in den Top-5-Märkten von 1,6 auf 1,9 Prozent. Insgesamt wurden in den fünf Ländern gut 26.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride neu zugelassen – bei insgesamt etwa 1,3 Millionen Pkw-Neuzulassungen.

 

 

 

 

 

Von den sechs analysierten Absatzmärkten (Top 5 sowie Österreich) wies im März Österreich mit 4,6 Prozent den höchsten Marktanteil von Elektrofahrzeugen auf. Der Hauptgrund für das starke Plus in Österreich war die hohe Zahl an neu zugelassenen Tesla Model 3-Fahrzeugen: Mit 703 Neuzulassungen belegte das das Model 3 den fünften Rang in der Neuzulassungsrangliste in Österreich.

 

 

In Italien, wo gerade einmal 0,3 Prozent der Neuwagen elektrisch fahren, schafft es der Tesla hingegen nicht einmal unter die 50 bestverkauften Modelle.

 

 

 

 

 

„Der Durchbruch der Elektromobilität ist noch lange nicht Realität, wir sehen aber, dass attraktive neue Elektrofahrzeuge durchaus das Zeug haben, hohe Verkaufszahlen zu erzielen und nennenswerte Marktanteile einzufahren. Noch ist die Zahl verfügbarer Modelle sehr gering. Im Lauf dieses und des kommenden Jahres werden allerdings zahlreiche sehr interessante E-Autos auf den Markt kommen – nicht zuletzt von den deutschen Herstellern –, die das Potenzial haben, für einen spürbaren Schub bei den Absatzzahlen zu sorgen. Dann wird die Elektromobilität endlich die Nische verlassen.“