Ernst & Young: Autokonzerne mit Gewinneinbruch – Investitionen steigen dennoch stark

Frankfurt/Main (16.4.19) – Sinkende Gewinne, schrumpfende Absatzzahlen, hohe Investitionen: Für die weltweit führenden Automobilkonzerne war 2018 ein Jahr mit vielen Herausforderungen – und 2019 verspricht kaum einfacher zu werden.

Zwar stieg der Gesamtumsatz der 16 führenden Autokonzerne der Welt nicht zuletzt dank des SUV-Booms um 2,5 Prozent. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sank hingegen – erstmals seit dem Krisenjahr 2009 – um 0,9 Prozent. Deutliche Abstriche mussten viele Unternehmen beim Gewinn machen: Der Gesamtgewinn (EBIT) der Unternehmen ging um 9 Prozent zurück, im vierten Quartal sogar um 16 Prozent. Nur sechs Unternehmen meldeten einen Gewinnanstieg, zehn Konzerne verzeichneten sinkende Gewinne. Die durchschnittliche EBIT-Marge sank im Vergleich zu 2017 von 6,4 auf 5,7 Prozent. Nur vier Unternehmen konnten ihre Marge erhöhen.

 

Für die deutschen Autokonzerne lief es im vergangenen Jahr insgesamt ebenfalls nicht rund: Ihr Gesamtabsatz stieg zwar leicht – um 1 Prozent. Beim operativen Gewinn verzeichneten sie allerdings einen Rückgang um 10 Prozent, die Marge sank von 7,7 auf 6,8 Prozent. Besser schnitten die japanischen Konzerne ab. So konnte Toyota gegen den allgemeinen Trend bei Absatz, Umsatz, Gewinn und Marge im vergangenen Jahr zulegen und baute dabei seine Position als gewinnstärkster Autokonzern der Welt aus: Bei umgerechnet 19,7 Milliarden Euro lag das EBIT des japanischen Konzerns und damit 16 Prozent höher als im Vorjahr. Volkswagen, Daimler und BMW belegen im Gewinnranking die Plätze zwei bis vier. Am profitabelsten war mit Suzuki ebenfalls ein japanischer Konzern. Das Unternehmen erzielte eine EBIT-Marge von 9,6 Prozent und verdrängte damit BMW von der Spitze des Margen-Rankings auf den zweiten Platz. Toyota belegt mit 8,5 Prozent den dritten Rang vor Daimler mit 6,7 Prozent.

 

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

 

„Globale Handelskonflikte, höhere Zölle, steigende Innovationsausgaben und Probleme bei der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP führten im vergangenen Jahr zum Teil zu erheblichen Belastungen für die Autoindustrie“, beobachtet Constantin Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY. Allerdings sei der Gegenwind je nach Schwerpunktmärkten, Produktpalette und Produktionsstandorten der Unternehmen unterschiedlich stark ausgefallen, so Gall: „Die japanischen Konzerne profitierten vom schwachen Yen und waren weniger stark betroffen von den Strafzöllen im Zusammenhang mit dem chinesisch-amerikanischen Handelsstreit. Zudem hatten sie aufgrund der relativ geringen Bedeutung des europäischen Markts kaum mit WLTP-Problemen zu kämpfen.“ Besonders schwach entwickelten sich hingegen die US-Konzerne, die erhebliche Einbußen beim Absatz (minus 8 Prozent) und Gewinn (minus 31 Prozent) hinnehmen mussten.

Deutsche Konzerne investieren am meisten in Innovationen

Trotz der durchwachsenen Geschäftsentwicklung gaben die Autokonzerne 2018 durchweg mehr für Forschung und Entwicklung aus als im Vorjahr – vor allem die deutschen. Insgesamt kletterten die Ausgaben der analysierten Unternehmen um 6 Prozent auf 68,4 Milliarden Euro. Die mit Abstand höchsten Ausgaben tätigte Volkswagen mit 12,1 Milliarden Euro vor Toyota mit 8,2 Milliarden Euro. Die höchste F&E-Quote – also den höchsten Anteil am Umsatz – wies hingegen BMW mit einer Quote von 5,5 Prozent vor General Motors mit 5,3 Prozent und Volkswagen mit 5,1 Prozent auf.

 

„Die Investitionen der Autokonzerne in Innovation steigen seit Jahren kontinuierlich, und gerade die deutschen Autokonzerne geben viel Geld aus, um ihre Position als Technologieführer zu verteidigen“, beobachtet Peter Fuß, Partner bei EY. „So haben die deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr ihre Investitionen überdurchschnittlich stark – um knapp 7 Prozent – erhöht. In den vergangenen fünf Jahren haben sie ihre Ausgaben um 5,5 Milliarden Euro beziehungsweise 30 Prozent und damit stärker als alle anderen Autokonzerne gesteigert.“

 

Der Aufwärtstrend bei den Investitionen werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen, erwartet Fuß: „Es stehen Milliardeninvestitionen in Elektromobilität, autonomes Fahren und digitale Geschäftsmodelle an – auch wenn derzeit noch niemand weiß, ob sich die Elektromobilität tatsächlich so rasch durchsetzt, wie die Politik und viele Unternehmen wünschen. Und auch bei den neuen Geschäftsmodellen ist weitgehend unklar, wohin die Reise geht und womit am Ende wirklich Geld verdient werden wird. Teure Fehlinvestitionen müssen also auch eingeplant werden.“

 

Unterm Strich werden die Unternehmen mittelfristig weniger Gewinn machen als im vergangenen – sehr erfolgreichen – Jahrzehnt, prognostiziert Gall. Die Gewinnmarge der analysierten Unternehmen lag im vierten Quartal bei 5,0 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Entsprechend hoch sei der Druck, unter dem die Unternehmen stünden: „Die Restrukturierung und Konsolidierung der Branche wird in den kommenden Jahren weiter an Fahrt gewinnen – nicht alle Autokonzerne werden diese Neuordnung als unabhängige Unternehmen überstehen. Neben Fusionen und Übernahmen werden wir auch noch mehr sehr weitgehende Kooperationen zwischen Wettbewerbern und zwischen Auto- und Technologiekonzernen sehen.“ Kaum ein Autokonzern könne die anstehenden Zukunftsinvestitionen noch alleine stemmen, so Gall. „Die Autokonzerne müssen ganz neue Wege gehen, wenn sie überleben wollen.“