Sparda-Banken: Ereignisreiches Jahr solide abgeschlossen

Frankfurt/Main (12.4.19) – Die Gruppe der Sparda-Banken hat ein mit großen Herausforderungen gespicktes Jahr 2018 mit einem soliden Ergebnis abgeschlossen. „Angesichts der immens wichtigen Zukunftsprojekte, die die Gruppe derzeit stemmt, sowie mit Blick auf die schwierigen politischen Rahmenbedingungen dürfen wir mit unserer Jahresbilanz zufrieden sein. Das Jahr 2018 war für uns nicht nur geprägt von einer bedeutenden Fusion der Sparda-Bank-West mit der Sparda-Bank Münster zur neuen Sparda-Bank West, die nach der Bilanzsumme nun die fünfgrößte Genossenschaftsbank Deutschlands ist. Gerade die Großprojekte der Gruppe im Bereich IT und Digitalisierung haben natürlich in erheblichem Maße Ressourcen gebunden. Das war zu erwarten, denn hierbei handelt es sich um Investitionen in die Zukunft, die keinen Aufschub dulden – aber eben zum Teil auch um Einmaleffekte, die wir so für die kommenden Jahren nicht dauerhaft erwarten müssen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Sparda-Banken, Florian RENTSCH anlässlich des Jahrespressegesprächs des Verbandes.

Nachdem die zusammengefasste Bilanzsumme der Sparda-Banken im Jahr 2017 zum ersten Mal über die Grenze von 70 Mrd. EUR gestiegen war, setzt sich dieses Wachstum der Gruppe auch im Jahr 2018 fort. Die elf Sparda-Banken kommen zusammen auf 74,4 Mrd. € (+4,5 Prozent). Die Gruppe konnte dabei in ihrem wichtigen Kerngeschäftsfeld – der Bereitstellung von Kundenkrediten (+ 1,1 Mrd. EUR), hier insbesondere von Baufinanzierungen, sowie der Vermittlung von Bausparverträgen (+2,9 Prozent volumenmäßig) – auch im vergangenen Jahr wieder deutlich zulegen. Gleiches gilt für die Kundeneinlagen, die um 5,8 Prozent auf 66,2 Mrd. EUR gestiegen sind. „Die Kunden vertrauen der Sparda-Gruppe, weil ihre Einlagen in unserem schlanken und risikoarmen Geschäftsmodell absolut sicher sind – aber auch deshalb, weil unsere Banken auf die Weitergabe der von der EZB erhobenen Negativzinsen an den Kunden auf sein Erspartes verzichten. Somit trifft uns die EZB-Zinspolitik gleich doppelt hart, auf der Ertrags- und der Einlagenseite“, so Uwe STERZ.
Besonders positiv ist die erneute Steigerung der Eigenmittel um 5,6 Prozent auf nunmehr über 5 Mrd. EUR, davon 4,3 Mrd. EUR Kernkapital. Damit ist die Grundlage für zukünftiges Wachstum der Sparda-Banken gegeben. Der vor allem auf Grund der Niedrigzinsen zu verzeichnende Rückgang im Zinsüberschuss (-5,3 Prozent) konnte durch die höheren Provisionserträge (+4,3 Prozent) nur zum Teil kompensiert werden. Der Verwaltungsaufwand der Gruppe ist angesichts der Großprojekte insbesondere im Bereich IT gegenüber 2017 um 4,7 Prozent gestiegen. Dementsprechend sinkt der Jahresüberschuss auf 99,4 Mio. EUR (-9,8 %).

Die politischen Rahmenbedingungen hatten im Jahr 2018 auch Auswirkungen auf das Geschäft mit den Kooperationspartnern: Während die Vermittlung von Bausparverträgen sich angesichts der wohnungsbaupolitischen Lage in Deutschland Siehe hierzu die am 12. April 2019 veröffentlichte Sparda-Studie „Wohnen in Deutschland 2019“ unter www.sparda-wohnen2019.de  gut entwickelt hat, ist vor allem die Versicherungsvermittlung wie schon in den Vorjahren unter der Last zu niedriger Zinsen rückläufig. Auch das hervorragende Ergebnis des vorangegangenen Jahres bei der Vermittlung von Investmentfonds der Union Investment (+22,5 Prozent Steigerung von 2016 auf 2017) konnte volumenmäßig nicht ganz gehalten werden (-7,4 Prozent auf 1,62 Mrd. EUR), obwohl die Anzahl der Transaktionen höher lag als im Vorjahr. Grund hierfür ist vor allem der Einbruch der Kapitalmärkte gegen Ende des Jahres. „Während für die leicht rückläufigen Vermittlungen von Fonds die geopolitischen Spannungen zwischen den USA, der EU und China sowie die Turbulenzen am Aktienmarkt eine entscheidende Rolle gespielt haben, ist der Einbruch bei den Lebensversicherungen direktes Ergebnis der EZB-Zinspolitik. Wenn die EZB nun zumindest über Freibeträge von Negativzinsen nachdenkt, mag das ein erster Schritt sein. Das Grundproblem löst es jedoch noch lange nicht. Es wird höchste Zeit, dass der Null- und Negativzinswahnsinn endet“, so RENTSCH.

———————————————————————————————————————–

Vorstellung der Sparda-Studie „Wohnen in Deutschland 2019“

  •    Studie gibt Immobilienkäufern finanzielle Orientierungshilfe
    ·        Trend zur Urbanisierung strahlt immer weiter ins Umland von Metropolen aus
    ·        Bereitschaft zum Pendeln sowie finanzielle Einschränkungen hinzunehmen steigt
    ·        Verfehlte Niedrigzinspolitik beschleunigt die Preisspirale – Immobilienkauf lohnt sich trotzdem noch immer
    ·        Politik muss endlich entschlossen handeln, um den Preis-, Wohnraum- und Verkehrskollaps in den Metropolregionen zu verhindern
    Frankfurt am Main. Die Gruppe der Sparda-Banken hat zum dritten Mal nach 2014 und 2017 die Studie „Wohnen in Deutschland“ veröffentlicht. Die Kernergebnisse der diesjährigen Neuauflage, die in Kooperation mit der Beratungsgesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Consult) und dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) erstellt wurde, präsentierten der Vorstand des Verbandes der Sparda-Banken e.V., Florian Rentsch und Uwe Sterz, zusammen mit dem Projektleiter des IW, Hanno Kempermann, in Frankfurt.
    „Für den weit überwiegenden Teil der privaten Käufer ist die Finanzierung einer eigenen Immobilie kein x-beliebiges Standard-Finanzgeschäft, sondern eine zentrale Lebensentscheidung. Es geht hierbei um die Fragen: „Was kann ich mir wo für mein Geld leisten und ist dies wirtschaftlich gesehen auch sinnvoll?“. Hierzu bietet die Sparda-Studie flächendeckend detaillierte Informationen zum Preisverlauf der vergangenen Jahre und zu möglichen künftigen Entwicklungen. Sie dient damit in finanzieller Hinsicht als hervorragende Orientierungshilfe für Immobilienkäufer und bietet wichtige Daten für die Bau- und Wohnwirtschaft“, so der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Sparda-Banken, Florian RENTSCH.Trotz starkem Wunsch nach Wohneigentum – Deutschland ist europaweit Schlusslicht
    Die repräsentative Befragung im Zuge der Studie verdeutlicht, dass jenseits wirtschaftlicher Überlegungen der Immobilienkauf eine emotionale Entscheidung ist: Der Wunsch, in den eigenen vier Wänden und in einem lebenswerten Umfeld zu wohnen, ist bei zwei Dritteln der Befragten sehr stark ausgeprägt und folglich Grundlage der Kaufentscheidung. Das zeigt sich auch daran, dass ein Drittel aller Mieter bis 50 Jahre konkret über einen Kauf in den nächsten zwei bis drei Jahren nachdenken. Mit einer Eigentumsquote von nur 47 Prozent ist Deutschland dennoch im europaweiten Vergleich abgeschlagenes Schlusslicht.
    „Betrachtet man dies im Zusammenhang mit den Preisentwicklungen vor allem in den Metropolen sowie der immensen Bedeutung, die Standortfaktoren wie gute Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Gesundheitsversorgung und eine vernünftige Verkehrsinfrastruktur für die Menschen haben, wird schnell klar: Die Hausaufgaben für die Politik in diesen Bereichen sind enorm. Deutschland muss als eines der wohlhabendsten und wirtschaftlich stärksten Länder Europas seine Eigentumsquote dringend erhöhen“, so RENTSCH weiter.Ungebrochener Trend zur Urbanisierung weitet sich auf Umland aus
    Laut Studie beträgt der jährliche Preisanstieg für Wohnimmobilien seit 2005 3,4 Prozent im Mittel. In den sieben größten deutschen Städten haben sich im selben Zeitraum die Preise sogar um insgesamt fast 100 Prozent im Schnitt nach oben entwickelt. Spitzenreiter ist hier Berlin (128,7 Prozent Preissteigerung seit 2005), gefolgt von München (115,9 Prozent). Dies hat zur Folge, dass Käufer für den bundesdeutschen durchschnittlichen Kaufpreis einer Immobilie in Höhe von 264.000 Euro (entspricht 5,6 Jahresnettoeinkommen; 2017: 246.000 Euro) im Landkreis München nur 35 Quadratmeter Wohnfläche erhalten. In Trendvierteln wie Hamburg-Rotherbaum gibt es dafür sogar nur 29 m². Zum Vergleich: Im Bundesschnitt erhalten Käufer für das gleiche Geld 111 Quadratmeter und im Kyffhäuserkreis gar 309 Quadratmeter. Dieser – ungebrochene – Trend zur Urbanisierung zeigt sich auch daran, dass in 71 Prozent der deutschen Regionen ein Quadratmeter weniger kostet als im Bundesdurchschnitt.
    „Darüber hinaus ist ein immenser Ausstrahlungseffekt auf das Umland zu erkennen, der das Gefälle zwischen Ballungsraum und ländlichen Regionen deutlich erweitert hat. Sieben der zehn teuersten Regionen Deutschlands liegen im Großraum München. Der Wirkungskreis der bayerischen Landeshauptstadt beträgt bereits über 100 km. Dieser Trend wird sich mit Blick auf die Entwicklung der regionalen Leistungsfähigkeit und der Zukunftsfähigkeit der Regionen weiter fortsetzen – wobei die Zukunftsampel hier nicht nur ein Stadt-Land-, sondern auch ein klares Nord-Süd-Gefälle prognostiziert“, so Hanno KEMPERMANN.
    Bereitschaft, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, steigt
    Die hohen Preissteigerungen in den Ballungsräumen und dem Großteil der Mittelstädte bleiben nicht ohne Folgen für die Bereitschaft der potentiellen Käufer, für den Traum vom Eigenheim in anderen Lebensbereichen kürzer zu treten: 40 Prozent der Befragten, die den Erwerb einer Immobilie planen, sind bereit, sich sehr stark oder stark einzuschränken. Auch die Bereitschaft, bis zu 30 km zwischen Wohnort und Arbeitsplatz zu pendeln, ist weiter von 67 Prozent in 2017 auf 78 Prozent in 2019 gestiegen.
    „Für die Befragten gibt es neben dem Wunsch nach den eigenen vier Wänden auch eine langfristige wirtschaftliche Komponente beim Erwerb einer eigenen Immobilie: Drei Viertel von Ihnen sehen den Kauf als wichtigen Beitrag für ihre Altersvorsorge und über 60 Prozent sind sich sicher, dass Kaufen am Ende günstiger ist als Mieten. Auch wenn der Kostenvorteil in den vergangenen Jahren etwas geringer geworden ist, deckt sich diese Einschätzung nach wie vor mit den Ergebnissen der Studie: Deutschlandweit gesehen liegt der finanzielle Vorteil noch immer bei rund 33 Prozent im Durchschnitt“, so Uwe STERZ.

    Niedrigzinsen als „Brandbeschleuniger“ für Preisexplosion im Ballungsraum
    Die historischen Niedrigzinsen haben auch im Bereich der Baufinanzierung dazu geführt, dass seitens der Käufer für den Zinsdienst deutlich weniger aufzuwenden ist: So liegt die „Zinsersparnis“ gegenüber 2008 bezogen auf die durchschnittliche Investitionssumme von 264.000 Euro auf eine Laufzeit von 20 Jahren mit einer Eigenkapitalquote von 30 Prozent bei 72.500 Euro. Dieser Effekt wirkt sich natürlich auch auf die Motivation der Käufer aus: 56 Prozent geben an, dass das Niedrigzinsniveau ein wichtiger Grund für die eigenen Erwerbspläne ist. Betrachtet man jedoch die Preisentwicklung in den Metropolen – aber eben auch in den Mittelstädten (100.000 bis 600.000 Einwohner), die den Großstädten in Sachen Preissteigerung mittlerweile kaum nachstehen – zeigt sich, dass diese Zinsersparnis über die gestiegenen Kaufpreise kompensiert wird.
    „Sicher hat die verfehlte Zinspolitik der EZB als eine Art „Brandbeschleuniger“ die Preisexplosion in den Ballungsräumen befeuert. Trotzdem sehen wir keine Überhitzung des Marktes. Denn neben dem Kostenvorteil eigener Immobilien und den immer noch hohen Eigenkapitalquoten ist auch die Wertstabilität gegeben – das heißt, selbst in diesen hochpreisigen Zeiten lohnt es sich, Wohneigentum zu bilden. Und das nicht nur aus finanzieller Sicht: 63 Prozent der Befragten Immobilieneigentümer gaben an, sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation zu sein – mehr als doppelt so viele, wie unter den Mietern. Der Kauf einer Immobilie macht offensichtlich in den allermeisten Fällen glücklich“, so RENTSCH

    „Wohnraumoffensive“ der Bundesregierung ist voller Widersprüche
    Die Sparda-Studie belegt, dass die derzeit intensiv geführte politische Debatte über bezahlbaren Wohnraum gerade in Ballungsgebieten dringend notwendig ist und Maßnahmen diesbezüglich möglichst schnell zum Erfolg geführt werden müssen. Die Wohnraumoffensive der Koalition aus Union und SPD sowie der Wohngipfel zwischen Bund und Ländern enthalte aus Sicht des Sparda-Verbandes hierfür einige vernünftige Ansätze, die jedoch – wie beispielsweise im Falle des Baukindergelds oder der Verschlankung des Baurechts – nicht an der Bürokratie scheitern dürften. Vor allem aber dürften etwa bei der fälligen Reform der Grundsteuer am Ende keine Mehrbelastungen stehen, die die Preise gerade im Ballungsraum weiter anheizen.
    „Ein Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer, etwa beim Kauf eines selbstbewohnten Eigenheims, wäre vor allem für Familien eine echte Entlastung und würde der individuellen Altersvorsorge dienen. Offensichtlich wirkungslose Maßnahmen wie die Mietpreisbremse, die lediglich Kosten und Umgehungshandlungen verursacht, müssen hingegen auf den Prüfstand“, so RENTSCH.

    Und auch im Bereich Verkehrsinfrastruktur, laut Studie einem ganz wichtigen Aspekt bei der Entscheidung für den eigenen Wohnort, werde seitens der politischen Entscheidungsträger klar zu wenig getan. „Sowohl der Ausbau eines hochwertigen ÖPNV als auch der dringend notwendigen Kapazitätserweiterungen im Individualverkehr werden nach wie vor stiefmütterlich behandelt. Es droht in den Ballungsgebieten ein völliger Stillstand in Sachen Mobilität, wenn die Politik hier nicht umgehend gegensteuert“, so RENTSCH. „Um den Preis-, Wohnraum- und Verkehrskollaps in den Metropolregionen zu verhindern, braucht es in sämtlichen Bereichen entschlossenes Handeln.“