Ernst & Young: DAX-Konzerne zahlen Rekorddividende trotz sinkender Gewinne

Frankfurt (10.4.19) – Die Dividendenausschüttungen der DAX-Konzerne klettern in diesem Jahr erneut auf ein Rekordhoch: Insgesamt 36,5 Milliarden Euro zahlen die Unternehmen ihren Aktionären in diesem Jahr, das sind 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Mehrzahl der DAX-Konzerne schüttet so viel Geld an ihre Aktionäre aus wie nie zuvor: Bei 15 Unternehmen liegt die Dividende auf einem neuen Rekordniveau.

Als größter Dividendenzahler Deutschlands löst in diesem Jahr der Versicherungskonzern Allianz, der die Ausschüttung um 9 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro erhöht, den Autobauer Daimler ab: Daimler schüttet in diesem Jahr knapp 3,5 Milliarden an die Aktionäre aus, das sind 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Deutsche Telekom liegt mit 3,3 Milliarden Euro bei der Ausschüttungssumme (plus 8 Prozent) auf dem dritten Platz.

Auf das stärkste Plus können sich die Aktionäre von Eon und Adidas freuen: Der Energieversorger steigert seine Ausschüttung um 43 Prozent auf 932 Millionen Euro, der Sportartikelhersteller erhöht die Summe um 26 Prozent auf 666 Millionen Euro. In absoluten Zahlen legt hingegen Volkswagen am stärksten zu: Die Dividendenausschüttung steigt um 452 Millionen Euro – das sind 23 Prozent – auf 2,4 Milliarden Euro.

Während 21 Unternehmen in diesem Jahr mehr Geld an ihre Aktionäre zahlen, kürzen drei Unternehmen – Daimler, BMW und RWE – die Ausschüttung. Im Vorjahr hatte kein einziges Unternehmen die Dividende reduziert. Bei vier DAX-Konzernen liegt die Ausschüttungssumme auf dem Niveau des Vorjahres.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young). Die Dividendenzahlungen von Linde und Wirecard wurden nicht berücksichtigt, weil beide Unternehmen noch keine entsprechenden Angaben veröffentlicht haben.

Während die Dividendenausschüttungen in Summe leicht stiegen, zeigte die Gewinnentwicklung im vergangenen Jahr in die entgegengesetzte Richtung: Die Konzernergebnisse der DAX-Konzerne (Jahresüberschuss nach Steuern) sanken um 10 Prozent auf 84,5 Milliarden Euro, bei 15 Unternehmen war das Konzernergebnis rückläufig. „Gewinne und Dividenden entwickelten sich im vergangenen Jahr auseinander – die Unternehmen schütten für das vergangene Jahr mehr an ihre Aktionäre aus, obwohl sie unterm Strich weniger verdient haben“, beobachtet Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. „Allerdings liegt die Ausschüttungsquote – also der Anteil der Dividendenzahlungen am gesamten Gewinn – mit 43,2 Prozent immer noch unterhalb des 5-Jahres-Durchschnitts von 48 Prozent und damit auf einem soliden Niveau.“

Zudem zeige der Trend längst nicht mehr bei allen Unternehmen nach oben: „Einige große Dividendenzahler haben in diesem Jahr ihre Zahlungen an die Aktionäre reduziert und damit einer schwierigeren Geschäftsentwicklung Tribut gezollt. Andererseits konnten etliche Unternehmen trotz der eingetrübten Konjunktur erneut Rekordergebnisse vorlegen – da ist es nur folgerichtig, die Aktionäre angemessen zu beteiligen“, sagt Meyer.

Mit ihrer Dividendenpolitik versuchen die DAX-Konzerne ihre Attraktivität als Investitionsziele zu untermauern, so Meyer: „Angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfelds sorgen die Unternehmen mit dem erneuten Anstieg der Dividendenzahlungen für eine anhaltend hohe Attraktivität für Anleger, die sich mehrheitlich auf einen hohen Rückfluss aus ihren Aktieninvestitionen freuen können.“

 

Ausblick: Dividenden werden wohl nicht weiter steigen

Meyer ist allerdings skeptisch, ob sich der Dividendenboom im kommenden Jahr fortsetzen wird: „Die Konjunktur läuft nicht mehr rund, und die Unternehmen sehen sich zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Risiken ausgesetzt, die auch die Geschäftsentwicklung belasten. So sank der operative Gewinn der DAX-Konzerne im vierten Quartal des vergangenen Jahres um fast ein Drittel. Immer mehr DAX-Konzerne kündigen daher harte Sparprogramme an – sollte der Druck auf die Gewinne in diesem Jahr anhalten, werden früher oder später auch die Dividendenausschüttungen auf den Prüfstand gestellt werden. Denn während der Gewinnmotor stottert, steigen gleichzeitig die Investitionen: Die Digitalisierung, der Umbau der Geschäftsmodelle und neue technologische Entwicklungen wie etwa der Trend zu Elektromobilität erfordern enorm hohe Investitionen, die finanziert werden müssen.“