Prognose der Wirtschaftsweisen:

Nur noch Mini-Wachstum von 0,8 Prozent

Berlin (19.3.19) – Das Expansionstempo der deutschen Volkswirtschaft hat merklich nachgelassen. Vorübergehende Produktionsprobleme in der Automobil- und Chemieindustrie waren hierfür mitverantwortlich. Gleichzeitig hat sich die Grunddynamik der deutschen Wirtschaft verlangsamt. Nachfrageseitig geht dies vor allem auf eine deutlich schwächere Exportnachfrage aus wichtigen Absatzmärkten zurück. Angebotsseitig spielen die in vielen Branchen erreichten Kapazitätsgrenzen und bestehenden Arbeitskräfteengpässe eine Rolle.

„Die Hochkonjunktur der deutschen Wirtschaft ist vorerst vorüber. Eine Rezession ist angesichtsder robusten Binnenkonjunktur aber aktuell nicht zu erwarten.“
Christoph M. Schmidt, Vorsitzender


Vor diesem Hintergrund revidiert der Sachverständigenrat seine Wachstumsprognose für dasJahr 2019 nach unten und erwartet für die Jahre 2019 und 2020 jahresdurchschnittliche Zuwachsraten des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8% und 1,7 %. Die niedrige Prognose für das Jahr 2019 wird dabei stark durch das schwache letzte Quartal des Jahres 2018 und den damit verbundenen geringen statistischen Überhang beeinflusst. Bereinigt um den positiven Kalendereffekt aufgrund der außergewöhnlich hohen Anzahl an Arbeitstagen beträgt die Zuwachsrate im Jahr 2020 nur 1,3 %.

Die Zuwachsraten des deutschen BIP werden demnach im Prognosezeitraum voraussichtlich
leicht unterhalb des Potenzialwachstums liegen. Die Überauslastung der deutschen Wirtschaft
geht somit zurück, und die Produktion nähert sich ihrem Potenzial von oben an. Die Anzahl der
Erwerbstätigen dürfte jedoch weiter steigen und die Lohndynamik hoch bleiben. Insbesondere
von dem privaten Konsum, den Bauinvestitionen und dem Staatssektor dürften im Jahr 2019
positive Wachstumsbeiträge ausgehen. Angesichts der robusten Binnenkonjunktur ist eine Rezession
nicht zu erwarten.
Für die übrigen Mitgliedstaaten des Euro-Raums zeichnet sich ebenfalls eine schwächere Entwicklung
ab. Der Sachverständigenrat senkt seine Prognose für die Zuwachsrate des realen BIP
im Euro-Raum für das Jahr 2019 auf 1,2 %. Für das kommende Jahr wird ein Zuwachs in Höhe
von 1,4 % erwartet.
Die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind derzeit sehr hoch. Neben dem unsicheren
Ausgang der Brexit-Verhandlungen tragen hierzu insbesondere die ungelösten Handelskonflikte
zwischen den Vereinigten Staaten, Europa und China sowie die Gefahr einer stärker als
erwarteten Wachstumsabschwächung in China bei. Angesichts der bereits nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik hätte eine Spirale aus protektionistischen Maßnahmen das Potenzial, die deutsche Wirtschaft in eine Rezession abgleiten zu lassen.