Coface: Trotz guter Wirtschaftsdaten sind Zahlungsverzögerungen in Polen üblich

Paris (18.3.19) – Polen erreichte 2018 mit 5,1 Prozent das höchste Wirtschaftswachstum seit 2011. Trotz dieses positiven makroökonomischen Umfelds sind Zahlungsverzögerungen üblich: 99 Prozent erleben verspätete Zahlungen. Nur eins von 100 Unternehmen meldet pünktlichen Zahlungseingang. Das hat der internationale Kreditversicherer Coface in einer Befragung von rund 300 Unternehmen ermittelt.

Trotz der wirtschaftlichen Beschleunigung hat sich der durchschnittliche Zahlungsverzug nur unwesentlich reduziert. Er liegt nun bei 59,9 Tagen, das sind drei Tage weniger als 2017. Mit Zahlungsverzögerungen von nur 26 Tagen ist die Textilbranche noch am besten dran. Die längsten Überziehungen verzeichneten erneut die Transport- und Bauunternehmen mit 140 bzw. 105 Tagen. In dieser Hinsicht gab es zwar in beiden Sektoren eine leichte Verbesserung gegenüber 2017, aber für dieses Jahr wird dennoch eine Verschlechterung erwartet. Den stärksten Anstieg der Zahlungsverzugszeiten verzeichnete der Einzelhandel. Dort haben sich die Überziehungen verdreifacht: von 15 auf 44 Tage.

Das Zahlungsverhalten der Unternehmen spiegelt nach Ansicht der Coface-Volkswirte sowohl die kurzfristige wirtschaftliche Situation als auch das eher strukturelle Geschäftsumfeld wider. „52 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Profitabilität innerhalb der nächsten sechs Monate steigen wird, während 39 Prozent einen Rückgang erwarten“, kommentiert Grzegorz Sielewicz, Regional Economist für Mittel- und Osteuropa bei Coface. „Die Textil-, Automobil- und Energiebranchen erwarten eine Verbesserung des Umsatzes. Umgekehrt prognostizieren die Branchen Pharma, Metall und Bau einen Umsatzrückgang.“ Laut Coface-Umfrage gehen neun von zwölf Branchen davon aus, dass sich die ausstehenden Forderungssummen in den kommenden Monaten verringern werden.

Die Umfrage zu den Zahlungserfahrungen polnischer Unternehmen bestätigt den Trend, der auch in anderen MOE-Ländern zu beobachten ist. „Die robuste Konjunktur könnte die Herausforderungen, die Unternehmen erwarten, überdecken“, erklärt Katarzyna Kompowska, Regional CEO bei Coface für Nordeuropa. Das könnte auch deutsche Exporteure betreffen. „Denn starker Wettbewerb und steigende Kosten haben die Margen gedrückt, was zudem die Liquidität der Unternehmen und das Zahlungsverhalten beeinträchtigt. Mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums werden die Unternehmen zudem in einem weniger unterstützenden Umfeld agieren.“