IW: Die neue Stadtflucht von Familien

Köln (13.3.19)- Deutschlands Großstädte erleben seit Jahren einen Einwohnerboom. Für das Bevölkerungswachstum sorgen vor allem junge Inländer und Zuwanderer, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Familien ziehen dagegen immer häufiger ins Umland der Großstädte – dort können sie sich mehr Wohnfläche leisten.
Berlin ist zwischen 2011 und 2017 jedes Jahr um 1,4 Prozent gewachsen, Hamburg und München verzeichneten im gleichen Zeitraum ein Bevölkerungswachstum von mehr als einem Prozent pro Jahr. Für dieses Wachstum sind vor allem junge Leute aus dem In- und Ausland verantwortlich, zeigt eine neue IW-Studie, in der 71 deutsche Großstädte mit den 330 sonstigen Kreisen verglichen wurden. Das Ergebnis: Während junge Deutsche und Ausländer zum Studieren oder Arbeiten in die Städte ziehen, verlassen wohnungssuchende Familien mittlerweile wieder häufiger die Zentren und ziehen ins Umland, wo mehr Wohnfläche weniger kostet. Ausländer geben sich mit weniger Platz zufrieden

Die Studie zeigt auch, dass Ausländer sich mit kleineren Wohnungen zufriedengeben: So lebt ein Deutscher im Schnitt auf 48,4 Quadratmetern, während Menschen mit Migrationshintergrund sich mit durchschnittlich 32,9 Quadratmetern zufriedengeben. „Wer mehr Platz braucht, zieht immer häufiger ins städtische Umland“, sagt IW-Ökonom und Studienautor Ralph Henger. „Diesen Trend beobachten wir seit 2014. Davor waren die Immobilien in den Großstädten vergleichsweise preiswert. Inzwischen gibt es jedoch kaum günstige Wohnungen oder Häuser.“ Besonders deutlich lässt sich diese Entwicklung in dicht bebauten Städten wie München oder Stuttgart beobachten.

Ländliche Gebiete sind weiter abgehängt

Ländlich geprägte Kreise mit schlechter Infrastruktur profitieren von der neuen Stadtflucht bisher kaum, so die IW-Wissenschaftler in ihrer Studie. Regionen mit schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und schlechter Breitbandversorgung schrumpfen ungeachtet des Trends weiter.