Ernst & Young: Deutsche Autokonzerne wachsen in China und gewinnen Marktanteile – aber schwieriges Jahr 2019 erwartet

Stuttgart (10.2.19) – Die deutschen Autokonzerne konnten ihren Pkw-Absatz im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordniveau steigern – dank des chinesischen Absatzmarktes: Während die Pkw-Verkäufe von Volkswagen, BMW und Daimler 2018 in China um 2,4 Prozent stiegen, wurde außerhalb Chinas ein Rückgang um 0,3 Prozent registriert. In Summe legte der weltweite Pkw-Absatz der drei deutschen Konzerne 2018 damit um 0,7 Prozent zu – nach einem Absatzwachstum von knapp 5 Prozent im Vorjahr.

Alle drei deutschen Konzerne konnten ihre Pkw-Verkäufe in China steigern: Volkswagen um 0,5 Prozent, BMW um 7,7 Prozent und Daimler sogar um 10,3 Prozent. Entsprechend ist die Bedeutung Chinas für die deutsche Autoindustrie weiter gestiegen: 35,6 Prozent des weltweiten Pkw-Absatzes von Volkswagen, BMW und Daimler entfallen auf China. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 34,9 Prozent. Seit dem Jahr 2009, als gerade einmal 18,0 Prozent der Pkw-Verkäufe auf das Reich der Mitte entfielen, hat sich der Anteil Chinas somit fast verdoppelt.

 

Vor allem beim Volkswagenkonzern hängt viel von China ab: Wie im Vorjahr wurden vier von zehn weltweit verkauften Autos an chinesische Kunden ausgeliefert. Bei Daimler kletterte der Anteil von 25 auf 28 Prozent, bei BMW von 24 auf 26 Prozent.

 

Das sind Ergebnisse einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY, für die die weltweiten Pkw-Verkäufe der deutschen Automobilkonzerne untersucht wurden (Volkswagen: alle Verkäufe ohne MAN und Scania; Daimler: Mercedes-Benz Cars).

 

„China hat sich in den vergangenen Jahren zum Wachstumsmotor der deutschen Autoindustrie entwickelt – und auch 2018 war trotz einer spürbaren Eintrübung der Autokonjunktur im Reich der Mitte ein gutes Jahr für die deutschen Autobauer“, beobachtet Peter Fuß, Partner bei EY. „Seit dem Jahr 2009 konnten die deutschen Autokonzerne ihren Absatz in China mehr als verdreifachen: von 1,6 auf 5,5 Millionen Pkw. Im vergangenen Jahr verkauften die deutschen Autokonzerne damit erstmals so viele Autos in China wie in der Europäischen Union.“

 

Dank der überdurchschnittlichen Absatzentwicklung konnten alle drei deutschen Autokonzerne ihren Marktanteil in China steigern: BMW von 2,5 auf 2,8 Prozent, Daimler von 2,5 auf 2,9 Prozent und Volkswagen von 17,3 auf 18,1 Prozent. Damit stammte im Jahr 2018 knapp jeder vierte in China verkaufte Pkw von einem deutschen Autokonzern.

 

Absatzeinbruch setzt Fragezeichen hinter Wachstumspläne der Konzerne

Zum Jahresende hin brach der chinesische Pkw-Markt allerdings regelrecht ein: Angesichts einer schwächelnden Konjunktur, einer negativen Börsenentwicklung und des anhaltenden amerikanisch-chinesischen Handelsstreits sank der Pkw-Absatz im vierten Quartal um 15 Prozent – eine Entwicklung, der sich auch die deutschen Konzerne nicht vollständig entziehen konnten: Ihr kumulierter China-Absatz ging im vierten Quartal um 6 Prozent zurück. Im Gesamtjahr schrumpfte der chinesische Neuwagenmarkt um 4 Prozent – der erste Rückgang seit über 20 Jahren.

 

„Angesichts des sehr schwachen Jahresendes auf dem chinesischen Pkw-Markt bereitet sich die Branche auf ein schwieriges Jahr 2019 vor“, beobachtet Fuß. „Es ist derzeit völlig unklar, ob der Absatzrückgang anhält, oder ob sich der Markt wieder erholt. Wir sehen dunkle Wolken am Himmel, wissen aber nicht, ob es tatsächlich ein Gewitter gibt.“

 

Fuß ist aber vorsichtig optimistisch, dass eine lang anhaltende Schwächephase verhindert werden kann: „Die chinesische Regierung hat bereits in früheren Schwächephasen eingegriffen und etwa mit Steuervergünstigungen den Neuwagenmarkt angekurbelt. Und derzeit sieht es so aus, dass es wieder milliardenschwere Konjunkturprogramme geben könnte, von denen dann auch der Pkw-Markt profitieren dürfte. Viel hängt auch von der weiteren Entwicklung des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits ab – sollte es hier zu einer Einigung kommen, dürfte sich auch die Situation auf dem Neuwagenmarkt deutlich entspannen.“

 

Fest stehe, so Fuß, dass die Zeiten des ungebremsten Wachstums in China vorbei seien: „Der Markt normalisiert sich, der Wettbewerb hat massiv an Intensität gewonnen. Zweistellige Zuwachsraten wird es vorläufig nicht mehr geben.“ Die ehrgeizigen kurzfristigen Wachstumsziele vieler Autokonzerne auf dem chinesischen Markt müssten vor diesem Hintergrund wohl revidiert werden.

 

Fuß sieht aber nach wie vor langfristig noch viel Potenzial auf dem chinesischen Markt: „Noch immer besitzen verhältnismäßig wenige Chinesen ein Auto – auch im Vergleich zu anderen Schwellenländern. Und die kaufkräftige und statusorientierte Mittelschicht wird immer größer.“ Im vergangenen Jahr ist die Motorisierungsrate – also die Zahl der Pkw je 100 Einwohner – in China nach EY-Berechnungen von 13,0 auf 14,5 gestiegen. Zum Vergleich: In Deutschland lag sie Ende 2018 bei 56,1 – also fast viermal so hoch.

 

China als Schlüsselmarkt für die Elektromobilität

„Die deutsche Automobilindustrie ist in China hervorragend positioniert – gerade im margenstarken Premiumgeschäft. Mit ihrer starken Marktpräsenz sind sie gut gerüstet für die anstehenden Umbrüche der Automobilindustrie, die in China noch früher als in Europa sichtbar werden“, betont Fuß.

 

In China werden schon jetzt weltweit die meisten Elektroautos neu zugelassen, und auch als Produktionsstandort von Elektroautos ist das Reich der Mitte führend. „In China erleben wir den Durchbruch der Elektromobilität – angetrieben von strengen staatlichen Vorgaben. Parallel dazu gewinnen hier auch die Themen Vernetzung und Digitalisierung massiv an Bedeutung, weil die Kunden sehr technikaffin sind“, beobachtet Fuß. Dementsprechend fahren die Autokonzerne derzeit vor allem in China ihr Angebot an Elektroautos massiv hoch und investieren dabei auch Milliarden in neue Produktionsstätten und in Forschung und Entwicklung. „China hat sich zum Leitmarkt für Elektromobilität entwickelt und wird in den kommenden Jahren seine führende Position noch ausbauen. Hier werden die Spielregeln neu geschrieben und Marktanteile vergeben – während es in Europa weiter an der Ladeinfrastruktur und einheitlichen Anreizen mangelt und von den USA unter der derzeitigen Regierung kaum entsprechende Impulse zu erwarten sind.“