ifo Institut: Chinas Gegenzölle ruinieren den US-Vorteil beim Handelsstreit

München  (10.1.19) – Chinas Gegenzölle ruinieren den wirtschaftlichen Vorteil der USA im Handelsstreit. Das zeigen neueste Zahlen aus dem ifo Institut. „Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat bisher vor allem China geschadet. Aber die chinesischen Gegenzölle auf US-Produkte drehen den US-Vorteil ins Minus“, sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft. „Die statischen ökonomischen Effekte der bereits eingeführten amerikanischen Zölle werden China jährlich mit 9,3 Milliarden Euro belasten, in aktuellen Preisen, während die USA, vor allem durch höhere Zoll-Einnahmen, einen volkswirtschaftlichen Vorteil von 3,5 Milliarden Euro erhalten. Die Gegenzölle Chinas drehen aber dann das amerikanische Plus in einen Schaden von rund 2,6 Milliarden Euro, während sich der chinesische Verlust auf 5,7 Milliarden Euro verringert. Die chinesische Wirtschaftsleistung  schrumpft also immer noch in etwa doppelt so stark wie die amerikanische.“ Durch die bisherigen Zölle steigt die Wertschöpfung der US-Industrie um etwa 0,04 Prozent, während sie im US-Agrarsektor um 0,48 Prozent sinkt. Der Dienstleistungssektor verliert 0,04 Prozent seiner Wertschöpfung über indirekte Effekte.

„Falls die USA die bisher geltenden Zölle auf 250 Milliarden Dollar Importe von etwa 13 auf 25 Prozent erhöhten und die Chinesen entsprechend nachzögen, so verdoppelten sich die Kosten Chinas auf fast 18 Milliarden Euro, während der Schaden der USA nur geringfügig auf 4 Milliarden Euro anwüchse“, fügt Felbermayr hinzu. „Ein voller Handelskrieg, der den gesamten sino-amerikanischen Güterhandel mit Zöllen von 25 Prozent belegen würde, triebe den jährlichen volkswirtschaftlichen Schaden Chinas auf mehr als 30 Milliarden Euro, während jener der USA 9 Milliarden Euro betragen würde. Die Wertschöpfung der US Industrie würde relativ zur Situation vor der Handelskrise um 0,56 Prozent zunehmen; die fallende Wertschöpfung in den anderen Sektoren würden diesen Effekt aber mehr als ausgleichen.“

Die stärkere Betroffenheit Chinas resultiert vor allem aus der Tatsache, dass China nur Waren im Wert von 130 Milliarden US-Dollar aus den USA importieren, während umgekehrt die USA Waren im Wert von 506 Milliarden US-Dollar aus China beziehen (Daten aus dem Jahre 2017).

Durch die bereits existierenden Maßnahmen profitieren Deutschland und die EU geringfügig im Ausmaß von 0,3 bzw. 0,7 Milliarden Euro. In einem voll ausgeprägten Handelskrieg könnte Deutschland seine Wirtschaftsleistung um etwa eine halbe Milliarde Euro steigern. Diese positiven Effekte treten auf, weil die Exporte in die USA und nach China zunehmen würden. Die Analyse berücksichtigt aber nicht die auch für Deutschland negativen Effekte einer Zunahme der wirtschaftlichen Unsicherheit.

Es zeigt sich damit aber auch, dass der Handelsstreit allein die deutliche Abschwächung der globalen Konjunktur nur zu einem kleinen Teil erklären kann.