Ernst & Young: Mehrheit der DAX-Konzerne mit sinkenden Gewinnen – schwieriges viertes Quartal erwartet

Stuttgart (6.12.18) – Trotz konjunkturellen Gegenwinds konnten die DAX-Konzerne im dritten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn zulegen. Der Gesamtumsatz stieg um 3,0 Prozent auf 333 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungseffekte aufgrund des starken Euros lag das Wachstum sogar bei 4,1 Prozent. Die große Mehrheit der Unternehmen konnte den Umsatz steigern, fünf Unternehmen erzielten sogar prozentual zweistellige Zuwachsraten. Nur vier Unternehmen mussten sinkende Umsätze ausweisen.

 

Der operative Gewinn (EBIT) der DAX-Unternehmen stieg zwar in Summe um 11,6 Prozent – allerdings verzeichneten immerhin 17 Unternehmen Gewinneinbußen, ein Unternehmen rutschte sogar in die roten Zahlen. Zudem wirkten sich teils Einmaleffekte und Sondereinflüsse positiv aus. Bereinigt um diese Effekte war die Gewinnentwicklung deutlich weniger positiv.

 

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

 

„Beim Umsatz geht es zwar weiter bergauf, bei der Gewinnentwicklung zeigen sich aber inzwischen deutliche Bremsspuren“, stellt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, fest. „Im Tagesgeschäft kämpfen viele Unternehmen mit steigenden Kosten – etwa für Rohstoffe – und mit einer nachlassenden Kauflaune der Verbraucher.“ Vor allem Sondereffekte hätten für das Gewinnplus im dritten Quartal gesorgt. So erzielte Bayer einen Veräußerungsgewinn in Höhe von etwa 3,9 Mrd. Euro vor Steuern im Zusammenhang mit Verkäufen von Geschäftsfeldern an BASF. Bei Volkswagen gingen die Diesel-bedingten Belastungen von 2,6 Milliarden auf 800 Millionen Euro zurück. Und MunichRe erhöhte den Gewinn gegenüber dem von einigen Großschäden stark belasteten Vorjahresquartal sogar um fast 2,8 Milliarden Euro.

 

Zudem sank die Profitabilität vieler Unternehmen: 16 der im DAX notierten Industrieunternehmen verzeichneten einen Margenrückgang, nur 9 Konzerne konnten ihre Marge erhöhen. „In diesem Jahr haben bereits 9 der 30 DAX-Konzerne Gewinnwarnungen veröffentlicht, darunter alle vier Unternehmen aus der Automobilbranche. Gerade für die Autounternehmen war das dritte Quartal schwierig: Die Umstellung auf das neue weltweit einheitliche Abgasprüfverfahren WLTP in Europa führte zu sinkenden Verkaufszahlen auf dem europäischen Markt und zu Preiskämpfen, die die Marge stark belasteten“, beobachtet Meyer.

 

Sinkende Umsätze in Europa

Diese Sondersituation der Automobilbranche ist auch der Grund für das Umsatzminus von 2,4 Prozent, das die DAX-Konzerne insgesamt in Europa erwirtschafteten. In Asien entwickelten sich die Geschäfte der Unternehmen hingegen zuletzt sehr gut: Der in der Region erwirtschaftete Gesamtumsatz stieg um knapp 10 Prozent. Auch in Nordamerika stiegen die Umsätze mit 5,4 Prozent überdurchschnittlich stark. „Die Weltkonjunktur schwächelt zwar, und der Handelskonflikt zwischen den USA und China führt zu erheblichen Belastungen. Aber auch im dritten Quartal hat die starke internationale Aufstellung der DAX-Konzerne weiteres Wachstum ermöglicht – zumal es auf dem Heimatkontinent zurzeit nicht rund läuft.“

 

Schwieriges viertes Quartal erwartet – Transformationsprozess hält an

Meyer rechnet damit, dass auch das vierte Quartal schwierig wird: „Die Aussichten haben sich zuletzt eingetrübt, das Wachstum des Welthandels flaut ab und neue Handelsbarrieren werden aufgebaut, was insbesondere die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft trifft. Auch im laufenden vierten Quartal bekommen die Unternehmen Gegenwind.“ Hinzu kämen erhebliche Unsicherheiten in Bezug auf den bevorstehenden Brexit.

 

Angesichts dieser zum Teil ungünstigen Rahmenbedingungen stünden die meisten Unternehmen aber immer noch bemerkenswert gut da, betont Meyer. „Starke Marktschwankungen, zunehmende Regulierungen, Handelshemmnisse und geopolitische Spannungen gehören inzwischen zur Normalität – darauf haben sich die Unternehmen eingestellt. Hinzu kommen technologische Revolutionen wie die Digitalisierung und der Trend zur Elektromobilität, die viele traditionelle Geschäftsmodelle bedrohen. Die DAX-Konzerne tun das einzig Richtige: Sie arbeiten an ihrer Flexibilität, stellen die eigene Struktur und das Geschäftsmodell fundamental auf den Prüfstand und trennen sich auch von großen Geschäftsfeldern oder tätigen mutige Zukäufe.“

 

Trotz der damit verbundenen teils massiven Umbaumaßnahmen expandieren viele DAX-Konzerne weiter und stellen zusätzliche Mitarbeiter ein. Unterm Strich entstanden im Lauf des vergangenen Jahres mehr als 100.000 neue Stellen. „Die deutschen Top-Konzerne stecken mitten in einer tiefgreifenden Transformation, bleiben dabei aber selbstbewusst und in Angriffslaune“, stellt Meyer fest. „Sollte sich allerdings der rückläufige Trend auch im ersten Quartal 2019 fortsetzen, sind die Unternehmen gut beraten, geeignete Maßnahmen einzuleiten, um sich bei den Themen Liquidität und Kostenstruktur auf einen Abschwung einzustellen.“