Bun­des­bank ver­öf­fent­licht quan­ti­ta­ti­ve Stu­die zum Basel III-Mo­ni­to­ring

Frankfurt/Main (4.10.18) – Die Ka­pi­tal­lü­cke deut­scher In­sti­tu­te zur Er­fül­lung der CRR/CRD IV-Re­ge­lun­gen, die bis zum Jahr 2024 voll­stän­dig ein­ge­führt wer­den, ist be­reits jetzt na­he­zu ge­schlos­sen. Dies ist das Er­geb­nis einer heute ver­öf­fent­lich­ten Stu­die der Deut­schen Bun­des­bank. Sie un­ter­sucht seit 2011 halb­jähr­lich, wie sich die Ei­gen­ka­pi­tal­re­for­men und die Li­qui­di­täts­stan­dards aus den Basel III-Re­form­pa­ke­ten auf deut­sche In­sti­tu­te aus­wir­ken. Hier­für stell­ten 41 In­sti­tu­te Daten zur Ver­fü­gung, davon sie­ben der Grup­pe 1, wel­che über eine Kern­ka­pi­tal­aus­stat­tung von min­des­tens 3 Mrd € ver­fü­gen und in­ter­na­tio­nal aktiv sind, sowie wei­te­re 34 In­sti­tu­te der Grup­pe 2. „Die Stu­die zeigt ein­drucks­voll, wie seit der ers­ten Er­he­bung zum Stich­tag 30. Juni 2011 die Ka­pi­tal­aus­stat­tung deut­scher In­sti­tu­te ge­stärkt wurde“, sagt Joa­chim Wu­er­me­ling, der für Ban­ken- und Fi­nanz­auf­sicht zu­stän­di­ge Vor­stand der Bun­des­bank. „Damit ist zehn Jahre nach Aus­bruch der glo­ba­len Fi­nanz­kri­se durch die Leh­man-Plei­te ein wich­ti­ger Schritt zur Stär­kung des Fi­nanz­sys­tems voll­zo­gen“, so Wu­er­me­ling wei­ter.

Die voll­stän­di­ge Ein­füh­rung der CRR/CRD IV im Jahr 2024 setzt das in­itia­le Basel III-Re­form­pa­ket aus dem Jahre 2010 in EU-Recht um. Das Re­form­pa­ket stellt vor allem hö­he­re An­for­de­run­gen an die Qua­li­tät und Quan­ti­tät der vor­zu­hal­ten­den Ei­gen­mit­tel, führt eine Ver­schul­dungs­quo­te ein und stellt neue An­for­de­run­gen an die Li­qui­di­täts­aus­stat­tung der In­sti­tu­te.

Über die voll­stän­di­ge Ein­füh­rung der CRR/CRD IV hin­aus be­rück­sich­tigt der Be­richt erst­mals auch die Aus­wir­kun­gen des fi­na­len Basel III-Re­form­pa­kets, wel­ches Ende 2017 be­schlos­sen wurde. Die­ses be­inhal­tet vor allem eine Über­ar­bei­tung der Er­mitt­lung der ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­va (RWA), in­klu­si­ve der Ein­füh­rung des so­ge­nann­ten Output Floor in Höhe von 72,5 %. „In den Ver­hand­lun­gen konn­ten viele wich­ti­ge deut­sche Po­si­tio­nen be­rück­sich­tigt wer­den“, sagt Wu­er­me­ling. So wurde er­reicht, dass die In­sti­tu­te wei­ter­hin für fast alle For­de­rungs­klas­sen in­ter­ne Mo­del­le (engl. „Internal Ratings Based Approach“, kurz IRBA) ver­wen­den dür­fen, d.h. für For­de­run­gen ge­gen­über Ban­ken und gro­ßen Un­ter­neh­men. Für Spe­zi­al­fi­nan­zie­run­gen ist wei­ter­hin der fort­ge­schrit­te­ne IRBA an­wend­bar und im für den deut­schen Ban­ken­markt wich­ti­gen Be­reich der Im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung blei­ben das Re­al­kre­dit­split­ting und der so­ge­nann­te Hard Test er­hal­ten. Neu ein­ge­führt wird der Output Floor, wel­cher die Ka­pi­ta­l­er­spar­nis aus in­ter­nen Mo­del­len mit dem Ziel be­grenzt, die un­er­wünsch­te RWA-Va­ria­bi­li­tät ein­zu­däm­men.

Die Ele­men­te des fi­na­len Basel III-Re­form­pa­kets sol­len bis zum Jahr 2022 voll­stän­dig in eu­ro­päi­sches bzw. na­tio­na­les Recht über­führt wer­den; der Output Floor wird dabei schritt­wei­se ein­ge­führt, be­gin­nend mit einem Fak­tor von 50 % im Jahr 2022 bis zur Ziel­grö­ße 72,5 % im Jahr 2027. „In­ter­na­tio­na­le Stan­dards zur Re­gu­lie­rung glo­bal agie­ren­der Ban­ken sind das Fun­da­ment eines ge­sun­den und wi­der­stands­fä­hi­gen glo­ba­len Fi­nanz­sys­tems. Die Bun­des­bank un­ter­stützt das auf in­ter­na­tio­na­ler Ebene ver­ab­schie­de­te Re­form­pa­ket und setzt sich ent­schie­den für eine voll­stän­di­ge Um­set­zung in EU-Recht ein“, so Wu­er­me­ling.

Die Stu­die der Bun­des­bank mit Daten zum 31. De­zem­ber 2017 zeigt nun, dass die Min­dest­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen für deut­sche In­sti­tu­te bei einer Vol­l­um­set­zung des Basel III-Re­form­pa­kets im Mit­tel um 23,7 % stei­gen, hier­von ent­fal­len 17,4 % auf den Output Floor. Zur Er­fül­lung der Min­dest­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen be­steht zum Zeit­punkt der Ein­füh­rung die­ser Re­ge­lun­gen im Jahr 2022 kein we­sent­li­cher zu­sätz­li­cher Ka­pi­tal­be­darf deut­scher In­sti­tu­te. Die­ser er­höht sich ent­lang der schritt­wei­sen Ein­füh­rung des Output Floor bis 2027 auf ins­ge­samt 12,2 Mrd €.

„In An­be­tracht des gro­ß­zü­gi­gen Zeit­rah­mens bis zur fi­na­len Um­set­zung der Basel III-Stan­dards im Jahre 2027 sehe ich deut­sche In­sti­tu­te so­li­de auf­ge­stellt, um die Her­aus­for­de­run­gen aus dem Basel III-Re­form­pa­ket zu meis­tern“, sagt Wu­er­me­ling und er­gänzt: „Bei der ers­ten Er­he­bung der Aus­wir­kun­gen des in­itia­len Basel III-Re­form­pa­kets zum Stich­tag 30. Juni 2011 ergab sich eine Ka­pi­tal­lü­cke von 88 Mrd €. Die In­sti­tu­te soll­ten den jetzt fest­ge­stell­ten Ka­pi­tal­be­darf von 12 Mrd € aus dem fi­na­len Re­form­pa­ket daher ein­fach de­cken kön­nen.“

Die eben­falls un­ter­such­ten An­for­de­run­gen an die Li­qui­di­täts­aus­stat­tung der In­sti­tu­te wer­den na­he­zu flä­chen­de­ckend er­füllt. Alle In­sti­tu­te wei­sen eine Liquidity Coverage Ratio (LCR) von über 100 % auf. Zur Er­fül­lung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) be­steht nur noch ein ge­rin­ger zu­sätz­li­cher Be­darf an sta­bi­ler Fi­nan­zie­rung.

Die halb­jähr­li­che Da­ten­ana­ly­se der Deut­schen Bun­des­bank fin­det im Rah­men des Basel III-Mo­ni­to­ring des Ba­se­ler Aus­schus­ses für Ban­ken­auf­sicht und der Eu­ro­päi­schen Ban­ken­auf­sichts­be­hör­de (EBA) seit 2011 statt. Beide In­sti­tu­tio­nen haben heute eben­falls ihre Be­rich­te zum Stich­tag 31. De­zem­ber 2017 ver­öf­fent­licht. An der eu­ro­päi­schen Er­he­bung be­tei­li­gen sich 144 In­sti­tu­te aus 18 EU-Mit­glieds­län­dern auf frei­wil­li­ger Basis.