Ernst & Young: Deutscher Neuwagenmarkt bricht im September ein – weiterer Rückgang erwartet

Stuttgart(2.10.18) -Peter Fuß, Partner bei EY: „Nach einem massiven Anstieg der Neuzulassungen im Vormonaten schlug das Pendel im September zurück. Wegen der Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP hatten einige Hersteller in erheblichem Umfang nicht-WLTP-zertifizierte Neuwagen in den Markt gedrückt – entweder indem sie die Fahrzeuge mit hohen Rabatten an die Kunden abgaben, oder indem sie die Neuwagen auf sich selbst zuließen. Diese auf den Höfen der Händler stehenden Eigenzulassungen kommen nun als junge Gebrauchte billig auf den Markt und drücken den Absatz von Neuwagen.“

 

Mit gut 200.000 neu zugelassenen Pkw war der vergangene Monat der schwächste September mindestens seit der Jahrtausendwende – Monatsdaten zu den Vorjahren liegen EY nicht vor. Belastend für den Neuwagenabsatz wirke sich derzeit auch das eingeschränkte Angebot aus, so Fuß: „Seit Anfang September dürfen nur noch WLTP zertifizierte Fahrzeuge neu zugelassen werden – allerdings sind noch nicht alle Modelle zertifiziert und damit nicht verfügbar. Entsprechend warten nun einige Kunden ab.“

 

Laut Fuß steht die Branche daher vor sehr schwierigen Monaten: „Die Hersteller müssen nun die Eigenzulassungen abverkaufen, und gleichzeitig stehen sie mittelfristig vor der Aufgabe, kaufwillige Neuwageninteressenten auf einen späteren Zeitpunkt zu vertrösten und ihnen den Autokauf trotz ungewohnt langer Lieferzeiten schmackhaft zu machen. Erst zum Ende des Jahres dürfte sich die Situation wieder normalisiert haben. Bis dahin ist mit einem weiteren starken Rückgang der Neuzulassungen zu rechnen – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit.“

 

Im vergangenen Monat sanken die Neuzulassungen auch außerhalb Deutschlands deutlich: in Frankreich um 13 Prozent, in Spanien um 17 Prozent, in Italien um 26 Prozent und in Österreich sogar um 42 Prozent.

 

Ob die von der Bundesregierung jetzt offenbar eingeforderten Umtauschprämien für ältere Diesel-Modelle einen kräftigen Schub bei den Neuzulassungen bringen werde, hänge von der konkreten Ausgestaltung ab, so Fuß: „Etwa 200.000 Diesel-Besitzer haben bereits die in der ersten Jahreshälfte ausgelobten Diesel-Umtauschprämien genutzt. Um jetzt erneut einen spürbaren Effekt für den Neuwagenmarkt zu erreichen, müssten die Angebote noch attraktiver als zu Jahresbeginn sein. Hier sind die Hersteller also aufgefordert, sehr gute Pakete zu schnüren.“ Fuß ist allerdings eher skeptisch, ob der Effekt wirklich deutlich spürbar sein wird: „Der Neuwagenmarkt war im bisherigen Jahresverlauf bereits geprägt von sehr hohen Rabatten und Umtauschprämien. Es gab viele vorgezogene Käufe, die nun fehlen. Und ein Neuwagenkauf bleibt – auch wenn ein hoher Rabatt gewährt wird – eine große Anschaffung. Fest steht allerdings: Die Rabattschlacht geht weiter – die Margen der Autohersteller geraten weiter unter Druck.“

 

Diesel-Marktanteil sinkt auf Rekordtief

Auch im September gingen die Neuzulassungen von Diesel-Pkw massiv zurück, der Diesel-Marktanteil sank erstmals seit dem Abwrackprämienjahr 2009 unter die 30-Prozent-Marke – damals hatte der Marktanteil in einigen Monaten diese Marke unterschritten. Die Zahl der verkauften Diesel-Neuwagen sank im September so stark wie noch nie: um 44 Prozent.

 

„Der Absatz von Diese-Modellen ist weiter massiv unter Druck“, beobachtet Fuß. „Die anhaltende öffentliche Diskussion über Diesel-Fahrverbote sowie über Nachrüstung, Umtausch oder Rückkauf älterer Diesel-Fahrzeuge ist sicher nicht hilfreich, um das Vertrauen in diese Antriebstechnologie wieder herzustellen. Neue Dieselmotoren der Euro 6d-Temp-Norm sind sauber, hoch effizient und ein wichtiger Pfeiler einer Strategie zur Senkung der CO2-Emissionen. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben die Hersteller ein großes Interesse daran, dass der Diesel nicht weiter an Boden verliert.“ Der anhaltende Abwärtstrend beim Dieselabsatz und die gleichzeitig zuletzt stark steigenden Absatzzahlen beim Benzinmotor führen dazu, dass hohe Strafzahlungen wegen der Nichteinhaltung von CO2-Grenzwerten immer wahrscheinlicher werden – im September stiegen die durchschnittlichen Emissionen der Neuwagenflotte um 3,6 Prozent und damit so stark wie seit Jahren nicht.

Wachstum bei Elektrofahrzeugen lässt nach
Die Neuzulassungen von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen stiegen im bisherigen Jahresverlauf in Deutschland um 62 Prozent, im September hingegen nur noch um 14 Prozent. Dabei lag das Wachstum im September bei Hybrid-Fahrzeugen mit 16 Prozent höher als bei Elektrofahrzeugen, die nur um 5 Prozent zulegten. Im bisherigen Jahresverlauf hat sich damit das Wachstum gerade beim Absatz von Elektroautos spürbar abgeschwächt: Im ersten Halbjahr wuchsen die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland noch um 71 Prozent, im dritten Quartal hingegen nur noch um 25 Prozent, im September sogar nur um 5 Prozent.

Der Marktanteil von Elektrofahrzeugen lag im September mit 1,2 Prozent leicht über dem Niveau der Vormonate, während Hybrid-Modelle immerhin auf einen Anteil von 5,0 Prozent kamen. „Die Autokonzerne versprechen sich von Elektroautos ein starkes Absatzwachstum – derzeit spielen sie aber auf dem Neuwagenmarkt fast keine Rolle“, beobachtet Fuß. „Die Gründe sind vielfältig: Zum einen ist die Modellauswahl sehr überschaubar, und die Bestelldauern sind teilweise lang. Obendrein schrecken die hohen Preise ab. Vor allem aber sind die Reichweiten im Alltag immer noch zu gering – ein Nachteil, der sich durch eine nach wie vor unzureichenden Ladeinfrastruktur weiter verschärft.“ Trotz der aktuell schwachen Absatzentwicklung von Elektroautos rechnet Fuß mittelfristig mit deutlich steigenden Wachstumsraten: „Es kommen jetzt sehr attraktive Modelle gerade auch von den deutschen Herstellern auf den Markt, die gute Chancen haben, zukünftig zumindest im Premiumsegment ansehnliche Marktanteile einzufahren. Und auch bei der Ladeinfrastruktur geht es langsam voran, so dass wir in den kommenden zwei bis drei Jahren einen deutlichen Schub beim Absatz von Elektroautos sehen werden.“

VDIK: Pkw-Markt September erwartungsgemäß

deutlich rückläufig

Bad Homburg (2.10.18) – Mit 200.134 Neuzulassungen bleibt das Ergebnis im September 30,5 Prozent unter dem Vorjahresmonat. In den ersten drei Quartalen des Jahres wurden in Deutschland 2,67 Millionen Pkw neu zugelassen, das entspricht einem Zuwachs von 2,4 Prozent.

Die VDIK-Mitgliedsunternehmen weisen mit 23 Prozent einen geringeren Rückgang als der Gesamtmarkt auf und erzielen im September mit einem Plus von 4 Prozentpunkten einen Marktanteil von 42,5 Prozent.

Auch der Privatmarkt verzeichnet im September mit rund 67.800 Neuzulassungen ein Minus von 34 Prozent, bleibt allerdings mit über 984.000 Neuzulassungen in den ersten neun Monaten mit 7 Prozent Wachstum noch deutlich über dem Vorjahreszeitraum.

Die Neuzulassungen von Diesel-Pkw liegen mit minus 58.500 Zulassungen 44 Prozent sehr stark unter dem September des Vorjahres. Auch in der kumulierten Betrachtung über neun Monate sind die Dieselneuzulassungen rückläufig; 855.000 Zulassungen entsprechen gegenüber den drei Quartalen des Vorjahres einem Rückgang von 19 Prozent. Der Anteil der Diesel-Pkw am Gesamtmarkt liegt jetzt bei 32 Prozent.

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel: „Das schwache Ergebnis im September war aufgrund des „WLTP-Effektes“ aus vorgezogenen Zulassungen und noch eingeschränkter Verfügbarkeit von WLTP-geprüften Fahrzeugen zu erwarten. Wir gehen davon aus, dass sich die Situation nun allmählich wieder normalisiert und wir am Jahresende mit einem Plus abschließen“.