Ethenea: America first! Warum der US-amerikanische Konjunkturzyklus dynamischer ist als der europäische

Munsbach/Luxemburg (13.9.18) – „Die Unterschiede im Konjunkturzyklus zwischen Europa und den Vereinigten Staaten treten klar zutage“, sagt Yves Longchamp, Chef-Volkswirt bei Ethenea. „Historisch gesehen sind ebenfalls deutliche Zinsunterschiede zwischen Bundesanleihen und US-Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg erkennbar.“ Die Diskrepanz ist dem Experten zufolge auch auf den Aktienmärkten erkennbar, so habe etwa der S&P 500 ein neues Allzeithoch erreicht, während sich der Euro Stoxx immer noch ungefähr zehn Prozent unter seinem Höchststand befinde.

Diese Divergenz lasse sich auch an den wirtschaftlichen Daten ablesen: „Natürlich beobachten wir in Europa und auch in den USA eher eine Wachstumsverlangsamung beziehungsweise -müdigkeit“, erklärt Longchamp. „Trotzdem erleben wir in den USA immer noch einen dynamischen Zyklus. Die dortige Kerninflation ist höher als in Europa und die Zentralbanken haben unterschiedlich reagiert.“ Die Fed habe die Zinsen erhöht und werde sie dieses Jahr nochmals erhöhen, während sie ihre Bilanzsumme reduziere. Bei der EZB hingegen sei nicht viel passiert: Sie habe jüngst entschieden, ihre Bilanzsumme zu verringern. Die Frage, wann die erste Zinserhöhung kommt, sei aber noch nicht gestellt worden.

Halbzeitwahlen könnten große Auswirkungen auf US-Dollar haben

„Wir rechnen damit, dass diese Divergenz anhält, solange der Dollar nicht zu stark aufwertet. In diesem Zusammenhang gehen wir davon aus, dass in US-Dollar denominierte Investitionen attraktiv sind.“ Essentiell ist dabei die Politik von Präsident Donald Trump. So könnten die Anfang November stattfindenden Halbzeitwahlen in den Vereinigten Staaten große Auswirkungen auf den US-Dollar haben.

„Unser Szenario ist grundsätzlich weiterhin positiv“, betont Longchamp. „Trotzdem gibt es zahlreiche Risiken, wie zum Beispiel die Krise in der Türkei. Dieses Beispiel verdeutlicht, was einem schwachen Schwellenland widerfahren kann.“ Außerdem sei der Handelskrieg zwischen den USA und China bisher noch nicht gelöst. Demnächst zu veröffentlichende Zahlen könnten ein genaueres Bild dazu geben, was in den ersten Monaten des Handelskriegs tatsächlich passiert sei, womit sich der Effekt auf das globale Wachstum besser messen lasse. Für Europa stelle Italien nach wie vor ein Risiko dar. „Vor diesem Hintergrund empfehlen wir eine gezielte Aktienquote, eine leicht positive Duration und eine sorgfältige Überwachung des Kreditrisikos“, schließt der Experte.