Kaum Ansteckungsrisiken durch Situation der Türkei – Damien Buchet, Head of Total Return Strategy bei Finisterre Capital, kommentiert

Frankfurt/Main (15.8.18) – „In den letzten Tagen hat sich der Druck, der auf der Türkei lastet, auch auf die Währungs- und Kreditmärkte anderer Schwellenländern ausgeweitet. Schon seit einiger Zeit haben ausländische Investoren ihr Engagement in der Türkei zurückgefahren und das Land untergewichtet, weshalb wir sowohl auf technischer als auch auf fundamentaler Ebene kaum Ansteckungsrisiken sehen – höchstens durch kurzfristige negative Stimmungen. Zurzeit werden EU-Banken in diesem Zusammenhang intensiver beobachtet, aber ihr Engagement in der Türkei ist überschaubar.

Die wirtschaftlichen Probleme der Türkei ergeben sich aus mehreren Faktoren: Den bilateralen Spannungen mit den USA und der von Präsident Erdogan erneut bekräftigten Ablehnung von Zinserhöhungen, der diese nicht dazu einsetzen will, Inflation und Währung zu stabilisieren. Hinzu kommt, dass bisher keine nennenswerten haushaltspolitischen Maßnahmen ergriffen wurden. Zwar erschien die Auslandsverschuldung anfangs noch handhabbar, jedoch haben die Beschleunigung der Währungsschwäche und die der dortigen Zinssätze Sorgen über die Nachhaltigkeit der Schuldendynamik ausgelöst. Dies spiegelt sich in der Umkehrung sowohl der ausländischen als auch der inländischen Schuldenkurven wider.

Die politischen Maßnahmen der letzten drei Monate – namentlich die Liquiditätsverknappung und Zinserhöhungen – waren in erster Linie währungspolitischer Natur. Sie erfolgten häufig später und in geringerem Ausmaß als erwartet. Um die negativen Währungs- und Inflationserwartungen von inländischen Sparern und ausländischen Investoren zu entkräften, wären wahrscheinlich strengere währungs- und finanzpolitische Anpassungen vonnöten. Dafür gibt es bisher jedoch kaum Anzeichen. Deshalb sind wir trotz der derzeit hohen Renditen und niedrigen Bewertungen der türkischen Assets zurückhaltend.

In vielerlei Hinsicht hält die Türkei zurzeit noch selbst das Steuer in der Hand. Eine glaubwürdige politische Wende würde den negativen Entwicklungen höchstwahrscheinlich ein Ende setzen. Das Timing ist jedoch entscheidend. Eine Fortsetzung der bisherigen Politik wird den Banken- und Unternehmenssektor aufgrund von Währungsabwertungen und der Notwendigkeit der Refinanzierung externer Kreditlinien zunehmend belasten.“