Creditreform: Zahlungsindikator Deutschland – Sommer 2018 –

Lieferanten kürzen Zahlungsziele

Neuss (6.8.18) – Lieferanten und Kreditgeber gewähren ihren Kunden nicht mehr so lange Zahlungsziele wie noch vor einem Jahr. Im 1. Halbjahr 2018 betrug das durchschnittliche Zahlungsziel im deutschen B2B-Geschäft 31,70 Tage. Im  1. Halbjahr 2017 waren es noch 32,51 Tage – also 0,81 Tage mehr. Das zeigt eine Analyse auf Basis des Creditreform Debitorenregisters Deutschland (DRD), für die 3,3 Mio. Rechnungsbelege ausgewertet wurden.

Je nach Branche des Geschäftspartners zeigen sich unterschiedliche

Entwicklungen. Deutlich gekürzt wurden

die Zahlungsziele den Unternehmen aus dem Einzelhandel

(- 4,28 Tage), der unternehmensnahen Dienstleistungsbranche

(- 3,53 Tage) und dem Verkehrs- und Logistiksektor

(- 2,73 Tage). Auch das Baugewerbe erhielt

nicht mehr so lange Zahlungsziele wie noch im Vorjahreszeitraum

(- 1,54 Tage). Metall- und Elektrounternehmen

wurden von ihren Lieferanten im 1. Halbjahr 2018

hingegen längere Zahlungsziele eingeräumt (+ 1,16 Tage).

Zahlungsverzug steigt um einen halben Tag

Die durchschnittliche Verzugsdauer von Rechnungen im

B2B-Geschäft betrug im 1. Halbjahr 2018 in Deutschland

10,59 Tage. Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2017 zeigt sich

ein ansteigender Trend. Der Zahlungsverzug hatte damals

10,11 Tage betragen – also etwa einen halben Tag

weniger. Länger als im Vorjahr mussten sich vor allem

die Kreditgeber von unternehmensnahen Dienstleistern

(+ 2,51 Tage) und Einzelhandelsunternehmen (+ 1,23

Tage) gedulden. Bei Geschäften mit dem Großhandel ist

die Verzugsdauer am geringsten (8,44 Tage), im Baugewerbe

am längsten (16,40 Tage).

Bezogen auf die Rechtsformen zeigen sich zunehmende

Zahlungsverzögerungen bei Debitoren der Rechtsform

UG haftungsbeschränkt (+ 1,24 Tage), gefolgt von den

Freien Berufen (+ 0,93 Tage) und der GmbH & Co. KG (+

0,92 Tage). Unternehmen, die als UG firmieren, zahlten

ihre Rechnungen mit einer Verspätung von durchschnittlich

19,04 Tagen. Die Verzögerungen sind damit fast

doppelt so hoch wie im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Deutlich kürzer ist der Zahlungsverzug bei Transaktionen

mit Unternehmen der Rechtsformen KG (7,31

Tage) und AG (8,54 Tage)

Großkunden zahlen später

Größere Unternehmen (> 250 Arbeitnehmer) zeigten im

1. Halbjahr 2018 spürbare Verschlechterungen in ihrem

Zahlungsverhalten. Der durchschnittliche Zahlungsverzug

stieg im Vergleich zum Vorjahr von 8,89 auf 10,08 Tage.

Kleinere Unternehmen (bis 50 Arbeitnehmer) wiesen

aber erneut die höchste Überfälligkeit auf; 13,57 Tage

waren es im Durchschnitt (1. Halbjahr 2017: 13,20 Tage).

Mit einer vergleichsweise langen Forderungslaufzeit ist

bei Geschäften mit Großunternehmen zu rechnen. Im

Durchschnitt vergingen 43,56 Tage, bis die Forderungen

realisiert werden konnten (1. Halbjahr 2017: 44,05 Tage).

Dabei wurden Großunternehmen weiterhin großzügige

Zahlungsfristen eingeräumt. Zuletzt wurden diese aber

um 1,68 Tage auf 33,48 Tage gekürzt. Zum Vergleich:

Kleinen Unternehmen wurden im Durchschnitt 28,45 Tage

Zahlungsziel gewährt.

Rechtsform AG verursacht mehr Außenstände

Der durchschnittliche Rechnungsbetrag im B2B-Geschäft

in Deutschland belief sich im 1. Halbjahr 2018 auf 2.020

Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1. Halbjahr

2017: 1.897 Euro) nahm dieser im Zeichen guter Konjunktur

um 123 Euro zu.

13,1 Prozent der gesamten offenen Forderungen in

Deutschland wurden von Unternehmen der Rechtsform

AG verursacht (1. Halbjahr 2017: 11,4 Prozent). Verantwortlich

für diese Entwicklung ist vor allem ein höherer

durchschnittlicher Rechnungswert bei Geschäften mit

einer AG (3.176 Euro; + 424 Euro gegenüber dem 1.

Halbjahr 2017). Aufgrund ihrer hohen Wirtschaftsaktivität

verursachen AGs vergleichsweise hohe Außenstände bei

ihren Gläubigern. Insgesamt waren AG-Firmen aber nur

für knapp ein Prozent aller offenen Rechnungen im deutschen

B2B-Geschäft verantwortlich. Den größten Anteil

am ausstehenden Forderungsvolumen hatte im 1. Halbjahr

2018 erneut die GmbH (57,4 Prozent), gefolgt von

der GmbH & Co. KG mit 18,9 Prozent. Der Anteil der

GmbH ist zuletzt aber leicht gesunken.

Datenbasis Creditreform Zahlungsindikator Deutschland:

• Zu rund 970.000 Unternehmen liegen Zahlungsinformationen

im Debitorenregister Deutschland

(DRD) vor.

• Es werden 42 Mio. Belege mit einem Volumen von

ca. 63 Mrd. Euro zu 1.161 Branchen analysiert.

• Monatlich fließen bis zu 8 Mio. neue Zahlungsinformationen

in den DRD-Pool ein.