Euro-Wegweiser: Für eine Weltwährung kann der Euro nur eine extrem kurze Geschichte vorweisen. Ihm wird aber eine große Zukunft vorhergesagt. Warten wir es ab. Europa hängt dran. Sein deutsches historisches Fundament hat bis zu 1000-jährige Wurzeln. – Und jetzt sollen über diesen Amboss auch noch die Etats der EU-Staaten geschmiedet werden. Einer zahle des Nachbarn Schulden. Das kann zum Untergang der EU führen. In seinem Buch „10 Jahre Euro. Wie er wurde, was er ist“ beschäftigt sich Christoph Wehnelt mit der Vergangenheit, aber immer mit Blick auf die Zukunft und warnt. – 21. Teil

 

Zeremonie zur Einweihung des Euro- päischen Systems der Zentralbanken

 Frankfurt, 30. Juni 1998 Rede von Jacques Santer, Präsident der Europäischen Kommission

 „Es ist der Beweis zu erbringen, dass eine föderal ausge- richtete europäische Zentralbank bestehen kann, auch wenn es keine wirklich föderale europäische Regierung gibt.“

Mr. President of the European Council, the Prime Minis- ter of the United Kingdom, Mr. Blair

Herr Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Kohl

Mr. President of the European Parliament, Mr. Gil Robles

Herr Bundeskanzler der Bundesrepublik Österreich, ab Morgen Präsident des Europäischen Rates, Dr. Klima

Exzellenzen

Herr Ministerpräsident des Landes Hessen, Dr. Eichel

Frau Oberbügermeisterin der Stadt Frankfurt, Frau Roth

Liebe Freunde,

es ist mir eine große Freude, heute gemeinsam mit Ihnen die Einweihung des Europäischen Systems der Zentralbank feiern zu dürfen.

Und wir haben wirklich Grund zum Feiern, denn der Euro bildet fraglos den Höhepunkt des europäischen Aufbauwerks, so wie wir es uns seit Beginn des Binnenmarktprogrammes vorgestellt haben.

Allein die Tatsache, dass das Europäische System der Zentralbanken – um den durch den Maastrichter Vertrag eingeführten Namen aufzugreifen – nunmehr existiert, ist faszinierend: Denken wir doch nur an den Weg, den wir zurückgelegt haben, seit 1964 der Ausschuss der Zentral- bankpräsidenten eingerichtet wurde!

Lassen Sie mich hier die beachtliche Arbeit herausstellen, die Herr Lamfalussy und Herr Duisenberg seit 1994 geleis- tet haben. Ihnen und insbesondere der Tätigkeit des Eu- ropäischen Währungsinstituts ist es zu verdanken, dass wir den Erfolg, den wir heute feiern, in so kurzer Zeit erreicht haben. Anerkennung gebührt aber auch den nationalen Zentralbanken, die in allen Phasen dieses gemeinsamen Pro- jektes aktiv mitgewirkt haben:

  • Durch ihre Mitarbeit im Delors-Ausschuss,
  • durch ihre Beiträge zur Vorbereitung des Vertrages von Maastricht,
  • und, insbesondere in den letzten Jahren, durch eine enge Zusammenarbeit mit der Kommission bei der Vorberei- tung der Rechtsinstrumente und der gegenseitigen Abstim- mung der

All diese Fortschritte waren nur möglich, weil wir unser Wissen gebündelt und im Laufe der Arbeiten immer weiter vertieft haben.

Alle Elemente eines soliden Fundaments für einen starken und stabilen Euro sind gegeben, und wir können – so meine ich – der Zukunft gelassen entgegensehen.

Allerdings stehen wir dann gleich vor der nächsten He- rausforderung, der wir uns bereits heute stellen müssen: Wie schaffen wir es, dass der Euro auch wirklich ein Erfolg wird?

  1. Zunächst gilt es, den Euro konkret einzuführen.

Die wichtigsten Voraussetzungen sind bereits erfüllt, und zwar

  • der Rechtsrahmen,
  • der Stabilitäts- und Wachstumspakt,
  • die bilateralen Umrechnungskurse,
    • und schließlich das EWS-II.
  • Weitere Arbeiten sind bereits gut fortgeschritten:

    • die Wahl der währungspolitischen Instrumente,
    • die Herstellung von Euro-Banknoten und -Münzen,
    • die Umstellung der öffentlichen Verwaltungen auf den Euro
    • und nicht zuletzt die Vorbereitung der Privatwirtschaft und der Bürger. Sie ist von allergrößter Wichtigkeit. Wir brauchen daher insbesondere auch eine gut durchdachte Öffentlichkeitsarbeit.
    1. Sodann muss sich die Europäische Zentralbank die not- wendige Autorität

    Sowohl die Kommission als auch die Europäische Zentral- bank wurden durch die Verträge eingerichtet. Während die Kommission als Organ der Gemeinschaft dafür zu sorgen hat, dass alle der Gemeinschaft zugewiesenen Aufgaben erfüllt werden, kommt der EZB eine ganz spezifische Rolle zu: Sie soll die Geldpolitik unter Gewährleistung der Preis- stabilität steuern.

    Dafür wird sie viel Fingerspitzengefühl aufbringen müs- sen, denn es wird nicht einfach sein, in unserer von großen Unterschieden geprägten Union eine Stabilitätskultur zu ent- wickeln. Doch nur auf diesem Weg werden wir unsere Wachstums- und Beschäftigungsziele nachhaltig verwirkli- chen können.

    Zwei Überzeugungen sollten unser Handeln leiten:

    • Erstens: die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Konver- genz nachweislich positiv auf unsere Volkswirtschaften ausgewirkt hat;
    • Zweitens: Es muss aufgeklärt und überzeugt werden. Dadurch werden Sie sich Legitimität erwerben. Das wird zwar viel Mühe kosten, doch die Erfahrungen der Zen- tralbanken der Teilnehmerstaaten – und darüber hinaus – werden Ihnen dabei zugute
    1. Schließlich ist der Beweis zu erbringen, dass eine föderal ausgerichtete europäische Zentralbank bestehen kann, auch wenn es keine wirklich föderale Regierung gibt. Ich bin davon überzeugt, vorausgesetzt drei Voraussetzungen sind erfüllt:
    • Es muss gelingen, den europäischen Bürger davon zu über- zeugen, dass es sich bei der einheitlichen Währung um ein gemeinsames Gut handelt, das gemeinsam zu verwalten In diesem Sinne bilden das Europa der Euro und das Europa der Völker keinen Widerspruch. Vielmehr stärken sie einan- der. Entscheidend wird in diesem Zusammenhang auch das Gelingen der Integration im finanziellen Bereich sein. Die Kommission wird dieses Ziel noch vor Jahresende in einer Mitteilung umfassend behandeln. Wie Sie wissen, hat die Kommission bereits entsprechende Initiativen im Hinblick auf einen Aktionsplan für die Schaffung einer europäischen Marktes für Risikokapital ergriffen.
    • Zudem wird es erforderlich sein, die wirtschaftspoliti- schen Koordinierungsinstrumente, die uns mit den Grundzügen der Wirtschaftspolitik, der Euro-11-Gruppe und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt an die Hand


    gegeben sind, besser zu nutzen. Wie in jeder guten Ehe müssen auch unsere Staaten lernen, einander die Wahrheit zu sagen, selbst wenn das bisweilen schwerfällt. Ich begrüße in diesem Zusammenhang, dass der Europäische Rat in Cardiff diese Einschätzung unterstützt hat.

    • Schließlich müssen die mikroökonomischen Reformen der Arbeits-, Güter- und Kapitalmärkte erfolgreich durchge- führt

    Das meine Damen und Herren, sind die Perspektiven der Union im Sommer des Jahres 1998, sechs Monate vor dem

    1. Januar 1999.

    Unser Vorhaben ist von historischer Bedeutung. Dies gilt für die 11 Teilnehmerstaaten, aber auch für die übrigen Mit- gliedsstaaten, die sich wie ich glaube, dem Vorhaben nicht länger verschließen werden, sobald sie sich von seiner erfolg- reichen Durchführung überzeugt haben. Dies gilt aber auch für die übrige Welt. Der Euro wird sich international durch- setzen. Es wird an uns sein, die Instrumente dafür zu ent- wickeln, dass der Euro seiner internationalen Aufgabe gerecht werden kann. Die Krise in Asien hat gezeigt, dass selbst Ent- wicklungen, die sich in großer räumlicher Entfernung vollzie- hen, unmittelbar finanzielle Konsequenzen für Europa mit sich bringen können. Sie hat zudem deutlich werden lassen, dass wir uns der neuen Verantwortung für das internationale Wirtschaftsgeschehen, die wir mit dem Euro bewusst einge- gangen sind, vorbehaltlos stellen müssen.

    Meine Damen und Herren,

    bevor ich schließe, gestatten Sie mir noch ein Wort an Wim Duisenberg, den ich seit Langem kenne. Wim hat eine bedeutende und ehrenvolle Aufgabe übernommen. Er besitzt die erforderliche Erfahrung, die notwendige Kompe- tenz und die gebotene Entschlossenheit, um diese Aufgabe gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Direktoriums und den Zentralbanken erfolgreich zu meistern. Europa wird aus diesem Vorhaben als großer Gewinner hervorge- hen. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

    Grußwort des Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl

    „Der Euro wird zu einer ähnlichen Erfolgsgeschichte wie die D-Mark.“

     

    Meine Damen und Herren,

    liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank.

    Als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland heiße ich Sie hier in Frankfurt herzlich willkommen.

    Dies ist ein großer Tag für Europa, für Deutschland und für die Stadt Frankfurt am Main. Die Errichtung der Europäischen Zentralbank ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der europäischen Einigung. Am 1. Juni wurde EZB offiziell gegründet. Ich bin sicher, dass es Ihnen allen gelingen wird, die neue europäische Währung, den Euro, durch Ihre Arbeit zu einer starken, stabilen und siche- ren Währung zu machen.

    Meine Damen und Herren, die europäische Einigung ist ein Glücksfall der Geschichte unseres Kontinents. Dies gilt vor allem für unser Land, für Deutschland, als Land in der Mitte Europas mit den längsten Grenzen und den meisten Nachbarn. Ohne die Einigung Europas wäre die Deutsche Einheit nicht möglich gewesen. Dafür sind wir dankbar. Die europäische Einigung ist für uns Deutsche bleibende Ver- pflichtung.

    Zugleich ist der Bau des Hauses Europa die beste Garan- tie für Frieden und Freiheit im 21. Jahrhundert. Die Ein- führung des Euro ist ein säkulares Ereignis, das das Gesicht unseres Kontinents im nächsten Jahrhundert entscheidend prägen wird.

    Heute wachsen Kinder im Bewusstsein auf,

    • dass sie nach menschlichem Ermessen ihr ganzes Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand verbringen können,
    • dass die Grenzen in Europa ihren Charakter als trennende Grenzen verloren haben und sie überall in Europa Freunde finden können,
    • dass sie künftig von Helsinki bis Madrid mit einer Wäh- rung bezahlen

    Mit dem Euro wird sich ein ganz neues Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickeln. Europa wird so für die Menschen ganz konkret erfahrbar. Währungen waren schon immer mehr als bloßes Geld oder nur ein Zahlungsmittel. Sie waren und sind immer auch ein Stück kultureller Iden- tität und ein Gradmesser politischer Stabilität.

    Die Einführung des Euro wird auch der Fortentwicklung der Politischen Union neuen Auftrieb geben. Ich bin mirt sicher, dass die morgen beginnende österreichische Ratsprä- sidentschaft hierzu weitere Impulse geben wird.

    Für die deutsche Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 1999 steht eine Vielzahl entscheidender Weichenstellungen an. Wir haben uns vorgenommen, Europa in dieser Zeit – gemeinsam mit unseren europäischen Partnern – ein gutes Stück voranzubringen. Dies gilt insbesondere für die dann anstehenden Entscheidungen zur Agenda 2000.

    Wir müssen uns ebenfalls unter deutschen Vorsitz – anknüpfend an die Debatte beim Europäischen Rat in Car- diff – intensiv der Frage der künftigen Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses widmen. Wir werden die vor allem auch mit Blick auf die konsequente Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips und die notwendigen institutio- nellen Reformen tun. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Erweiterung der EU nach Osten und Süd- osten ein wichtiges Thema.

    Meine Damen und Herren, die gemeinsame europäische Währung ist von grundlegender wirtschaftlicher Bedeutung für Europa. Zwischen den teilnehmenden Währungen beste- hen künftig keine Wechselkursschwankungen mehr. Dies erhöht die Planungssicherheit für Investitionen. Der Handel wird zunehmen. Dies kommt der Wirtschaftsentwicklung in unseren Ländern zugute.


    Unbestritten ist, dass der Euro kein Patentrezept ist, mit dem die Arbeitsmarkt-Probleme in vielen Ländern Europas quasi über Nacht gelöst werden können. Hierzu bedarf es – nicht zuletzt auch bei uns in Deutschland – noch größerer Flexibilität am Arbeitsmarkt und weiterer struktureller Reformen und Veränderungen. Wenn jeder von uns seine nationalen Hausaufgaben macht, eröffnet der Euro die große Chance für neue wirtschaftliche Dynamik, für dauer- haftes Wachstum und zukunftssichere Arbeitsplätze im 21. Jahrhundert.

    Mit der Euro-Zone entsteht ein einheitlicher Markt mit gemeinsamer Währung für zunächst 300 Millionen Men- schen und einem Anteil von rund 20 Prozent am Weltein- kommen – dies ist vergleichbar mit dem Anteil der USA. Ich gehe davon aus, dass die Euro-Zone in den kommenden Jahren durch den Beitritt weiterer Länder noch wichtiger wird.

    Der Euro ist eine der wichtigen Antworten Europas auf die Globalisierung, den immer schärferen weltweiten Standortwettbewerb zwischen Staaten und Regionen. Ein stabiler Euro hat gute Chancen, eine ernstzunehmende Alternative zum US-Dollar als Weltwährung zu werden. Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten in Asien erken- nen viele Investoren aus aller Welt die Vorzüge Europas und legen ihr Geld trotz niedriger Zinsen im „sicheren Hafen“ des Euro-Raumes an. Die internationale Finanz- welt hat großes Vertrauen in die gemeinsame europäische Währung – und das schon ein halbes Jahr vor ihrer Ein- führung.

    Das Vertrauen in die Stabilität des Euro ist vollauf gerechtfertigt! Wir haben die Einführung des Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren sorgfältig vorbereitet. Wir haben wichtige Voraussetzungen dafür getroffen, dass der Euro eine dauerhaft stabile Währung wird:

    • Bei der Auswahl der Teilnehmerstaaten Anfang Mai haben wir strikt auf die vertragsgemäße Einhaltung der Konver- genzkriterien
    • Damit die Haushaltsdisziplin auch nach Beginn der Währungsunion gewährleistet ist, haben wir zusätzlich den Stabilitäts- und Wachstumspakt
    • Die Europäische Zentralbank, deren Gründung wir heute feiern, ist nach bewährtem Vorbild unabhängig und zu- allererst der Sicherung der Geldwertstabilität In Europa hat sich zudem bereits in den letzten Jahren eine beispiellose Stabilitätskultur entwickelt, die noch vor zehn

    Jahren niemand für möglich gehalten hätte.

    Ich bin sicher, dass der Euro zu einer ähnlichen Erfolgsge- schichte wird wie die D-Mark, deren Einführung vor fünfzig Jahren wir Deutsche uns vor wenigen Tagen erinnert haben. Gerade für Deutschland als Exportnation liegt die Einführung der gemeinsamen Währung im ureigenen Interesse.

    Meine Damen und Herren, als Hüterin der Stabilität der neuen Währung kommt der EZB in Frankfurt am Main eine große Verantwortung zu. Ich bin überzeugt, dass sie ihre Aufgabe hervorragend meistern wird. Ich bin froh, dass im ersten Direktorium der Europäischen Zentralbank hervor- ragende Persönlichkeiten sind. Dies ist die beste Garantie für einen stabilen und sicheren Euro. – Für die vor Ihnen liegen- den wichtigen Aufgaben wünsche ich Ihnen allen viel Erfolg!

    SPEECH BY THE PRIME MINISTER TONY BLAIR AT THE INAUGURATION OF

    THE EUROPEAN CENTRAL BANK, FRANKFURT

     „The City of London is already at the vanguard of the financial services sector within Europe in welcoming the Euro.“

    Ladies and gentlemen,

    Today, the key decisions on the foundation of the single currency are taken and behind us, and the European Central Bank officially takes over the reins of responsibility from the European Monetary Institute. It does so against a backgro- und of financial market confidence in a smooth Euro launch in January.

    The launch of the single currency – on time – is a testa- ment to the ability of Europe’s leaders to work together, even when decision-making has proved difficult.

    There are bound to be difficult moments in the future too. But I have no doubt that same ability to work together will be there when needed.

    Our work to establish the Euro as a strong currency embodies a new consensus in Europa about how our econo- mies can be managed successfully: that you can’t take short cuts to lower unemployment by taking risks with higher inflation; that sound public finance is a pre-condition of macro economic stability and that macro economic stability is itself a pre-condition of sustainable investment and gro- wth. In or out of EMU, these are the policies that Europe’s Governments must pursue.

    I also have no doubt that the ECB’s monetary policy will be as credible as the quality of its leadership suggests.

    There is an excellent team at the top. Wim Duisenberg has outstanding experience as a central banker. And the other members of the Executive bring a wealth of expertise. Moreover the Bank’s leadership is clearly established for the next 12 years.

    You start with several advantages. I pay tribute to the EMI’s preparatory work and to Alex Lamfalussy, its first head – and also the staff of all 15 Central Banks who actively participated in the vital work or preparation.

    You start at a time when, despite problems elsewhere, there has been a healthy upturn in the economic prospects für Europe, with renewed growth and conficence visible in many countries.

    But the ECB’s most prized possession is the principle of independence, guaranteed by the ECB statute. The primary objective of price stability is laid down in the Maastricht Treaty.


    I support this wholeheartedly. One of the new British Government’s firste decisions was theat teh Bank of England would become independet.

    For Britain of course this change of policy came very late in the day. We suffered from decades of boom and bust partly because too many past economic decisions were taken on the basis of short-term expediency, not a long-term commitment to stability and low inflation.

    The independence of the ECB is therefore of fundamental importance. It was to protect that principle that the negotia- tions were so protracted in May in Brussels. The principle must not bei tampered with if the Bank’s credibility ist not to be fritteres away.

    But alongside its independence, the ECB must also build a reputation for dialogue and trust. Dialogue with all the key actors in Europe’s economy. A regular line of accountability to the European Parliament, as laid down in the Treaty. Transparency in explaining its actions to the public. All these are essentials für the ECB to establish is legitimacy as well as its indepencence.

    Above all we need to build an effective relationship bet- ween the ECB and Europe’s Finance Ministers. In the suc- cessful running of any economy monetary und fiscal policy must bei properly complementary. Rigorous implementa- tion of the pact for Stability and Growth is vital.

    Most important of all, Europe’s governments must also pursue the structural reforms necessary to improve the func- tioning of product, labour and capital markets. Reform is essential if the single currency is to be the success we all want and need. With exchange rates locked together forever, we need more market flexibiliy, not less. The single currency will embrace a population larger than the US, but we do not have labours molility of the American kind. Nor can or should we rely an fiscal transfers between regions. That is why the successful completion of EMU will depend on effec- tive adjustment mechanisms in individual countries.

    For EMU will bring in its wake changes of a fundamental nature. Prive differentials will bei more transparent. Exchange rate uncertainty will no longer be a barrier to trans-national investment. The impact of these changes on the behaviour of consumer, producers, employers and employees will be huge.

    In my view, Europe will face a simple choice. Do we attempt to hold back change, resist necessary structural eco- nomic reform and blame the ECB if we get bad economic news? Or do we accept that the ECB must act independently to secure price stability, while we ourselves work with the grain of economic change and make the most of the oppor- tunities the single currency offers? For me there is only one choice we can make, however uncomfortable is may on occasion be, if we are to see the full potential benefits of EMU for growth and jobs in Euope – that is to accept price stability and build economic change on its sure foundation. I was greatly encouraged by the consensus and this at the Cardiff European Summit. We agreed real commitments at national and EU level. To develop the broad economic gui- delines. To give real impetus to employment action plans. To modernise the single market. And to promote entrepre- neurship and the growth of small firms through better access to venture capital and a more favourable regulatory environment. It represented a new emerging consensus in Europe about a reformed European social model.

    All this amounts to a tremendous challenge für govern- ments and bankers alike. But it is one Iam confident can and will be met.

    I speak of course as Prime Minister of a country that will not be part of the single currency’s first wave for the reasons we have given, namely that there is not, at present, sustain- able economic convergence between our economy and those elsewhere in Europe. But our position remains as it was clearly set out by Gordon Brown last October: „we believe that, in principle, British membership of a successful single currency would be beneficial to Britain and Europ; the key factor is whether the economic benefits of joining for busin- ess and industry are clear and unambiguous. If they are, there is noch constitutional bar to British membership of EMU.“

    We wish the single currency well and will work to make is succed and we will take our decision on the basis of the national economic interest. And we will putt that decision to the British people in a referendum.

    Meanwhile, we look forward to working closely with the ECB. We are also working hard on prictical preparations for the Euro from 1. January 1999. We are working to ensure that business can use the Euro freely and efficiently within the UK and the EU. The City of London is already at the vanguard of the financial services sector within Europe in welcoming the Euro.

    This speech is my last formal act in the British Presidency of the European Union – a Presidency which hat marked a sea-change in the British approach to Europa, from self- imposed isolation to full-heartet cooperation. I hope we have done a competent and professional job. I know we have shown how much both Britain and the rest of Europa have to gain from each other through working together.

    We have been priviled to hold the Presidency for the launch of tow of the most historic acts in Europe’s post-war history – EMU and enlargement. We have been able to push forward debate on both economic and political reform so that the ambition we all share – a Europe closer to the peo- ple – can be realised.

    It is for governments to take advantage of this new Europe of change and dynamism. It is for the ECB to create the fra- mework of stability on which this dynamism can be built.    I wish Wim Duisenberg and the ECB all the very best for their future work.

    *****

    Für den musikalischen Rahmen des einzigartigen Ereignis- ses sorgte der EZB-Präsident persönlich. Der Holländer hat den „Maastrechter Staar Royal Dutch Male-voice Choir“ engagiert. Im 1. Teil gab der Männergesangsverein ein europäisches Medley zum Besten. Im 2. Teil kamen Opern- chöre, auch etwas Musicals und Cabaret zum Zuge. Der deutsche Beitrag beim Medley hieß ganz unmissverständ- lich: Auf der Heide blühen die letzten Rosen. Richard Wag- ner steuerte später noch den Pilgerchor aus Tannhäuser bei. Mit Don Carlos war weniger Schiller („Die schönen  Tage von Aranjuez sind vorüber“) als Verdi gemeint (Coro d’in- troduzione e scena del frate). Frankreich war im Medley mit den „Chevaliers de la table ronde“ vorteilhaft vertreten, spä- ter mit Gounods Faust „Chœur des soldats“ – offenbar die deutsch-französische Freundschaft berücksichtigend. Das Vereinigte Königreich bewahrte wie immer Stil: „Land of hope und glory.“ Zum Schluss, beim lockeren „Money, money, money“ fühlten sich alle in Freude richtig verstanden.

    *****

    Nachmittags überreichte Finanzminister Theo Waigel dem EZB-Präsidenten, Duisenberg, die Erstdrucke der Brief- marke „Europäische Zentralbank Frankfurt am Main“. Das ist sicherlich nicht das Wichtigste, aber bezeichnend für den

    30. Juni, denn am 1. Juli nimmt die EZB ganz offiziell die Arbeit auf. Waigel ist nicht alleine wegen der Briefmarken nach Frankfurt gereist, sondern hat handfeste Politik im Sinn, zumindest deren Demonstration.

    Nach der Euro-Fete in der Alten Oper traf sich die deut- sche Hochfinanz bei der Bundesbank. Da wurde nämlich Otmar Issing verabschiedet, der jetzt als Chefvolkswirt beim Euro sein Geld verdient. Außerdem wurde Waigels Staats- sekretär, Jürgen Stark, als Vizepräsident und damit als Stell- vertreter von Hans Tietmeyer installiert. Johann Wilhelm Gaddum ging aufs Altenteil. Aber warum brauchen wir  noch einen Vize bei der Bundesbank, wo doch die D-Mark bald mausetot ist? Der Vize wird gebraucht, weil Jürgen Stark nächstes Jahr Nachfolger von Tietmeyer werden soll als Bundesbank-Präsident und damit als deutscher Gouver- neur bei der Europäischen Zentralbank. Dafür muss aller- dings Kohl die Wahl gewinnen. Demnächst wird Jürgen Stark auf jeden Fall „Außenminister“ der Bundesbank. Das Amt übernimmt er vom Kollegen Helmut Schieber, der künftig das Kapital- und Geldmarktressort leitet. Übrigens hat die Bundesbank noch ein langes Leben, denn die EZB funktioniert nur gemeinsam mit dem Europäischen System der Zentralbanken, dessen integraler Bestandteil die Deut- sche Bundesbank ist.

    Schröder und Lafontaine verändern die Welt

     Die Konstellation könnte kaum vertrackter sein. Wir stehen am Ende der Bonner Republik und befinden uns am Anfang der Globalisierung. Wir starten in ein von Berlin regiertes Deutschland und begraben gleichzeitig die Deutsche Mark. Wir treten in Euro-Land ein und haben künftig eine SPD- geführte Bundesregierung, deren Finanzminister, Oskar Lafontaine, sich ein Weltwährungssystems vorstellt, wo alle gleich sind. Er will schlichtweg mehr oder weniger festge- zurrte Wechselkurse zwischen Dollar, Yen und D-Mark, par- don Euro, in der gutherzigen Absicht, dass damit sämtliche Finanzkrisen dieser Welt unmöglich gemacht werden, zumin- dest aber gänzlich unwahrscheinlich würden. Bretton Woods ist seit 25 Jahren tot, jetzt aber lebe hoch ein neues Festkurs- system. Was tun, spricht Schröder, die Könner sind Genossen. Früher hat hier die Bundesbank noch einen gewissen Rie- gel vorschieben können. Das wird mit dem Euro anders. Denn der Wahlausgang von Ende September (98) hat als konsequente – personelle – Folge, dass auch der nächste Bundesbankpräsident ein SPD-Mann wird. Der kürzlich gekürte Vize, Jürgen Stark, hat kaum noch eine Chance. Das muss natürlich nicht heißen, dass Ernst Welteke oder Edgar Meister nicht ebenfalls verantwortungsbewusste Bundes- bankchefs werden könnten. Sie gehörten schließlich seit Jah- ren dem Zentralbankrat an. Aber auch sie können die Geld- politik der EZB nicht umdrehen nach deutschem Gusto. Schieben wir die Repräsentanten des großen Geldes mal bei-

    seite. Es reicht, wenn beim Bürger das Kleingeld stimmt. Hier entsteht jedoch die verflixte sozialpolitische Debatte.

    Sozialabbau oder Solidarität, Reformbereitschaft oder Rückbesinnung auf das Plätzchen hinter dem warmen Ofen, wo es sich im Schatten der deutschen Teilung noch so schön kleinbürgerlich und betulich leben ließ. Ökologisch soziale Erneuerung oder eine zügige Wirtschafts- und Finanzpolitik, die unseren Staaten im internationalen Wettbewerb vor- wärts bringt. Das sind die Fragen. Nach seinem historischen Wahlsieg hat Gerhard Schröder die historische Chancen, historische Weichenstellungen vorzunehmen, die das Staats- wesen voranbringen.

    Der neue Finanzminister findet ganz gewiss ein riesiges Betätigungsfeld vor, von der Einkommensteuerreform bis hin zum Einstieg in ein Öko-Steuersystem, von Subventions- abbau bis zu einem gerechteren Finanzausgleich und der Europäischen Union. Hinzu kommt die Europäische Wäh- rungsunion mit dem Euro und dann als ganz besondere Spielwiese ein – wie überall gefordert – gerechteres Welt- währungssystem. Der SPD war immer schon das Geschehen auf den Weltfinanzmärkten etwas schleierhaft, zumindest undurchsichtig und ganz gewiss verwerflich. Es kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen, dass täglich Multimilliar- den Dollar – völlig abgehoben von der Realwirtschaft – um die Welt kreisen und horrende Gewinne generieren und dabei, wenn es gerade passt, ganze Volkswirtschaften ruinie- ren? Gerade jetzt legt die Bank für Internationalen Zah- lungsausgleich, die BIZ in Basel, die neueste Statistik vor.

    In den Weltdevisenmärkten werden jeden Tag fast zweitau- send Milliarden Dollar bewegt. Nach der BIZ-Erhebung stieg das Tagesvolumen klassischer Devisengeschäfte auf durch- schnittlich 1971 Milliarden Dollar gegenüber 1500 Milliar- den 1995. Vor zehn Jahren wurde nicht einmal die Hälfte die- ses Betrages erreicht. Mit der Zeit machen die Kapitalströme nicht nur linksgerichteten Regierungen Angst, sondern wach- sen offenbar auch den Kapitalisten über den Kopf. Zumindest befürchten viele Geldschieber, dass selbst ihnen die Risiken allmählich unerträglich werden.

    Mit zunehmender Sorge fragen sich diese Leute, ob denn ihr ureigenstes Engagement in Dollar, Yen, Pfund Sterling, Franken, Cruzeiro, Rand, Bath, Rupiah oder Ringgit auch das hält, was ihnen irgendwelche Finanzberater vorgegau- kelt haben? Mit Wonne stürzt man sich zwar auf irgendwel- che Schwellenländer, deren Währungspolitik verfehlt ist, die aber gerade deshalb umso höhere Gewinne versprechen, bis das Land zu Boden geht. Thailand war so ein Fall. Malaysia wehrte sich.

    Hals über Kopf werden die Gelder aus aller Herren Län- der abgezogen und in die sicheren Häfen verfrachtet, also nach Europa und in die USA. Diese Flucht aus den Schwel- lenländern bedroht nun die Volkswirtschaften in Südame- rika. Wenn aber Brasilien zusammenbricht, hat es die USA endgültig erwischt. Deshalb unternimmt der IWF auch alles um Dämme aufzurichten. Dämme, um die Springfluten an den Devisenmärkten abzuwehren. Wenn die Billionen- Umsätze an den Devisenmärkten nur ganz wenigen Banken und Financiers Gewinne bescheren, so ist ihre Kraft allemal groß genug, um das Weltfinanzsystem und damit große Teile der Weltwirtschaft in Grund und Boden reißen zu können. Die Drehscheibe dafür ist London mit einem Marktanteil von 32 Prozent gefolgt von den USA, Japan und Singapur. Deutschland ist nur mit fünf Prozent beteiligt. An diesen Verhältnissen kann die neue deutsche Regierung mit Oskar Lafontaine wenig, wahrscheinlich gar nichts ändern. Die vorgeschlagene Einführung der Tobbin-Steuer auf Devisen- umsätze wäre nur weltweit sinnvoll unter Verpflichtung aller 182 IWF-Mitglieder. Viel sinnvoller wäre, die privaten Geldanleger mit ihren heißen Engagements voll auf die Nase fallen zu lassen und keinerlei Auffangnetze für sie zu bauen. Lafontaine schwebt zur Krisenbewältigung ein neues Weltwährungssystem mit festen Kursen von Dollar, Yen, Euro und anderen Währungen vor. Das allerdings wäre ein großer Fehler. Die Verwerfungen könnten dann zwar eine Zeitlang unter der Decke gehalten werden. Die Eruption bräche sich aber irgendwann Bahn und dann flöge das so geschaffene Weltwährungssystem mit großem Krach ausein-ander. Der Schaden wäre nicht mehr einzugrenzen.

    Druck auf Bundesbank und EZB

     

    Seitdem die neu gewählte Regierung am Ruder ist (Kanzler- wahl am 27. 10. 98), versucht sie die Bundesbank unter Druck zu setzen. Wo immer möglich, wird der Druck sogar verschärft. Rot-Grün will auch die Europäische Währungs- union im Kern treffen und beschädigen. Es ist sogar fest- stellbar, dass sich in allen Mitte-Links-Regierungen des Eurolandes diese Kräfte bündeln. Es geht um die unabhän- gige Geldpolitik in Deutschland und Europa. Es geht um die Stabilität von D-Mark und Euro. Die neuen Machthaber in Deutschland und Europa, das gilt besonders auch für Frank-reich, England und Italien, wollen die Geldpolitik ihren finanz- und beschäftigungspolitischen Zielen unterordnen, auf jeden Fall die sich allzu unabhängig wähnenden Noten- banker an die Kandare nehmen und ihre zinspolitische Ver- antwortung vereinnahmen.

    Lafontaine und seine Staatssekretäre sind angetreten, die Bundesbank und die Europäische Zentralbank in beispiello- ser Weise einzubinden. Die anderen Euro-Staaten machen gerne mit, ganz gleich ob damit der Maastricht-Vertrag aus- gehöhlt oder das Bundesbank-Gesetz ausgehebelt wird. Drei Zielrichtungen sind erkennbar:

    • Die Zinspolitik soll von den Regierungen gemeinsam mit der europäischen Kommission vorgegeben
    • Die Berichtspflicht über die Geldpolitik gegenüber Regie- rungen und Parlament soll verschärft
    • Zudem sollen – dies ist ein Lieblingskind Lafontaines – die großen Währungen dieser Welt in ein hartes Reglement gesperrt
    • Von italienischer Seite wird außerdem die Aufweichung der Stabilitätskriterien (3-Prozent-Schuldengrenze) in die europäische Diskussion

    Ein Nebenkriegsschauplatz sind die Anfeindungen des neuen Bonner Finanzstaatssekretärs, Claus Noe, gegen Bun- desbankpräsident Hans Tietmeyer, dem er vordemokrati- sche, absolutistische Politik in Sachen Geld vorwirft. In sei- nem Beitrag in der „Zeit“ kommt nicht die Sorge über eine verfehlte und wirtschaftsschädigende Geldpolitik zum Aus- druck, sondern er transportiert aggressive Meinungsmache mit dem Ziel, Tietmeyer möglichst schnell aus seinem Amt zu katapultieren. (Hier stand wohl „Zeit“-Herausgeber Hel- mut Schmidt Pate.)

    In den vergangenen drei Jahren, beim Aufgalopp zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, konnten sich kaum die allerschlimmsten Miesmacher ein europä- isches Szenario ausmachen, das der gegenwärtigen politi- schen Großwetterlage entsprochen hätte.

    Die Sozialisten in den Regierungen Europas wollen die Zentralbanken zum Reparaturbetrieb für die verfehlten Wirtschafts-, Finanz- und Tarifpolitikern machen, die letzt- lich zu den verqueren Strukturen in unseren Volkswirtschaf- ten führten, die uns seit Jahren so sehr zu schaffen machen. Die Strukturen sollen nicht geändert, sondern die letzten Institutionen eingerissen werden, die sich in Unabhängigkeit Gedanken über richtigere Finanz- und Wirtschaftsstrategien zum Wohle des Volkes machen. Geldwertstabilität ist ein hohes Gut. Um dies zu erkennen, muss die neue Generation der europäischen Regierungen offenbar in einen längeren Lernprozess eintreten.

    Dieser beginnt schon sehr bald, und zwar am 5. Novem- ber (98). Pünktlich um 9.30 Uhr hat der Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank seine Sitzung begonnen, an der erst- mals auch Finanzminister Lafontaine und sein Staatsse- kretär Heiner Flaßbeck teilnehmen. Wie ein Mittelsmann berichtete, gelang der Start der Besprechungen in gelocker- ter, geschäftsmäßiger Atmosphäre. Vorher hatte Bundes-bankpräsident Tietmeyer den Bonner Besuch vom Hub- schrauberlandeplatz auf dem Gelände der Bundesbank abgeholt. Tietmeyer stellte dem Finanzminister jedes ein- zelne Zentralbankratsmitglied persönlich vor, bis er dann den ersten Punkt der Tagesordnung ansprach: Analyse der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und Europa. Bei dieser Gelegenheit konnte sich auch der neue Chefvolkswirt der Bundesbank, Prof. Hermann Remperger, profilieren.

    Dann rückte TOP „Zinsen“ ins Zentrum des Treffens. Die Meinung der Regierung war im Vorfeld schon oft genug bekannt gemacht worden, nämlich runter. Doch in Zentral- bankratssitzungen haben Finanzminister und seine Leute kein Antragsrecht. In geldpolitischen Fragen genießt die Bundes- bank eine gesetzlich verankerte Unabhängigkeit in ihren Ent- scheidungen. In scharfer Form hat gerade heute der Vorsit- zende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Schäuble, gegen die Einflussversuche Lafontaines Stellung genommen.

    Wenn auch der halbseitige Artikel Schäubles „Mit Lafonaine auf den Irrweg der Jakobiner“ noch als verspätete Wahl- kampfpropaganda angesehen werden kann, so haben bundes- weit sehr viele Wissenschaftler, Verbandsfunktionäre und Ban- ker in den letzten Tagen in großer Sorge Stellung bezogen und die deutsche wie die europäische Zentralbank vor allzu großer politischer Einflussnahme in Schutz genommen.

    Im Vorfeld der Zentralbankratssitzung blühte ganz außer- ordentlich die Meinungsvielfalt. Bundesbankvizepräsident Jürgen Stark hatte da vom Verfassungsrang der Bundesbank gesprochen. Der DIHT-Präsident, Hans Peter Stihl, forderte eine schnelle Klarstellung der Bundesregierung, dass sie die Unabhängigkeit der Bundesbank nicht antasten werde. Kanzler Gerhard Schröder hat sich noch gestern diesem Meinungsspektrum angeschlossen. Er sagte, niemand wolle diese Unabhängigkeit antasten. Es werde aber doch noch erlaubt sein, über die Höhe der Zinsen in Deutschland und Europa zu sprechen.

    Diese Kontroverse wurde in der Sitzung nur sehr vorsich- tig und differenziert angesprochen. Über die Beratungen selbst wurde Stillschweigen vereinbart. Es gab auch kein Pressepodium für die Bonner in Frankfurt, nur eine kurze Pressenotiz: Der Zentralbankrat hat auf seiner heutigen Sit- zung die Leitzinsen unverändert belassen. Danach gelten für Wertpapierpensionsgeschäfte weiterhin 3,3 Prozent, für den Diskont 2,5 Prozent und für Lombardgeschäfte 4,5 Prozent. Abends dann, beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, zog EZB-Präsident Duisenberg nochmals richtig vom Leder. Für ihn sei es eine abgemachte Sache, dass Lafontaine die EZB meint, wenn er die Bundes- bank prügelt. „Wir lassen uns in keiner Weise unter Druck setzen“, sagte der Niederländer aus Frankfurt in Richtung Bonn. Als eine Fragerin dann noch ganz genau wissen wollte, ob er nun nach vier Jahren zurücktrete, wie es zu sei- ner Amtseinsetzung hieß, konterte er massiv: „Da müsste schon der Maastricht-Vertrag geändert werden. Ich bleibe acht Jahre.“

    Zinsgleichschritt: Marsch

     

    Es war für Finanzminister Lafontaine ein Leichtes, sich ein- zureden, dass seine Zins-Demarche von Anfang November einen Monat später zu einer europäischen Zinssenkungs- runde geführt hat. Man freut sich eben über kleine Erfolge, die ganz anderen Zuständen zuzuschreiben sind. Die elf Staaten, die vom 1. Januar 99 an die Euro-Union darstellen, haben in einer gemeinsamen Aktion die Zinsen gesenkt und damit Entschlusskraft demonstriert, den Euro von Anfang an auf den richtigen Weg zu bringen. Euro-Präsident Dui- senberg hat die Entscheidung der Kollegen von den nationa- len Zentralbanken, vom Europäischen System der Zentral- banken als einmalig, als geradezu sensationell bezeichnet.

    Die Sensation liegt für ihn nicht darin, dass er vorher die zu erwartende Zinsentscheidung nicht gekannt hätte. Ganz im Gegenteil, im Zentralbankrat der EZB wurde vor weni- gen Tagen die Zinssenkung vorbesprochen, wenn nicht gar abgesprochen und dennoch hat es etwas Sensationelles, dass die Gouverneure der nationalen Notenbanken in ihre hei- matlichen Zentralbanken heimgekehrt sind und den kurz- fristigen Leitzins (für Wertpapierpensionsgeschäfte) um 0,3 Prozent auf drei Prozent bringen, wenn man einmal vom Sonderweg Italiens (Verbleib bei 3,5 Prozent) absieht.

    Dabei haben die europäischen Notenbanker der deutschen Bundesbank die Referenz erwiesen, dass sie – zumindest publizistisch vorangehen konnte. Das entsprach zwar den realen Markverhältnissen im europäischen Geldwesen und dennoch ist es sensationell. Es war ja nicht zum ersten Mal, dass die Bundesbank die Führerschaft bei Zinsveränderun- gen übernommen hat, auch im besten Sinne für Europa. Aber was gab es da oftmals für Aufregung bei den anderen Zentralbanken, wenn sie nachziehen mussten, Aufschreie bis hin zu europäischen Krisen.

    Bundesbankpräsident Tietmeyer konnte ein letztes Mal die volle Geldsouveränität seines Hauses verkosten: „Dieser Beschluss, dem eingehende Konsultationen mit den anderen europäischen Zentralbanken, insbesondere im EZB-Rat, sowie intensive interne Beratungen im Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank vorausgingen, ist eine souveräne, von politischen Erwartungen unbeeinflusste Entscheidung der Bundesbank.“ Und er fügte hinzu, dass er selbst ein Motto schon mehrfach zitiert habe, das ihm besonders nahe liege: „Nec laudibus, nec timore“ – lasse dich nicht durch Lobsprüche oder durch Furcht beeinflussen in dem, was du für richtig erkannt hast.“

    Warum denn weinen, wenn man auseinander geht?

    Letzmals tagte heute, am 17. Dezember 98, der Zentralbank- rat der Bundesbank in seiner vollen Autonomie als unabhän- gige Institution, die allein für die Geldpolitik in Deutschland zuständig war. Die erste Sitzung fand am 8. März 1948 statt.


    Eröffnet wurde sie damals von Mister Freeman, einem der beiden Vertreter der Alliierten Bankenkommission in Frank- furt. Seitdem tagte dieses Gremium 1006-mal. Erster Präsi- dent des ZBR der Bank deutscher Länder war Karl Bernard. Er hatte einen – was es damals noch gab – Präsidenten des Direktoriums zur Seite; Wilhelm Vocke.

    Zur ersten und größten Aufgabe des Gremiums gehörte die Schaffung der D-Mark als Nachfolgewährung der durch die Kriegsfinanzierung stark inflationierten Reichsmark. Die Mark hat dann einen unvergleichlichen Siegeszug angetre- ten, kam immer wieder ins Schussfeld der Politik von innen und außen und geht jetzt in der europäischen Gemein- schaftswährung auf.

    Mit „Tschüss D-Mark“ ist meine Beziehung zu der lieb gewordenen Währung durchaus nicht zu beenden. Das käme mir so vor wie: Warum denn weinen, wenn man aus- einander geht, wenn an der nächste Ecke schon ‚ne‘ andere steht. Mit der Mark unterhalte ich ein gestandenes Geldver- hältnis, an das ich mich über Jahrzehnte gewöhnt habe. So eine Gewöhnung kann durchaus in Liebe ausarten, ohne dass ich behaupten wollte, ich sei besonders hab- oder geld- gierig. Die neue Zuckerpuppe aus der Euro-Suppe muss sich wirklich erst bewähren.

    Ganz am Anfang habe ich die ersten D-Mark-Groschen – Zehnpfenniggeld auf Papier gedruckt – in Metallgroschen umgetauscht. Dieses Besatzergeld hatte die Reichsmark schon abgelöst. In Mark und Pfennig wurde meiner Mutter die Kriegswitwenrente monatlich ausbezahlt und für uns Kinder das Halbwaisengeld. Mit den damals neuen Mone- ten kaufte ich meine Schülermonatskarte und verdiente als „Werkstudent“ mein erstes Geld auf einer Schiffswerft am Starnberger See. Für mich aufregend war die erste D-Mark- Aufwertung, die mir signalisierte „Wir sind wieder wer!“

    Die ersten Auslandskröten, die ich mit der D-Mark erwarb, hießen österreichische Schillinge, die ich für einen Salzburg-Ausflug brauchte. Kräftig über den Tisch gezogen haben mich die Briten, als ich bei meinem ersten England- Besuch noch 12 Mark für ein einziges Pfund Sterling hin- blättern musste. Für ein Pfund bekam ich in einem feinen Londoner Lokal ein teures Mittagessen. Das britische Geld machte auf mich durchaus großen Eindruck. 240 Pennies oder 20 Shilling gingen auf ein Pfund und 21 Shilling sum- mierten sich auf einen Guinea. Irritiert hatte mich allerdings, dass die Engländer noch lange in die Nachkriegszeit hinein Lebensmittelmarken hatten, während die lausigen Kriegsver- lierer mit der Einführung der D-Mark jede Bewirtschaftung aufgeben konnten, zumindest in den Westzonen. Als absolute Friedenswährung erlebte ich stets den Schweizer Franken. Lira und Peseten rangierten als Urlaubswährungen, die durch ihre regelmäßigen Abwertungen auch immer interessant blie- ben. Beim Franc musste ich immer rätseln, ob die Geschäfts- leute gerade in „anciens ou nouveaux francs“ rechneten. Wenn es auch über den umständlichsten Sortenhandel war, D-Mark wollten alle. Der Geldumtausch machte jeden Reise- beginn spannend. Da kam erste Exotik auf.


    Das galt besonders auch bei Reisen in die DDR, wo die Exotik oft in Geldschmuggel ausartete. Man durfte alles hintragen, kleine Schiebereien machen und bekam nichts mehr raus. Schade, dass die Einführung der D-Mark im Westen die Teilung Deutschlands perfekt machte und die Mark der Deutschen Notenbank als „Ostmark“ ihr von Anfang an unrühmliches Leben begann. Die  D-Mark  machte alles wieder gut. Die Wiedervereinigung war die Sache meines angestammten Geldes.

    In dem von Vasarely gestalteten Foyer der Bundesbank steht eine Münzkanne aus dem Jahre 1873, die von oben bis unten mit Silberthalern gespickt ist. Ringsherum wurde der Spruch eingraviert: Thalers Abschied – Deutsche Einheit – Mark nun einzieht, sei’s für alle Zeit. Was vor 125 Jahren galt, ist auch heute Realität: Wenn die Deutschen zur Einheit finden, verlieren sie ihre angestammte Währung. Tschüss D-Mark. Gehab’ dich wohl. Es wär so schön gewesen.  Gehab’ dich wohl. Es hat nicht sollen sein. Kommen Euro- linchen, vielleicht wird es mit uns doch noch was?

    Neue Währung – kein neues Geld

     

    Den Europäern ist längst klar, dass sie zum Jahreswechsel zwar eine neue Währung bekommen, aber kein neues Geld. Ganze drei Jahre müssen sie noch auf Cent-Münzen und Euro-Banknoten warten. Die Deutschen empfinden das nicht als Schaden, haben sie doch weiterhin die Mark. Bis über 2000 hinaus dienen uns noch die roten Pfennige und Zweipfennigstücke, die messingfarbenen Groschen und das silbrige Fuffzigerl mit der Eichen setzenden Kopftuchdeut- schen. Silberglanz verbreiten auch weiterhin die Markstücke und die Serie der neuen Geldscheine, die immer noch nicht abgeschlossen ist. Ein ideologisches Geschenk hat Tietmeyer dazu gelegt: „Auch künftig bleibt die Bundesbank voll funk- tionsfähig.“ Na also!

    Was findet aber real statt, wenn der Euro am 1. 1. 1999 Einzug hält? Der Euro fürs Volk gibt nur seine Visitenkarte ab. Er ist die „Eminence grise“ im Bankenapparat, der Mister Giralgeld. Es gibt ihn und es gibt ihn nicht. Der Euro blitzt hinter jeder Rechnung auf, ist als Vergissmeinnicht auf jedem Girokonto zu ertappen, ziert so manche Kneipenrech- nung und steht als Doppelgänger auf den Preisschildern im Einzelhandel. Der Euro bremst eher den Geschäftsgang, denn es muss immer angegeben werden, ob in Euro oder D-Mark bezahlt werden soll. Den totalen Euro-Aufstand probt jedoch die Deutsche Börse vom ersten Handelstag an. Ganz gleich ob es einer versteht oder nicht, alle Notierungen lauten auf Euro. Diese geldpolitische Rosstäuscherei oder Doppelbödigkeit wird drei Jahre dauern. Erst ab 2002 kann es mit Fug und Recht heißen: Haste Euros in den Taschen, haste immer was zu naschen.

    Die Druckvorbereitung für die Euro-Banknoten läuft schon auf Hochtouren und die Prägeanstalten prägen bereits die ersten Nullserien für die Eurocentmünzen. In den Safes der nationalen Banknoten-Druckereien liegen seit einigen Tagen schon die von Wim Duisenberg, dem EZB-Präsiden- ten, unterzeichneten Blankette als Druckvorlagen fürs neue Geld. In Deutschland wurden bisher die Banknoten zweimal unterschrieben, vom Präsidenten und vom Vizepräsidenten der Bundesbank. Bei der EZB macht es Duisenberg allein. Alles in allem müssen über 2,5 Milliarden D-Mark-Scheine und knapp 50 Milliarden Münzen durch vier Milliarden Euro-Noten und 12 Milliarden Münzen ersetzt werden. Allein die Münzen wiegen 60 000 Tonnen und müssen mit 4000 Lkw transportiert werden.

    An diesem Schnittpunkt des Währungswechsels sollte es gerechtfertigt sein, eine D-Mark-Schlussbilanz und eine Euro-Eröffnungsbilanz aufzustellen. Dabei müssen materi- elle und immaterielle Werte in Ansatz gebracht werden. Gold- und Devisenreserven, Abschlagszahlungen an die ehe- maligen Siegermächte (nicht die typischen Reparationszah- lungen, die längst erledigt waren), auch (neue) Wiedergut- machungszahlungen spielen herein sowie Rückführungs- kosten für die russischen Streitkräfte und ganz gewiss über- mäßige Dotierungen an die Brüsseler Kassen. Was seitens der Bundesrepublik geleistet werden musste, wird noch einige Doktorarbeiten zu beschäftigen haben. Vieles wird kaum nachvollziehbar sein. Der Aufbau Ost ist zunächst deutsches Nationalvergnügen und fällt nicht darunter.

    Als unschätzbare immaterielle Werte müssen demgegen- über die Wiedervereinigung Deutschlands und die europä- ische Einigung genannt werden, die weitestgehend mit D- Mark bezahlt und mit dem Euro sichergestellt werden. Was kostet die Deutschen der Euro? Zunächst einmal gibt es einen erheblichen Souveränitätsverlust durch die Abgabe der geldpolitischen Autonomie der Bundesbank an die Europäische Zentralbank. Der Souveränitätsverlust ist größer als bei den übrigen Euroländern, weil die Bundes- bank in vielen Bereichen für Europa schon lange maßgeblich agierte und jetzt – geldpolitisch – bestenfalls zwei Stimmen geltend machen kann im Kreise von – je nachdem – zwei Dutzend Stimmberechtigten (oder auch mehr). Als starkes Aktivum muss hier ganz entschieden der Sitz der Europä- ischen Zentralbank – Frankfurt am Main – genannt werden. Mit einem Kapitalanteil von anfangs etwas über 30 Pro- zent an der EZB (er ergibt sich daraus, weil vier Staaten mit einem rechnerischen Kapitalanteil von ca. 20 Prozent noch nicht mitmachen) ist die Bundesbank, also Deutschland, auch der größte Gold- und Devisenbringer für die EZB.

     

    Tietmeyer hat kürzlich vorgerechnet: Die elf Euroländer bringen 40 Milliarden Euro als Währungsreserven ein, davon kommen aus der Bundesbank 12,2 Milliarden Euro bzw. 24 Milliarden Mark. Tatsächlich stehen aber sämtliche Währungsreserven der Bundesbank der EZB für währungs- politische Aufgaben zur Verfügung. Das sind 140 Milliarden Mark. Bei einer marktgerechten Bewertung der Goldreser- ven kommen da auch schnell 200 Milliarden Mark  resp. 100 Milliarden Euro zusammen.

    Mit den (rechnerischen) 200 Milliarden Mark ist der Euro zu Lasten der deutschen Kassen immer noch nicht aufgewo- gen. Euro heißt Europa und die Europäer ließen sich die Wiedervereinigung (die sie politisch noch verhindern woll- ten) gut bezahlen. Nebenbei bemerkt: Die Umstellung der Wirtschaft auf die neue Währung wird auf 100 Milliarden Euro taxiert. Der Euro kostet Deutschland in jedem Falle einen ansehnlichen dreistelligen Milliardenbetrag. Dafür bekommt Deutschland eine gute Basis für den Weiterbau am Haus Europa und die EZB in Frankfurt. Außerdem hat Deutschland ein wachsendes Gewicht – politisch und wirt- schaftlich – im Europa der 11, der 15 und bald der 21 oder 27 europäischen Länder.

    Im Vorfeld der Euroeinführung in einem Mitgliedsland der EWU entscheiden die EU-Finanzminister über den end- gültigen Umtauschkurs. Der Wechselkurs wird dabei immer auf insgesamt sechs Stellen (d. h. vor und gegebenenfalls auch nach dem Komma) genau festgelegt, um Rundungsfeh- ler möglichst gering zu halten. – Schon im Juni 98 waren die Kapitalanteile der Euro-Zentralbanken am EZB-Kapital von 5 Milliarden Euro nach einem ausgeklügelten Schlüssel fest- gelegt und im Dezember leicht revidiert worden. Die Anteile der bei Beginn des Euro nicht mitmachenden EU-Staaten England, Griechenland, Schweden und Dänemark (ca. 21 Prozent) wurden reserviert.

    Börse schafft die D-Mark ab

     

    Mit Applaus und Euro-Hymne begann an der Frankfurter Börse der erste Handelstag im neuen Jahr und im neuen Zeitalter (4. 1. 99). Das hatte auch seinen tieferen Grund und höheren Hintersinn, denn ab heute lauten alle Notie- rungen für Aktien und Renten und allem, was sonst so an der Börse gehandelt wird, auf Euro. Die Handelswährung D-Mark ist abgeschafft. An den europäischen Börsen insbe- sondere in Frankfurt wurde jetzt die gemeinsame Währung ins wirkliche Leben befördert. Das symbolische Großereig- nis zauberte an Ort und Stelle Währungskommissar Thi- bault de Silguy mit seinem Countdown in den Sprachen des Eurolandes. Er konnte sich allerdings nicht verkneifen, auch das Englische zu bemühen, obwohl Großbritannien (noch) nicht an der Währungsunion teilnimmt. Aber de Silguy zählte auch zweimal deutsch, hatte doch Ex-Finanzminister Theo Waigel öfters betont, „der Euro spricht deutsch“.

    Der Währungskommissar zählte nicht nur. Er hielt auch eine bescheidene Begrüßungsrede. Damit hatte er inhaltlich nicht unrecht, sicherlich müssen wir mit dem Euro alle bescheidener werden. Dagegen wehren sich aber noch ganz vehement die Frankfurter Kursmakler, die auf jeden Fall und weiterhin das Börsenparkett mit ihrem Handel bevölkern und reicher werden wollen.

    Zu den großen Befürwortern und Betreibern der gemein- samen europäischen Währung gehörten immer schon die Deutsche Börse und ihr Management. Sie konnten die Euro- Einführung kaum erwarten und die Euphorie ist über- schwänglich, sich von nun an ein riesiges Stück der europä- ischen Finanzmärkte einverleiben zu können. Der Wett- bewerb unter den Börsenplätzen dürfte immer härter wer- den und strategische Allianzen werden aus dem Boden gestampft.

    Die Börsenhändler in Frankfurt, Paris und London müs- sen sich künftig bei Dienstantritt allerdings fragen, wo bin ich eigentlich? Ist das da drüben der Main, die Seine oder die Themse? Ganz gleich. Es wird überall mit Wasser gekocht und die Euro-Sauce schmeckt jetzt allerorts gleich!

    Nach der ersten Sitzung des EZB-Rats am 7. Januar 99, also in der 3. Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion berichtete Duisenberg ganz erleichert: „Am 1. Januar 1999 ist der Euro erfolgreich eingeführt worden. Mit Wirkung von diesem Tag an hat das ‚Eurosystem‘ – das heißt die EZB und die elf nationalen Zentralbanken der am Euro teilneh- menden Mitgliedsstaaten – die Verantwortung für die Geld- politik im Euro-Währungsgebiet mit dem vorrangigen Ziel der Gewährleistung der Preisstabilität übernommen.“ Der EZB-Präsident lobte das Funktionieren des Euro-Zahlungs- systems TARGET, an dem neben den Zentralbanken  zur- zeit 5000 Kreditinstitute teilnehmen. Der Wert der grenz- überschreitenden Transaktionen, die über TARGET ab- gewickelt wurden, überschitt bereits am 2. Geschäftstag den Betrag von 310 Milliarden Euro. In diesem Betrag sind die inländischen Zahlungen, die mindestens nochmals 660 Mil- liarden Euro ausmachten, noch nicht einmal enthalten. Der Gesamtwert der abgewickelten Transaktionen belief sich also auf fast 1000 Milliarden Euro.

    In die großen Schuhe hineinwachsen

     

    Nach und nach wächst die Europäische Zentralbank in die mächtigen Schuhe der Verantwortung für die europäische Geldpolitik hinein. Zwar haben bisher erst elf Staaten ihr Mitmachen in Euroland erklärt. Tatsächlich reicht aber der Einfluss der EZB darüber hinaus. Das beginnt mit den EU- Staaten, die nicht von Anfang an dabei sind, aber über das Europäische Währungssystem EWS 2 am Euro hängen. Das gilt für Griechenland und Dänemark. (Schweden und Eng- land wollen zunächst einmal draußen bleiben.) Außerdem wird es nicht lange dauern, bis die nächste Runde der EU- Erweiterung zusätzliche Währungen andriften lässt, die sich auch erst im EWS 2-Kanal bewähren müssen.

    Wim Duisenberg zweifelt keinen Augenblick daran, dass sich hier eine neue, große Weltwährung auf den Weg macht, eine Währung, die eines Tages den Dollar überflügelt. Völlig klar, dass der selbstbewusste EZB-Präsident eine Verkettung von Dollar, Yen und Euro auf viele Jahre hinaus ablehnt. Im Konzert des weltweiten Geldes hat Duisenberg sein Terrain bereits abgesteckt und deutlich werden lassen, dass der Kopf des Währungstisches dort ist, wo die Europäer sitzen. Er warnt vor einer Dramatisierung der Krisen in Russland und Asien, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass noch nicht alle Rückwirkungen dieser Krisenherde auf Europa ausgelo- tet werden können.

    Duisenberg liebt auch die Rolle des Mahners. Er fordert Haushaltsdisziplin im Sinne des Stabilitätspaktes, die bisher nicht gegeben sei. Der gestrenge Hausherr von der Frankfur- ter Kaiserstraße 29 versteht sich aber nicht nur als Weltöko- nom sondern auch als Oberbuchhalter eines Milliarden- Unternehmens. Da muss die Kasse stimmen. Auch die vier Zaungäste – England, Schweden, Griechenland und Däne- mark – müssen Kapital zuschießen und wenn es nur fünf Prozent der ihnen zustehenden Quote sind. Zudem steht schon der Schlüssel für die Gewinnverteilung fest und im Herbst dieses Jahres (1999) wird die Nullserie für die Euro- Banknoten in Druck gehen. Er sträubt sich gegen nationale Symbole. Hier sei kein Platz mehr für Geldchauvinismus.

    Für ausgeklügelte geldpolitische Strategien basierend auf den zwei Säulen, Inflationsziel und Geldmenge, hat er doch den Würzburger Professor Otmar Issing im Direktorium. Dieser weiß ganz genau, wann die Geldmenge den Preis treibt und sieht seinen Sessel als Katheder der hintersinnigs- ten Geldtheorien, Forschung à la EZB.

    Wie ein roter Faden durchzieht den Text des ersten Monatsberichts die stabilitätspolitsch ordnende Hand des Schreibers, seines Zeichens Chefvolkwirt der EZB. Wenn Issing – wie hier – die Menü-Karte seiner Recherchen prä- sentiert, heißt es unübersehbar: Entree Stabilitätspolitik, Dessert Stabilitätspolitik und dazwischen als köstlicher Hauptgang der harte Euro.

    Die Inflationsentwicklung der vergangenen zwei Jahre liege im Einklang mit der europäischen Politik für ein stabi- les Geld, schreibt der Leitartikler Issing. Wenn der harmoni- sierte Verbraucher-Preisindex – und darauf kommt es der EZB an – weniger als zwei Prozent pro Jahr steigt, ist dieses Ziel erreicht. Zuletzt waren es sogar weniger als ein Prozent. Damit wäre die Teuerung verjagt. Andererseits nistet sich auch nirgends die bisweilen so gefürchtete Deflation ein, die stets als Argument für eine zusätzliche Zinssenkung herhal- ten muss. Weil das so ist, besteht nach Issing auf absehbare Zeit auch nicht die Notwendigkeit einer Zinssenkung. Der dreiprozentige Hauptfinanzierungszinssatz soll also eine ganz Weile durchgehalten werden.


    EZB hat eine europäische Mission

    Neujahrsrede von W. F. Duisenberg im Kaisersaal am 19. Januar 1999

    Sehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren!

    Es ist mir eine Ehre, bei diesem wunderschönen Neujahrs- empfang der Stadt Frankfurt einige Worte sagen zu dürfen. 1998 war ein denkwürdiges – ja historisches – Jahr für Europa im Allgemeinen und für mich und meine Kollegen bei der Europäischen Zentralbank, der EZB, im Besonderen. In diesem Jahr hat sich sehr viel ereignet – man könnte mei- nen, dass seit Jahresbeginn 1998 schon mehrere Jahre ver- strichen sind. Vor einem Jahr gab es die EZB noch nicht ein- mal. Das Europäische Währungsinstitut, das EWI, Vorgänger der EZB, war damals damit beschäftigt, die Vor- arbeiten für die Einführung des Euro abzuschließen.

    Zu seinen Aufgaben gehörte es, den Rahmen für die Geld- politik zu erarbeiten, Computersysteme zu entwickeln, Rechtsakte zu verfassen und den sogenannten Konvergenz- bericht zu entwerfen. Dieses Dokument war in der Tat der wichtigste Bericht, den das EWI erstellt hat. Er bildete die Grundlage für den Beschluss vom Mai, dass die elf Länder den Euro ab 1. Januar 1999 einführen würden.

    Der Eurotower mag von außen sehr beeindruckend wir- ken, aber es waren doch nur wenige hundert Menschen, die eine ganze Menge Arbeit zu bewältigen hatten. Diese Men- schen kommen aus allen Ländern der Europäischen Union, darunter auch viele aus Ländern, die den Euro bisher noch nicht eingeführt haben – sie gehörten dieser Institution schon zu Zeiten des EWI gerne an und sind nun auch bei der EZB dabei. Unsere wenigen hundert Mitarbeiter haben aus- gesprochen hart gearbeitet und eine großartige Leistung vollbracht. Eine neue Währung für fast 300 Millionen Men- schen in elf Ländern einzuführen, ist eine aufregende Her- ausforderung und eine einmalige Erfahrung. Es gildt als Pri- vileg, zu den Pionieren der neuen Währung zu zählen. Allerdings bringt diese Arbeit es auch mit sich, dass die Tage länger und die Nächte kürzer werden und wenig Zeit dafür bleibt, andere Dinge zu genießen. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Anstrengungen nicht vergeblich waren und auch weiterhin lohnen werden.

    Im Mai fiel dann die Entscheidung darüber, welche Län- der den Euro einführen würden. Darüber hinaus wurden die Mitglieder des Direktoriums ernannt. Vielleicht erinnern Sie sich an das erste Wochenende im Mai, und dann, dass es in einem Fall etwas länger dauerte, bis eine Entscheidung getroffen wurde. Ich erinnere mich sehr wohl daran, für mich ist diese Angelegenheit allerdings wirklich abgeschlos- sen. Es gibt viel zu tun. Was vor mir liegt, ist weitaus wichti- ger als das, was hinter mir liegt.

    Die EZB und mit ihr das Europäische System der Zentral- banken, zu dem auch die nationalen Zentralbanken gehören, wurde am 1. Juni gegründet. In den ersten sechs Monaten ihres Bestehens war die EZB noch nicht für die Geldpolitik zuständig, sondern setzte die Vorarbeiten, die das EWI geleistet hatte, fort und bracht sie zum Abschluss. Die EZB als Institution musste sich vom EWI unterscheiden. Ihre Hauptaufgabe würde in der Durchführung der Geldpolitik liegen. Anders als das EWI hat die EZB nicht nur ein Stück vorzubereiten, sie würde die Hauptrolle spielen müssen.

    Dies erforderte eine neue organisatorische Struktur und brachte es mit sich, dass viel neues Personal gewonnen wer- den musste. Die überwiegende Mehrheit der EWI-Mitarbei- ter schlossen sich der EZB an, aber das reichte nicht. Die EZB musste wachsen und sie ist gewachsen: Die Zahl der Mitarbeiter ist bis zum Ende des letzten Jahres auf fast 600 gestiegen. Im Laufe des Jahres wird die Zahl der Mitarbeiter weiter zunehmen, und zwar bis auf etwa 750. Dies mag sich nach einer hohen Wachstumsrate anhören, aber die EZB bleibt weiterhin eine vergleichsweise kleine Organisation. Wahrscheinlich wird die Mitarbeiterzahl in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Mehr und Mehr europäische Zent- ralbanker werden Bürger von Frankfurt werden.

    1999 wird ein besonderes Jahr werden, das erste Jahr des Euro. Nein – es ist schon jetzt ein besonderes Jahr. Wir haben den erfolgreichen Start des Euro bereits erlebt. Viele Menschen im Finanzsektor, auch hier in Frankfurt, haben den Jahreswechsel – wohl zum ersten und letzten Mal – auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise und an außerge- wöhnlichen Orten verbracht. Sie saßen vor Computerbild- schirmen in ihren Büros und bereiteten ihre Institutionen darauf vor, ab dem 4. Januar in Euro zu handeln. Es ist bemerkenswert, wie reibungslos diese logistische Operation vonstatten ging.

    Die Vorbereitungen, die im Fall eines kritischen Verlaufs hätten greifen können, blieben reine Planspiele. Der Start des Euro verlief erfolgreich, aber die Mission hat gerade erst begonnen. Der Euro muss eine stabile Währung sein, eine Währung, die ihren Wert im Zeitverlauf nicht einbüßt und auf die europäische Bürger sich verlassen können. Ich kann Ihnen versichern, dass die EZB ihr Möglichstes tun wird, um dieses Ziel zu erreichen und den Euro zu einem Erfolg zu machen.

    Erlauben Sie mir einige Bemerkungen zur Geldpolitik. Keine Sorge: Mir ist bewusst, dass dies weder der rechte Zeit- punkt noch der rechte Ort ist, um ins Detail zu gehen. Des- halb werde ich mich kurz fassen. Geldpolitik ist ein unteilba- res Ganzes. Regionale oder nationale Geldpolitiken kann und wird es in der Wirtschafts- und Währungsunion nicht geben. Wir können nur eine Geldpolitik für alle dem Euro- Währungsgebiet angehörenden Länder durchführen. Die Sta- bilität des Euro betrifft das gesamte Euro-Währungsgebiet.

    Dies mag einfach klingen, und das ist es auch – aber es hat weitreichende Auswirkungen. Die Mitglieder des Direktori- ums der EZB und die elf Präsidenten der nationalen Zent- ralbanken, die geldpolitische Entscheidungen gemeinsam treffen, müssen sich eine europäische Sichtweise aneignen. Sie vertreten nicht ihr Land, sondern müssen im Interesse des Euro-Währungsgebiets in seiner Gesamtheit entschei- den. Dies wird für uns alle ein Lernprozess sein, aber ich habe keinen Zweifel, dass es uns gelingen wird, als Europäer zu handeln – so wie wir es bei unseren ersten Entscheidun- gen schon getan haben.

    Der Zeitpunkt der Einführung des Euro ist recht günstig. Mit einer Inflationsrate von etwas unter 1 Prozent besteht im Euro-Währungsgebiet derzeit Preisstabilität. Bei seiner Sitzung am 7. Januar erörterte der EZB-Rat die Aussichten für die Preisentwicklung und erachtete diese als gut. Nen- nenswerte Aufwärts- oder Abwärtsrisiken zeichneten sich nicht ab – die erkennbaren Risiken wurden für mehr oder weniger ausgeglichen befunden. Die Zinssätze bewegen sich auf einem niedrigen Niveau. Der Euro ruht auf einem soli- den Fundament.

    Das ist natürlich kein Grund, sich selbstzufrieden zurück- zulehnen und Sie können sicher sein, dass Zentralbanker wachsam bleiben werden. Selbst wenn die Sonne hell scheint, haben wir einen Regenschirm dabei. Nächsten Don- nerstag werden wir die Wirtschaftsaussichten unter Berück- sichtigung aller Ereignisse der letzten beiden Wochen und allen anderen neuen Informationen erneut prüfen. Dennoch sind insgesamt betrachtet die geldpolitischen Voraussetzun- gen für ein anhaltendes Wachstum von Einkommen und Beschäftigung gegeben. Wir wollen hoffen, dass das Jahr 1999 uns das Wachstum bringt, das Europa so dringend braucht, um seine unhaltbar hohe Arbeitslosenzahl weiter zu verringern.

    Die EZB hat eine europäische Mission. Sie hat die Auf- gabe, sich zu einer wahrhaft europäischen Institution zu ent- wickeln. In der EZB arbeiten Menschen aus vielen europä- ischen Ländern zusammen, um einen Beitrag zur Wahrung der Preisstabilität als eine der Voraussetzungen für ein stabi- les, wohlhabendes und friedliches Europa zu leisten. Die Gründung der EZB und ihre weitere Entwicklung kann  auch Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung von Frankfurt als internationale – europäische – Stadt haben. Niemand vermag genau vorherzusagen, was sich in Frank- furt verändern wird. Dies hängt im Wesentlichen davon ab, wie sich die Bürger von Frankfurt – die deutschen und die ausländischen gleichermaßen – verhalten werden.

    Die Stadt wird wahrscheinlich das Ihre tun, um die ent- sprechenden Voraussetzungen zu schaffen. Selbstverständ- lich ist es nicht meine Aufgabe, hierauf im Einzelnen einzu- gehen, aber ich wünsche Ihnen bei Ihren Entscheidungen Glück und eine geschickte Hand. Ich gehe davon aus, dass Frankfurt trotz der Veränderungen viele seiner deutschen Eigenheiten wahren wird. Bei der europäischen Integration sollte es nicht darum gehen, nationale Eigenheiten aufzuge- ben, sondern mehr gemeinsame Erfahrungen unter Euro- päern zu sammeln.

    Die Tatsache, dass die EZB eine europäische Aufgabe hat, soll nicht heißen, dass die Mitarbeiter der EZB sich hier in Deutschland, hier in Frankfurt, absondern sollten. Es bedeu- tet einfach nur, dass wir als Institution in strikter Überein-stimmung mit dem Maastrichter Vertrag, immer eine neu- trale Position einnehmen sollten. Gleichzeitig sind wir aber auch Einwohner dieser Stadt. Wir leben hier und wir sollten uns nicht als Gäste fühlen, sondern hier wirklich zu Hause sein. Und wenn ich sage „wir“, meine ich nicht nur die Mit- arbeiter der EZB, sondern auch deren Ehepartner und Fami- lien. Frankfurt zu unserer Heimat zu machen, heißt auch verschiedene Angebote, wie beispielsweise Sportmöglichkei- ten und kulturelle Veranstaltungen wahrzunehmen.

    Es bedarf gewisser Anstrengungen unsererseits, so kann es erforderlich sein, dass wir etwas Deutsch lernen und uns bis zu einem gewissen Grad auf die deutsche Lebensart einstel- len. Frankfurt eröffnet viele Möglichkeiten. Es hat eine lebendige Innenstadt, eine schöne Umgebung und es gibt vielfältige Freizeitmöglichkeiten – weitaus mehr als oft von Menschen, die nicht hier leben, angenommen wird. Trotz allem wird es von EZB-Mitarbeitern nicht immer als leicht empfunden, sich in die Frankfurter Gesellschaft einzufügen. Die Integration ihrer Mitarbeiter ist dem EZB-Direktorium ein wichtiges Anliegen. Hierbei geht es nicht nur um unsere derzeitigen Mitarbeiter und deren Familien, sondern auch um die vielen Menschen, die sich der EZB in den kommen- den Jahren anschließen werden.

    An erster Stelle ist es natürlich für die Leute selbst wichtig, sich hier wohlzufühlen. Darüber hinaus erbringen zufrie- dene Mitarbeiter bei der Arbeit bessere Leistungen, als die- jenigen, die Schwierigkeiten haben, sich einzuleben und sich vielleicht sogar einsam und isoliert fühlen. Hierbei müssen vor allem unsere Mitarbeiter aktiv werden – was sie auch tun, einzeln oder in Gruppen, so haben sie z. B. einen „Kreis der Ehepartner“ gegründet. Wir werden diese Bemühungen weiterhin unterstützen und bitten auch die Stadt Frankfurt, sich dieser Problematik bewusst zu bleiben. Wir dürfen nicht vergessen, dass viele unserer Mitarbeiter versuchen, unter Beibehaltung ihrer nationalen Identität und Wurzeln in Deutschland zu leben. In diesem Zusammenhang möchte ich auf unser starkes Interesse an der Gründung einer europäischen Schule in Frankfurt hinweisen. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr mit Ihrer Unterstützung weitere Fort- schritte in diesem Bereich erzielen können.

    Mit einem etwas allgemeinen Wunsch möchte ich nun schließen: Ich hoffe und erwarte, dass wir 1999 die bereits bestehende gute Zusammenarbeit zwischen der EZB und der Stadt Frankfurt noch weiter ausbauen können. Möge sich das Jahr 1999 als ein glückliches und erfolgreiches Jahr für den Euro, für Frankfurt und für Sie, meine Damen und Herren, erweisen.