Grünes China: Die zentrale Rolle der Gashersteller von Colin Croft, Fondsmanager im Jupiter Emerging Markets Team

London (11.7.18) – Während unserer jüngsten Reise nach China standen die dortigen Energie- und Petrochemieunternehmen im Fokus. Mindestens ebenso beeindruckend war allerdings Chinas anhaltender Wandel hin zu einer verbraucherorientierten Wirtschaft, die stärker als in der Vergangenheit auf Umweltfragen Rücksicht nimmt. Die Frage ist, welche Chancen sich aus diesem Trend für Anleger ergeben.

Positiver Ausblick für Petrochemie-Margen

 

Die verfügbaren Einkommen in China steigen im hohen einstelligen Bereich. Das führt wiederum zu ähnlichen Wachstumsraten bei Petrochemikalien, die zur Herstellung von Kunststoff benötigt werden, der für einen großen Teil der Konsumgüter und ihrer Verpackungen benötigt wird.

 

Gleichzeitig haben neue Umweltmaßnahmen die lokale Versorgung eingeschränkt. Die chinesische Regierung nimmt die Säuberung der Industrie ernst: Beamte haben mittlerweile von der Zentralregierung festgelegte Umweltkennzahlen zu erfüllen, was ihre persönlichen Anreize erhöht, Vorschriften auch wirklich durchzusetzen. In der Vergangenheit wurde hierüber zugunsten von Wachstumszielen gerne hinweggesehen. In jüngster Zeit gab es bereits einige Beispiele von Chemieanlagen, die gegen Umweltschutzvorschriften verstoßen und daraufhin in den staatlichen Medien öffentlich kritisiert wurden. Ihre Produktion wurde dann solange eingestellt, bis die Vorgaben erfüllt wurden. Der Bürgermeister der betroffenen Stadt wurde außerdem zum Rapport nach Peking einberufen. Seit Januar werden zudem die Schadstoffemissionen chinesischer Chemieunternehmen besteuert.

 

Darüber hinaus hat China im vergangenen Jahr die Einfuhr von Kunststoffabfällen eingestellt. Die Verarbeitung des Materials verursachte zu viel Umweltverschmutzung und erhöht die Nachfrage nach nicht recycelten Kunststoffen. Etwa 3-4 Prozent der weltweiten Nachfrage entfallen auf China. Zu guter Letzt wurden stadtplanerische Vorgaben angepasst, sodass sich Chemieanlagen nicht mehr in dicht besiedelten Wohngebieten befinden dürfen. Das erzwingt deren Schließung oder die Verlagerung älterer innerstädtischer Anlagen.

 

Umstellung von Kohle auf Gas – gute Nachrichten für Gasproduzenten

 

Die chinesische Regierung unternimmt außerdem größere Anstrengungen, um die Luftverschmutzung zu bekämpfen. Verbraucher sollen dazu ermutigt werden, mehr auf Gas zu setzen. Derzeit wird der Energiemix immer noch von Kohle dominiert und macht über 60 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus. Die Wohnraumheizung ist der schlimmste Verschmutzer, da in Haushaltsöfen Kohle auf niedrigem Niveau verbrannt und ohne Abgasaufbereitung entlüftet wird. Obwohl nur 5 Prozent des Kohleverbrauchs hierauf entfallen, sorgen die Haushaltsöfen für über 40 Prozent der Feinstaubbelastung. Die Umstellung von Kohle- auf Gasheizung hat daher höchste Priorität.

 

Der Gasverbrauch wächst von einem niedrigen Niveau aus. Im Jahr 2017 verbrauchte China etwa halb so viel Gas wie Europa, pro Kopf war es etwa fünf- bis sechsmal weniger. Von 240 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2017 soll der Gasbedarf bis 2020 auf 323 Milliarden Kubikmeter steigen. Dies würde immer noch nur ca. 10 Prozent des gesamten Energiemixes ausmachen, also weit weniger als in anderen Ländern. Damit bleibt noch viel Raum für weiteres Wachstum in der Zukunft.

 

Für Unternehmen, die von diesem Trend profitieren, ergeben sich hier logischerweise große Chancen. Dazu zählen chinesische Gasproduzenten, aber auch Unternehmen mit Sitz in Ländern wie Russland, die verflüssigtes Erdgas nach China verkaufen.

 

Gaspreise: Der lange Weg zur marktorientierten Preisgestaltung

 

Sicher: Gas ist im Verhältnis zu Kohle deutlich teurer, pro Energieeinheit etwa dreimal so viel. Das bedeutet, dass Regulierungsmaßnahmen und Subventionen, die die Kosten für den Endverbraucher im Rahmen halten, auch in den kommenden Jahren wichtig bleiben werden. Einige dieser Kosten werden von der Regierung getragen. In der Provinz Hebei z.B. übernimmt die Regierung 70 Prozent der Kosten für die Installation von Gasheizungen und subventioniert über ein Drittel des Gaspreises für die Winterheizung.

 

Aber auch Unternehmen müssen einen Teil der Last durch regulierte Preise auffangen. Etwas mehr als 2/3 des Gases in China wird zu regulierten Preisen verkauft, wobei marktbasierte Preise nur für nicht-konventionelle Mengen, d.h. Gas aus Erdgasspeicherung, Flüssigerdgas und ähnliches gelten. Die Frage, wie sich die Gesamtrechnung für den erhöhten Gasverbrauch aufteilt und wie sich dies ändern wird, ist daher in Zukunft eine wichtige Determinante für die Rendite.

 

Es ist davon auszugehen, dass man sich schrittweise zu einer stärker marktorientierten Preisgestaltung entwickelt. Die Regulierungsbehörden stehen vor der Aufgabe, die Interessen der Verbraucher mit der notwendigen Angebotsausweitung in Einklang zu bringen. Da die verfügbaren Einkommen in China jährlich um etwa 6 Prozent steigen, gibt es aber Spielraum für höhere Preise, was sowohl den Lieferanten als auch den Händlern ermöglicht, eine angemessene Rendite auf das investierte Kapital zu erzielen. Für die Investoren wird es entscheidend sein, sich auf diejenigen Unternehmen zu konzentrieren, bei denen die Ertragserwartungen realistisch und die Bewertungen angemessen sind.