Werthstein: Endspiel am Aktienmarkt –

Stößt die Hausse langsam an ihre Grenzen?

München (10.7.18) – Fast zehn Jahre dauert die Rally an den weltweiten Börsen inzwischen, einer der längsten Aufschwünge überhaupt. Für die Experten des Werthstein Instituts mehren sich die Anzeichen, dass dieser Trend sich seinem Ende nähert. Valérie Plagnol wirft den Blick vor allem auf politische Themen. „Ich sehe eine Reihe von wachsenden währungs- und geopolitischen Risiken: Es droht nach dem Handelskrieg nun auch ein Währungskrieg mit China. Den NATO-Gipfel am 11. Juli könnte Trump für Zugeständnisse der Partnerländer für seine aggressive Handelspolitik nutzen. Und was passiert beim Treffen von Trump und Putin? In Summe werden die politischen Risiken die Aktienmärkte weiter belasten.“

Für Giles Keating, Leiter des Werthstein Instituts, hat die US-Wirtschaft zwar noch die Kapazitäten, um weiter zu wachsen, aber der von US-Präsident Trump angezettelte Handelskrieg mache dies zunehmend schwieriger. Zudem seien sowohl in den USA als auch bei den Rohstoffpreisen schon inflationäre Tendenzen zu erkennen. Mit steigenden Zinsen fiele ein wesentlicher Treiber der Rally weg. „Vor diesem Hintergrund sehe ich nur wenig Raum für steigende Unternehmensgewinne. Und das geht in der Regel zu Lasten der Aktienkurse.“ Laut Keating könnten die Kurse sogar noch etwas klettern, „aber als Anleger würde ich auf der letzten Meile der Hausse nicht voll investiert bleiben, wenn die Risiken steigen und die mögliche Zusatzrendite immer geringer wird.“

Optimistisch bleibt Robert Halver: „Gut, die Wachstumsraten werden geringer, aber die Zinsen notieren immer noch nahe ihren historischen Tiefstkursen, die Unternehmen haben noch Kapazitäten und die Unternehmensgewinne steigen noch. Und wo ist die Alternative zur Aktie? Die Anleger sind in dem gleichen Dilemma wie im Bullenmarkt der vergangenen neun Jahre. Die Liquidität wird weiter in den Aktienmarkt fließen und die Rally am Leben halten.“

In der Gesamtsicht überwiegen für die Experten des Werthstein Instituts die Risiken. Der Werthstein Index sinkt im Juli auf 3,3 Punkte, nach 3,8 Punkten im Vormonat. Der Index drückt die durchschnittliche Einschätzung der Mitglieder des Werthstein Instituts über die Entwicklung der globalen Aktienmärkte für die kommenden drei Monate aus. Mögliche Wertungen liegen zwischen „1“ (extrem negativ) und 10 (extrem positiv).