Ethenea: Whatever it takes – auch für Italien, aktuell größtes Risiko in Europa – EZB wird bei Ansteckung Europas durch Italien intervenieren

Munsbach, (8.6.18) – „Italien ist das größte wirtschaftliche Risiko in Europa“, sagt Yves Longchamp, Head of Research bei Ethenea. „Die italienischen Staatsanleihen definieren das risikofreie Zinsniveau für die gesamte Eurozone. Wir betonen seit Langem, dass die Eurozone gesichert ist, solange die italienischen Schulden gesichert sind.“

Dem Experten zufolge liegt der höchste Zinssatz, zu dem sich Italien eine Neuverschuldung nachhaltig leisten kann, knapp unter zwei Prozent. „In den vergangenen Tagen lag die Rendite auf zehnjährige italienische Staatsanleihen allerdings über diesem Niveau“, erklärt Longchamp. „Somit stand die gesamte Eurozone unter Druck, da die Schulden nicht gesichert waren. Wir denken aber, dass die EZB wieder intervenieren wird, sollte sich die Krise auf ganz Europa auswirken – wie es im Sommer 2012 der Fall war.“ Zudem sei die Frage, wie stark anti-europäisch die neue Regierung agieren wird.

Divergenz zwischen USA und Europa hat Folgen für die Geldpolitik

Zusätzlich zu den politischen Risiken hat sich auch der wirtschaftliche Ausblick verändert. In den USA seien die Daten weiterhin gut. „Das Geschäftsklima ist nach wie vor positiv und wir erwarten, dass es in den kommenden Monaten gute Wirtschaftsdaten geben wird“, sagt Longchamp. In Europa hingegen sei die Lage nicht so gut. „Das Geschäftsklima verschlechtert sich eher und wir erwarten auch eine Verlangsamung der gesamten Wirtschaft.“

Zwischen den USA und Europa gibt es Longchamp zufolge eine klare Divergenz, die sich auch im Verhältnis des Euro zum US-Dollar widerspiegele: Die amerikanische Leitwährung konnte gegenüber dem Euro an Wert gewinnen. Wie er betont, habe dies zwei Implikationen für die Geldpolitik in Europa und in den USA. In der Eurozone könnte sich das Ende des Quantitative Easing wegen der politischen Unsicherheit und der Verlangsamung des Wachstums weiter verzögern. In den USA bedeute ein stärkerer US-Dollar auch in der Zukunft eine niedrige Inflation. „Wenn dies eintreten sollte, dann wird die Fed die Zinsen in der Zukunft vielleicht weniger aggressiv erhöhen“, erklärt Longchamp, der für Mitte Juni, nach dem nächsten Fed-Meeting, mit mehr Klarheit rechnet.

Weil sich die Art der Risiken verändert habe, empfiehlt der Experte im Anleihesegment eine etwas längere Laufzeit, aber nach wie vor ein sehr geringes Kreditrisiko. Für die Aktienmärkte sei die Lage weiterhin positiv. „Trotz des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums in Europa und der politischen Risiken denken wir, dass die Lage für Europa fundamental immer noch positiv ist“, sagt Longchamp. „Wir sind der Meinung, dass die starken Kursschwankungen in der letzten Zeit auch mit einer geringen Marktliquidität zu tun haben – das bietet in der Regel gute Investitionsmöglichkeiten.“