Ernst & Young: DAX-Konzerne schaffen trotz

Umsatzrückgang 100.000 neue Jobs

Stuttgart (15.5.18) – Der starke Euro hat viele DAX-Konzerne zum Jahresbeginn kräftig gebremst: 15 Unternehmen verzeichneten einen Umsatzrückgang, insgesamt lag das Minus bei 0,5 Prozent. Bereinigt um negative Währungseffekte haben die DAX-Unternehmen allerdings ein Wachstum von knapp vier Prozent geschafft – in Summe hat der starke Euro im ersten Quartal damit zu Umsatzeinbußen von fast 15 Milliarden Euro geführt.

Auch der operative Gewinn (EBIT) der Unternehmen sank im ersten Quartal leicht: um 1,0 Prozent auf knapp 37 Milliarden Euro – 16 Unternehmen verzeichneten Gewinneinbußen.

 

Die höchsten Gewinne fuhren zwei Autohersteller ein: Volkswagen erwirtschaftete ein EBIT von 4,2 Milliarden Euro, bei Daimler waren es 3,3 Milliarden Euro. Der Versicherungskonzern Allianz kam auf ein EBIT von knapp 2,8 Milliarden Euro.

 

Beim Umsatzwachstum hatte im ersten Quartal die Deutsche Börse die Nase vorn, die um zehn Prozent zulegte. Vor allem aufgrund ungünstiger Wechselkurseffekte verzeichnete hingegen Fresenius Medical Care einen Umsatzrückgang von 13 Prozent – der stärkste aller DAX-Unternehmen.

 

Trotz des eher holprigen Jahresauftakts bleiben die DAX-Konzerne beim Beschäftigungswachstum auf Kurs: Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 100.000 auf 3,7 Millionen. Nur bei sechs Unternehmen lag die Beschäftigung unter dem Niveau des Vorjahres.

 

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

 

Die bei den meisten Unternehmen gute operative Entwicklung sei vielfach von negativen Währungseffekten verdeckt worden, so Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY: „Der starke Euro hat etlichen Unternehmen im ersten Quartal bei der Umsatz- und Gewinnentwicklung einen Strich durch die Rechnung gemacht. In den vergangenen Wochen hat der Euro allerdings wieder an Wert verloren – und es spricht vieles dafür, dass diese Entwicklung vorerst anhält. Das würde die Waren der DAX-Unternehmen im Ausland verbilligen und weitere Einbußen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung verhindern. Dann könnte 2018 ein weiteres Rekordjahr werden.“

 

Schwerer als vorübergehende positive oder negative Währungseffekte wiegen ohnehin die geopolitischen Risiken, denen sich die Unternehmen zunehmend ausgesetzt sehen: Die Zeiten berechenbarer politischer Rahmenbedingungen sind vorbei – gerade stark internationalisierte Unternehmen müssen heute enorm auf der Hut sein und immer bereit und in der Lage sein, ihre Lieferketten anzupassen. Es gibt zurzeit viele Baustellen: den Handel zwischen Europa und den USA, den Brexit, die Gefahr einer weiteren Eskalation im Nahen Osten oder auch die Beziehungen zu Russland.

 

Asiengeschäft rettet erstes Quartal

Am besten entwickelte sich im ersten Quartal das Asiengeschäft, das bei den Unternehmen, die entsprechende Angaben machen, um fünf Prozent wuchs. In den USA wurde hingegen ein Umsatzminus von sechs Prozent verzeichnet – in erster Linie aufgrund negativer Währungseffekte. In Europa stiegen die Umsätze leicht um 1,5 Prozent, der Anteil Europas am Gesamtumsatz stieg von 50 auf 51 Prozent.

 

„Europa bleibt das wichtigste Standbein der DAX-Unternehmen, und hier entwickeln sich die Geschäfte auch durchaus zufriedenstellend“, beobachtet Meyer. „Zwar schwächelt der britische Markt, aber die anhaltende Erholung in einigen südeuropäischen Ländern und in Frankreich sorgt für positive Impulse. Allerdings gibt es auch hier potenzielle Gefahren: Die Schuldenkrise ist noch längst nicht ausgestanden, und steigende Zinsen könnten die hohe Staatsverschuldung wieder zu einem erheblichen Problem werden lassen. Derzeit aber sinkt die Arbeitslosigkeit in Europa, während das Konsumentenvertrauen und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen steigen. Hier ist also derzeit alles im grünen Bereich.“

 

Derzeit bleibt Asien der wichtigste Wachstumstreiber für die deutschen Konzerne, so Meyer: „Je schwieriger und unkalkulierbarer das Verhältnis zu den USA wird, desto mehr schauen die deutschen Top-Unternehmen nach Asien und auf die dortigen Wachstumschancen. Zwar bestehen auch hier erhebliche Risiken, in vielen asiatischen Ländern bieten aber steigender Wohlstand und eine wachsende Mittelschicht noch Potenzial – zumal „Made in Germany“ dort hoch im Kurs steht.“

 

Cash-Flow und Investitionen steigen – hoher Veränderungsdruck

Der operative Cash Flow der DAX-Konzerne stieg im ersten Quartal um ein Fünftel auf 26 Milliarden Euro. Und auch bei den Investitionen ging es aufwärts: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um zehn Prozent auf 12 Milliarden Euro. „Die DAX-Konzerne bleiben im Wachstumsmodus – trotz der aktuell eher schwachen Umsatzentwicklung“, beobachtet Meyer.

 

Dennoch sei weiter mit kräftigen Umbauarbeiten zu rechnen, so Meyer: „Es herrscht enorm viel Bewegung im Segment der deutschen Top-Unternehmen. Die Unternehmen arbeiten mit Hochdruck am Umbau ihrer Geschäftsmodelle, verkaufen Randaktivitäten, stellen sich gesellschaftsrechtlich neu auf, gehen Kooperationen ein und verstärken sich mit erheblichen Zukäufen. Sie reagieren damit auf den immens gewachsenen Veränderungsdruck gerade aufgrund der Digitalisierung und anderer technologischer Umbrüche. Schwerfällige Tanker sind heute nicht mehr zeitgemäß – inzwischen sind Veränderungsfähigkeit und Schnelligkeit überlebenswichtig.“