BVR: Volksbanken und Raiffeisenbanken halten Jahresüberschuss 2017 stabil

Frankfurt/Main (13.3.18) – Im Geschäftsjahr 2017 haben sich die 915 Volksbanken und Raiffeisenbanken, PSD Banken, Sparda-Banken sowie genossenschaftlichen Spezialinstitute mit einem voraussichtlichen Betriebsergebnis nach Bewertung von 7,3 Milliarden Euro operativ gut behauptet. „Dank Kraftanstrengungen bei den Kosten und dem signifikanten Geschäftswachstum konnte das Ergebnis des Vorjahres im anspruchsvollen Umfeld einer anhaltenden Niedrigzinsphase, eines hohen Wettbewerbs und steigender regulatorischer Anforderungen gehalten werden“, erklärt Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich auf 67,4 Prozent nach 68,2 Prozent im Jahr 2016. Ihren Jahresüberschuss nach Steuern und Dotierung des Fonds für allgemeine Bankrisiken hielten die Kreditgenossenschaften mit voraussichtlich 1,6 Milliarden Euro stabil.

Kolak betont am Tag vor der Wahl der Bundeskanzlerin und der Vereidigung des Kabinetts in Berlin: „Es ist mir wichtig, dass sich die Bundesregierung klar zum Finanzplatz Deutschland bekennt. Gerade mittelständische Institute erfüllen für die Realwirtschaft und für die Menschen eine wichtige Funktion. Die regionale, mittelständische Wirtschaft braucht starke Banken vor Ort.“ Erfreulich sei daher, dass sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag für eine differenzierte Finanzmarktregulierung, die Geschäftsmodell, Größe und geringerem Risiko regionaler Banken gerecht werden soll, ausgesprochen haben. Kolak: „Es ist richtig und gut, regionale Banken von Bürokratie und übertriebenem Meldeaufwand zu entlasten. Den Worten sollten jetzt auch entsprechende Taten folgen.“

 

Auf den neuen Bundesfinanzminister komme, so Kolak, eine große Verantwortung zu: „Das gilt auch mit Blick auf die Interessen der Sparerinnen und Sparer in Deutschland. In deren Sinne dürfte es nicht liegen, die Einlagensicherungssysteme in Europa zu vergemeinschaften.“ Mit Blick auf den Brexit erklärt Kolak: „Eine kleinere Europäische Union (EU) muss auch Ausgabensenkungen anstreben. Stattdessen mehr Gelder ohne Bedingungen an die EU zu geben, wie der Koalitionsvertrag dies ankündigt, ist nicht das richtige Signal.“

 

Im Einlagen- und Kreditgeschäft mit ihren Kunden spielten die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre Stärken aus. Ihre Kreditbestände steigerten die Genossenschaftsbanken 2017 um bemerkenswerte 5,8 Prozent auf 558 Milliarden Euro. Bestimmend war vor allem die rege Nachfrage nach privaten Wohnungsbaukrediten. Allein die Immobilienkredite an Privatkunden legten um 5,2 Prozent auf 233 Milliarden Euro zu. Damit stammt fast jeder vierte Euro bei Wohnungsbaufinanzierungen in Deutschland von einer Genossenschaftsbank. Die Höhe der Kundeneinlagen betrug 2017 662 Milliarden Euro – ein Anstieg um 4 Prozent. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank trug dazu bei, dass vor allem die Sichteinlagen deutlich zulegten. Die täglich fälligen Verbindlichkeiten stiegen 2017 um 7,3 Prozent auf 424 Milliarden Euro. Die aggregierte Bilanzsumme aller Genossenschaftsbanken erhöhte sich um 4,7 Prozent auf 891 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote stieg auf erfreuliche 14,9 Prozent an.

 

Die Zahl der Institute sank zum Ende des Jahres 2017 auf 915 Banken. Das sind fusionsbedingt 57 Banken weniger als im Vorjahr. Mit 11.108 Bankstellen (Hauptstellen und Zweigstellen) beweisen die Kreditgenossenschaften, dass sie fest in den Regionen verankert bleiben.

 

Die Zinserträge sanken 2017 trotz kräftigen Kreditwachstums um rund 1,2 Milliarden Euro. Zugleich gingen die Zinsaufwendungen um rund 1 Milliarde Euro zurück. Damit konnten die Institute die niedrigeren Zinserträge teilweise kompensieren. Der Zinsüberschuss sank um 1,6 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro. Erfreulicherweise weiteten die Genossenschaftsbanken den Provisionsüberschuss um 8,1 Prozent auf rund 4,9 Milliarden Euro aus. So stiegen 2017 aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase die Vermittlungserträge im Wertpapier- und Fondsgeschäft, da die Kunden in Anlageprodukte mit höherer Renditeerwartung investieren. Weiteren Einfluss hatten das Versicherungsgeschäft sowie das sonstige Vermittlungsgeschäft durch die Produktspezialisten der genossenschaftlichen FinanzGruppe sowie die Erlöse aus Kontoführungs- und Zahlungsverkehrsentgelten.

 

Ausdruck aktiven Kostenmanagements ist, dass die Kreditgenossenschaften ihre allgemeinen Verwaltungsaufwendungen 2017 um 0,7 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro leicht reduzieren konnten. Die Personalaufwendungen betrugen 2017 8,6 Milliarden Euro, was einem Rückgang zum Vorjahr von 0,7 Prozent entspricht. Im Jahr 2017 beschäftigten die Genossenschaftsbanken 146.500 Mitarbeiter, dies sind – nahezu ausschließlich durch Altersfluktuation – 3,0 Prozent weniger als im Vorjahr. In der genossenschaftlichen Bankengruppe erhalten aktuell rund 10.150 junge Menschen eine fundierte Ausbildung. Die Ausbildungsquote beträgt damit 7,0 Prozent.

 

Das Teilbetriebsergebnis als Ergebnis der operativen Geschäftstätigkeit stieg 2017 um 3,1 Prozent auf voraussichtlich 6,9 Milliarden Euro. Beim Betriebsergebnis vor Bewertung verzeichneten die Kreditgenossenschaften eine Steigerung um 2,3 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Das voraussichtliche Bewertungsergebnis betrug insgesamt minus 94 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis nach Bewertung hielten die Kreditgenossenschaften 2017 mit insgesamt 7,3 Milliarden Euro auf dem hohen Vorjahresniveau. Der voraussichtliche Jahresüberschuss vor Steuern lag 2017 bei 7,2 Milliarden Euro und damit um 6,6 Prozent niedriger als 2016. Die Steuern vom Einkommen und vom Ertrag lagen 2017 wiederum bei 2 Milliarden Euro. Dem Fonds für allgemeine Bankrisiken führten die Kreditgenossenschaften 2017 3,6 Milliarden Euro zu und stärkten die bereits solide Eigenkapitalausstattung damit erneut. Nach Steuern belief sich im Jahr 2017 der Jahresüberschuss der Kreditgenossenschaften wie im Vorjahr auf voraussichtlich 1,6 Milliarden Euro.