VÖB-Zinsprognose: Fed bleibt auf straffem Kurs, wann steuert die EZB um?

Bulle und Bär

 

Frankfurt/Main (7.3.18) – Auch unter neuer Führung wird die US-Notenbank Fed den geldpolitischen Kurs weiter straffen. Dies erklären Alexander Aldinger (BayernLB), Joachim Schallmayer (DekaBank), Birgit Henseler (DZ BANK AG), Ulf Krauss (Helaba), Sintje Boie (HSH Nordbank AG), Dr. Thomas Meißner (LBBW) und Dr. Jens Kramer (NORD/LB) auf der Zinsprognose-Pressekonferenz des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB. Im Jahr 2018 erwarten die VÖB-Zinsexperten mindestens drei Zinserhöhungen von der Fed. In Europa wird die Europäische Zentralbank, EZB, nach ihrer Auffassung noch weiter am Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik arbeiten müssen. Die Rentenstrategen der öffentlichen Banken gehen davon aus, dass die EZB zur Jahresmitte eine Agenda zum weiteren Verlauf der Anleiheankäufe bekannt geben wird. Die Ankäufe sollten dann spätestens zum Jahreswechsel 2018/19 enden. Eine erste Änderung des Leitzinses rückt frühestens ab Jahresmitte 2019 ins Blickfeld, möglicherweise könnte der Einlagenzins für Banken aber schon zuvor aus dem negativen Bereich angehoben werden.

Unterstützung für einen Kurswechsel in der Geldpolitik erhält die EZB in den Prognosen der VÖB-Institute durch die stabile Konjunktur. In Deutschland und im Euroraum erwarten sie im Jahr 2018 durchgängig ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mehr als zwei Prozent. Auch im Jahr 2019 wird von einer robusten, obgleich leicht nachlassenden, Konjunktur ausgegangen. Die für die EZB wichtige Inflationsrate wird jedoch in den Prognosen für den Euroraum auf Jahressicht unter der relevanten Zwei–Prozent-Marke bleiben. Für die US-Wirtschaft projizieren die Experten der öffentlichen Banken ein ähnliches Bild: mehr Dynamik in 2018 als 2019. Grundsätzlich wird erwartet, dass die US-Wirtschaft etwas schwungvoller sein wird als in der Eurozone.

Deutlich größer bleibt der Abstand zwischen den Renditen für die kommenden zwölf Monate auf beiden Seiten des Atlantiks. Die VÖB-Zinsexperten prognostizieren sowohl für die 10jährigen Bundesanleihen als auch für die US-Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit steigende Renditen. Die erwarteten Renditen bewegen sich bei den Bundesanleihen in einem Spektrum von 0,80 bis 1,20 Prozent und bei den US-Treasuries von 2,90 bis 3,40 Prozent.

Für Ungewissheit bei der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft und an den Kapitalmärkten sorgt weiterhin US-Präsident Donald Trump. Insbesondere protektionistische Maßnahmen durch die USA könnten die Weltkonjunktur in Aufregung versetzen und Wachstum kosten. Die weitere Entwicklung in der Europäischen Union hängt auch von der anspruchsvollen Regierungsbildung in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ab: Italien. Nach Ansicht der VÖB-Rentenstrategen könnte aber die neue Bundesregierung in Deutschland gemeinsam mit Frankreich den EU-Reformmotor anwerfen.