Corporate Governance von DAX-Unternehmen verbessert sich – aber noch viel Luft nach oben

Frankfurt/Main (27.11.17) – Corporate Governance, also gute Unternehmensführung, bedeutet nicht nur, sich an Gesetze zu halten, sondern darüber hinaus Anforderungen internationaler Best Practice und breiterer Stakeholder-Gruppen ernst zu nehmen. Die drei deutschen Unternehmen, die das von den DAX30-Konzernen am besten machen, sind: Daimler AG, BASF SE und Deutsche Post AG.

Die Bewertung erfolgte anhand der DVFA Scorecard for Corporate Governance. Mit diesem Instrument lässt sich beurteilen, wie gut ein Unternehmen die Corporate-Governance-Anforderungen erfüllt. Erarbeitet wurde die Scorecard von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA).

Nachdem 2016 erstmals die deutschen DAX-Unternehmen mit Hilfe der Scorecard bewertet wurden, hat die DVFA nun mit Unterstützung durch die vier deutschen Asset Manager Allianz Global Investors, Deutsche Asset Management, Deka Investment und Union Investment eine erneute Untersuchung vorgenommen. Wie im Vorjahr haben dabei zunächst Analysten von IVOX Glass Lewis, einem unabhängigen Beratungsunternehmen für Stimmrechte, die Datenerhebung auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen durchgeführt. Die Auswertung der so erstellten Scorecards erfolgte durch die DVFA Kommission Corporate Governance.

Neu war dabei, dass die DAX30-Unternehmen die Ergebnisse vor der Veröffentlichung zum Faktencheck erhielten. Diese Korrekturmöglichkeit wurde von der Mehrzahl der Unternehmen genutzt und hat den Kommissionsmitgliedern geholfen, die von den IVOX-Glass-Lewis-Analysten zusammengetragenen Informationen zu validieren.

„Unsere Untersuchung bestätigt, dass die DVFA Scorecard ein gutes Instrument für die Analyse der Governance-Qualität ist. Es ist ermutigend, dass sich die DAX30-Unternehmen ernsthaft mit der DVFA Scorecard befassen und in Summe ordentlich abschneiden“, kommentiert Michael Schmidt, Leiter der DVFA Kommission Corporate Governance. „Gleichzeitig sieht man aber auch, dass es Spielraum für Verbesserungen gibt.“

Highlights der Auswertung 2017 der DVFA Scorecard for Corporate Governance:

  • Zum Teil deutliche Verbesserungen im Vergleich zu 2016.
  • Kein Unternehmen erreicht auch 2017 das oberste Dezil in der Gesamtanalyse.
  • Elf Unternehmen haben die Grenze von 80% zum Teil sehr deutlich überschritten (Vorjahr: lediglich drei).
  • 15 Unternehmen finden sich in ihrer Gesamtbetrachtung zwischen 70% und 79% wieder (Vorjahr: 17).
  • Vier Unternehmen bleiben mit 58,93% – 69,64% in der letzten Wertungsklasse.
  • Die kapitelweisen Durchschnittswerte bewegen sich zwischen 63,45% (I. Aktionäre & Hauptversammlung) und 81,52% (III. Aufsichtsrat) was eine insgesamt noch deutlich verbesserungswürdige Governance-Qualität nahelegt.
  • 14 Fragen konnten bei allen Unternehmen mit 100% bewertet werden
  • 13 Fragen wurden durchschnittlich mit weniger als 50% bewertet
  • Gespaltenes Bild bei der Frage nach der vorzeitigen Weitergabe der Stimmrechtsweisungen: viele Unternehmen wollen Informationen hierzu künftig in die HV-Dokumente mit aufnehmen, einige sehen eine Weitergabe auch früher als 24 Std. vor der HV unkritisch.
  • Thema Investorendialog: nur neun Unternehmen machen Angaben dazu, ob der Aufsichtsratsvorsitzende mit Investoren zu AR-spezifischen Themen spricht, davon fünf nur teilweise.
  • Angaben zu getrennten Vorsitzungen von Aktionärs- und Arbeitnehmervertretern sind selten zu finden.
  • Über die Onboarding-Prozesse für neue AR-Mitglieder ist wenig bekannt, hierzu sind Ausführungen im Bericht des Aufsichtsrats hilfreich.
  • Eine deutliche Mehrzahl der Unternehmen sollte mehr Transparenz durch Veröffentlichung der Geschäftsordnungen von Vorstand und Aufsichtsrat schaffen, dies ist immer noch selten anzutreffen.
  • Die Bestelldauer des Wirtschaftsprüfers ist vielfach zu lang, teilweise oberhalb von zehn Jahren.

Neben Michael Schmidt (Deka Investment und Vorstandsmitglied DVFA) als Leiter stehen Prof. Dr. Alexander Bassen (Universität Hamburg) und Prof. Christian Strenger (Deutsche Asset Management Investment) als stellvertretende Leiter der DVFA Kommission Corporate Governance vor.

Weitere Mitglieder sind:

– Dr. Alexander Juschus (IVOX Glass Lewis)
– Isabel Reuss (Allianz Global Investors)
– Susana Peñnarrubia Fraguas, CFA (Deutsche Asset Management Investment)
– Prof. Dr. Julia Redenius-Hövermann (Frankfurt School of Finance & Management)
– Ingo Speich, CFA (Union Investment)
– Hendrik Schmidt (Deutsche Asset Management Investment)