Erste AM: Erleichterung durch abgewendeten „Frexit“ und Aussicht auf Reformen – Strukturelle Probleme dürften Macron herausfordern

 

Wien (8.5.17) – Der Wahlsieg von Emmanuel Macron ist ein positives Signal für die Kapitalmärkte, auch wenn dieser von den Börsen schon vorweggenommen wurde. Der neue Präsident bietet Aussicht auf Reformen und wird die Beziehungen zur Europäischen Union pflegen. Im Zusammenspiel mit positiven Wirtschaftsindikatoren für Frankreich ergibt sich so ein gutes Umfeld für risikobehaftete Wertpapierklassen wie Aktien. Zu dieser Einschätzung kommt Gerhard Winzer, Chefökonom bei der Erste AM.

 

Frankreich im zyklischen Aufschwung

Frankreich befindet sich in einer Erholungsphase, mit einem prognostizierten Wachstum von 1,4 Prozent nach 1,1 Prozent in 2016. „Das Produktionslevel der französischen Wirtschaft liegt zwar noch immer unter Potenzial, aber das Land ist auf einem guten Weg“, sagt Winzer. So habe die Wirtschaft im vergangenen Jahr immerhin zu 98 Prozent ihres Potenzials produziert. Darüber hinaus habe Frankreich auch die unmittelbare Deflationsgefahr überwunden. Hochrechnungen zufolge werden die Konsumentenpreise in diesem Jahr um 1,4 Prozent ansteigen. Zum Vergleich: In 2016 sind sie lediglich um 0,3 Prozent gestiegen.

 

Strukturelle Probleme bleiben

Trotz kurzfristig positiver Rahmenbedingungen seien die strukturellen Probleme des Landes unverändert: Das durchschnittliche Wachstum über den Wirtschaftszyklus betrachtet und die Wettbewerbsfähigkeit sind niedrig. Zudem sind die Staatsausgaben in Höhe von 56 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), die Staatsverschuldung (knapp 100 Prozent vom BIP), die Arbeitslosenrate (10 Prozent) und die Regulierungsdichte hoch. „Mit dem Wahlsieg von Macron hat zumindest das Potenzial für Strukturreformen und wirtschaftsfreundliche Maßnahmen in Frankreich zugenommen“, so Winzer.

 

Die nächste Hürde sind die anstehenden Parlamentswahlen in Frankreich am 11. und 18. Juni. Winzer zufolge ist es fraglich, ob die neue Bewegung von Macron eine Mehrheit erringen und damit ihr geplantes Reformprogramm durchsetzen kann. Falls dies nicht gelingt, käme es vor allem darauf an, dass die Parteien ein tragfähiges und reformfreundliches Arbeitsprogramm aufsetzen.