Ernst & Young: Weltweite Autokonjunktur tritt auf der Stelle – aber deutsche Autobauer führend bei Absatz, Umsatz und Gewinn

Frankfurt/Main (29.5.15) – Der weltweite Automarkt schwächelt: Die größten 16 Automobilkonzerne der Welt konnten ihren Pkw-Absatz im ersten Quartal nur noch um ein Prozent steigern, nachdem sie im Jahr 2014 noch um vier Prozent zugelegt hatten – im ersten Quartal 2014 sogar um sieben Prozent .

Ausgerechnet Westeuropa, das bisherige Sorgenkind der Branche, erwies sich mit einem Anstieg der Neuzulassungen von neun Prozent als Wachstumsmotor der Branche. Der chinesische Neuwagenmarkt scheint hingegen eine Verschnaufpause einzulegen: Dort schafften die Autokonzerne nur noch ein Absatzplus von fünf Prozent – im Vorjahresquartal hatten sie ihren Absatz im Reich der Mitte noch um 15 Prozent gesteigert.

Gerade die erfolgsverwöhnten deutschen Autobauer bekommen das nachlassende Wachstum im Reich der Mitte zu spüren: Sie schafften insgesamt in China nur ein Absatzplus von vier Prozent. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2014 hatten die deutschen Autobauer in China noch um 17 Prozent zugelegt.

Trotz des aktuellen Dämpfers in China konnten die deutschen Autokonzerne im ersten Quartal dem Großteil der Konkurrenz davonfahren. Sie steigerten ihren Absatz um 5 Prozent (alle: ein Prozent), der Umsatz kletterte um 13 Prozent (alle: sechs Prozent), der Gewinn sogar um 30 Prozent (alle: 21 Prozent). In allen drei Disziplinen erzielten die deutschen Autokonzerne zudem neue Rekordwerte.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

Im Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Volkswagen und Toyota hatte im ersten Quartal allerdings der japanische Autokonzern die Nase vorn: Mit umgerechnet knapp 53 Milliarden Euro Umsatz lag Toyota leicht vor dem Wolfsburger Autobauer, der 52,7 Milliarden Euro umsetzte. Auch beim Pkw-Absatz kann sich Toyota knapp vor Volkswagen platzieren: Die Japaner verkauften 2,52 Millionen Autos, Volkswagen 2,45 Millionen.

Einen deutlichen Vorsprung hat Toyota allerdings beim operativen Gewinn, der im ersten Quartal umgerechnet 4,7 Milliarden Euro betrug – Volkswagen kam auf 3,3 Milliarden Euro.

Beide Unternehmen – Toyota und Volkswagen – spürten allerdings deutlich das Abkühlen der weltweiten Autokonjunktur. Volkswagen steigerte den Absatz nur noch um 2 Prozent, bei Toyota sank der Absatz sogar um 2 Prozent.

Daimler mit stärkstem Absatz- und Gewinnplus

Das weltweit stärkste Gewinnwachstum schaffte im ersten Quartal Daimler: Der Stuttgarter Autobauer  steigerte den operativen Gewinn um 63 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro und belegt nun hinter Toyota und Volkswagen den dritten Rang im weltweiten Ranking der gewinnstärksten Autokonzerne. Die Gewinnmarge steigt deutlich von 6,1 auf 8,5 Prozent – ebenfalls Platz drei im Ranking der Autokonzerne.  Profitabelster Autokonzern der Welt ist aber weiterhin BMW mit einer operativen Marge von 12,1 Prozent (Vorjahr: 11,5 Prozent) vor Toyota mit 8,9 Prozent (Vorjahr: 6,6 Prozent).

Auch beim Absatzwachstum hatte Daimler weltweit die Nase vorn: Die Stuttgarter verkauften im ersten Quartal 524.000 Autos, das waren 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. BMW liegt mit einem Absatzplus von acht Prozent auf dem zweiten Rang – gefolgt von Mitsubishi (plus fünf Prozent).

„Vor allem die deutschen Premiumhersteller waren im ersten Quartal gut unterwegs und lagen beim Absatzwachstum deutlich über dem Gesamtmarkt“, stellt Peter Fuß, Partner bei EY, fest. „Beim Umsatz- und Gewinnwachstum profitierten die deutschen Autobauer allerdings – wie auch die anderen in Euro bilanzierenden Autokonzerne PSA, Renault und FCA – erheblich vom schwachen Euro, ohne den die Zahlen deutlich weniger eindrucksvoll ausgefallen wären“.

Fuß geht davon aus, dass die Euro-Schwäche anhalten wird und rechnet daher auch für die kommenden Monate mit spürbarem Rückenwind für die deutschen Autobauer. „Die deutschen Autokonzerne erwirtschaften mehr als 60 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Westeuropas, entsprechend stark wirkt sich der schwache Euro aus: Zum einen können sie ihre Fahrzeuge außerhalb der Eurozone günstiger anbieten, zum anderen werden im Ausland erwirtschaftete Umsätze bei der Umrechnung in Euro aufgewertet“.

Immer mehr Krisenherde

Bei aller Freude über das dank Euroschwäche starke Umsatz- und Gewinnwachstum – die tatsächliche Absatzentwicklung gibt wenig Anlass zu Euphorie, warnt Fuß: „Der weltweite Automarkt legt derzeit eine Wachstumspause ein, und die Marktschwankungen werden immer stärker. Zwar entwickeln sich Nordamerika und Westeuropa derzeit gut. Aber Russland und Südamerika befinden sich im freien Fall, und der gerade für die deutschen Autobauer so wichtige chinesische Absatzmarkt schwächelt“.

Vor allem die relativ niedrigen Zuwachsraten der deutschen Autokonzerne in China sieht Fuß mit Sorge: „Bislang war China eine Erfolgsgeschichte für die deutschen Autobauer – einen großen Teil ihres weltweiten Wachstums haben sie diesem einen Markt zu verdanken. Inzwischen spüren sie dort aber starken Gegenwind. Das Wachstum ist deutlich zurückgegangen, die Margen sinken, der Konkurrenzkampf wird intensiver. Zudem ist China selbstbewusst geworden und arbeitet mit Erfolg daran, heimische Automarken voranzubringen. Die Behörden achten darauf, dass die ausländischen Hersteller nicht übermächtig werden.“

Vor dem Hintergrund der abflauenden Autokonjunktur sollten sich die deutschen Autobauer – trotz Rekordumsatz und -gewinn – auf schwierigere Zeiten einstellen, rät Fuß: „Dank des schwachen Euros schlägt sich die Absatzschwäche noch nicht in den Finanzkennzahlen der deutschen Autobauer nieder. Früher oder später werden aber auch die Premiumhersteller die weltweite Nachfrageschwäche zu spüren bekommen und darauf reagieren müssen. Eine Steigerung der Effizienz und Flexibilität muss daher auch in vermeintlich guten Zeiten wie diesen ganz oben auf der Tagesordnung stehen“.

Quelle: EY